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XXX   Heavy Metal in Rußland   XXX
Korrosija Metalla



Korrosija Metalla (Metall Korrosion) ist eine der ältesten Thrash-Gruppen der Sowjetunion und zugleich die umstrittenste. Sie kämpften zu Zeiten der Sowjetdiktatur gegen das System und für die Freiheit des Heavy Metal, sie solidarisierten sich mit Jelzin und Gorbatschow zur Rettung der jungen Demokratie während des August-Putsches 1991, andererseits rückten sie von Jahr zu Jahr immer weiter in die rechte Ecke bis hin zum offenen Rassismus und Faschismus.
Aber alles der Reihe nach. Gegründet 1982, dem Jahre als Breschnew starb und ihm Andropow als Sowjetführer folgte, lag 1985 das erste Tondokument in Form des Tapes "Wlast sla" (Macht des Bösen) vor. Da zu der damaligen Zeit so eine Musik "verboten" war, nahmen Korrosija Metalla das Album in einem Underground-Studio auf. Und so undergroundig klingt das ganze auch, vom Sound, vom Gesang, von den musikalischen Fähigkeiten. Um es genau zu sagen, es klang scheiße. Nur der Opener zeigte, wo es später einmal langgehen sollte. Ein Hit namens "Luzifer", der fortan zu jedem Livegig gehörte, wie bei jenem Konzert im Kulturhaus Roter Oktober 1987, das Jahre später als CD veröffentlicht wurde. Der Gesang klang rauher und aggressiver, an den Instrumenten war man gereifter, auch wenn manches livebedingt noch quietschig klingt. Aber es gab das volle Brett, für damalige Sowjetverhältnisse unvorstellbar, Metallica- und Slayer-mäßiger Speed und Thrash.
1988 war es dann soweit, das erste richtige Studioalbum erblickte das Licht der Welt unter dem Namen "Orden Satani". Leider kann ich zu den Original-Aufnahmen nichts sagen, da sie 1993 nochmal neu eingespielt wurden. Aber dieses Album ist ein bis heute unerreichter Klassiker in der langen Historie von Korrosija Metalla. Gleich der Opener "Spid" bricht einem den Nacken, Hochgeschwindigkeits-Thrash mit einprägsamen Leads und einem rauchig versoffenen Sänger. Nach zwei Midtempo-Songs, sofern so etwas im Thrash überhaupt existiert, dreht "Motorocker", wie der Name schon vermuten läßt, wieder auf. Vollgas gibt es ebenfalls beim nachfolgenden Song "Tschornyi terror" (Roter Terror), eine Abrechnung mit dem noch fest im Sattel sitzenden System, bei dem ich solche Textfetzen raushöre wie "Armageddon, Legion Metal". Schicken hier Korrosija Metalla also die Legionen des Metal zur letzten entscheidenden Schlacht gegen den Roten Terror? Dem langsameren "Phantom" und dem speedigen "Abbadon" folgt das schon bekannte "Luzifer"; und wie es sich gewandelt hat seit dem Demo – groovend ohne Ende und aggressiver durch den rauheren Gesang! Den Abschluß dieser genialen Scheibe bildet ein siebenminütiges Soundexperiment, was sie sich aber getrost hätten schenken können. Ein Speedkracher eröffnet auch ein Jahr später den Nachfolger "Russian Vodka", bevor das Titelstück ertönt. Ein mitgröhlbares, rauhes, versoffenes Stück Metal in bester Motörhead-Tradition. Für mich einer der fünf besten Korrosija-Songs. Um den Restalkohol aus dem Körper zu schwitzen, folgt gleich im Anschluß mit "Tank vampira" der schnellste Song der Scheibe, was nicht heißen soll, daß es danach langsamer weiterging. Wie beim Vorgänger gibt es zum Abschluß wieder "Noise", der diesmal auch so heißt und zum Glück nur 50 Sekunden lang ist.
Was ich vom ‘90er Album "Kannibal" halten soll, weiß ich nicht. Irgendwie ist der Titel aber programmatisch. Sie knabbern an sich selber rum, beziehungsweise nehmen etliche ihrer alten Klassiker neu auf und ergänzen sie mit punkig-thrashigen Songs. Zwischen "Kannibal" und dem nächsten Studioalbum liegen nicht nur zwei Jahre, sondern auch das Live-Album "Debosch w Orlenkje", sowie der August 1991, jenes Datum, welches die Weltgeschichte verändern sollte. In diesem Monat putschten konservative kommunistische Politiker und Militärs gegen den Präsident der Sowjetunion Gorbatschow und hielten ihn auf der Krim gefangen. Das Weiße Haus, der Sitz des Präsidenten der russischen SSR Boris Jelzin, wurde von Militärs belagert und die junge, aufkeimende Demokratie von Bürgern Moskaus tagelang verteidigt. Auf eben jenen Barrikaden standen auch Korrosija Metalla und spielten dort zur Aufmunterung der Verteidiger. Videoaufnahmen zeigen die Band zusammen mit Boris Jelzin und später nach seiner Freilassung auch mit Michail Gorbatschow. Ob sich in jenen Nächten auf den Barrikaden so viel Aggressionen angestaut haben? Jedenfalls ist das nachfolgende '92er Album "Sadism" das heftigste, was sie bis dato einprügelten. Wie der Titel schon andeutet, wird hier im Hyperspeed-Thrash nach allen Regeln gemetzelt und gesplattert. Aus diesem Blutbad ragen aber dennoch das geniale Midtempostück "Come to Sabbath" sowie "Kiss of Devil" heraus.
Ich weiß nicht, was die Band in den folgenden Jahren durchgemacht hat, oder unter welchen geistigen Einfluß sie geraten ist, jedenfalls stand 1995 das nächste Album "1.966" an, welches durch ein Cover mit einem riesigen, abgewandelten weißen Hakenkreuz auf schwarzem Grund schockt. Provokation sind wir von Korrosija Metalla ja schon gewohnt, aber das geht doch schon etwas weit. Widmen wir uns also erstmal der Musik. Aber auch die schockt. Lieder wie "Apocalipsis Time" und "Digital exater" klingen genau so: apokalyptisch, modern, digital, verzerrt. Aus dem Rahmen fällt nur "Nicht kapituliren", mit seinem Mitsingrefrain: "Nicht kaputen, nicht kapituliren", sowie dem Spruch, der auf der Gürtelschnalle aller Wehrmachtssoldaten stand: "Goot mid uhns". Bei dieser Aussprache könnte man darauf schließen, daß sie gar nicht wissen, was sie da singen. Im Zweifel für den Angeklagten. Ihr seht, noch versuche ich die Jungs zu verteidigen, zu genial waren ihre Frühwerke und zu beeindruckt war ich durch ihren jahrelangen Kampf gegen das unterdrückende System und für die Demokratie. Aber es macht einen schon stutzig, wenn gerade dieses Lied als Maxi ausgekoppelt wird und als Titel für die im selben Jahr erschienene halb Studio-, halb Live-CD herhalten muß. Im Booklet sieht man einen nachgemachten Adolf Hitler, wie er eher wie eine Witzfigur zwischen zwei nackten Mädels auf der Bühne steht.
1996 erscheint die nächste CD und soll mir Aufschluß über den Gesinnungswandel der Truppe geben. "Saderschite pojesd" (Den Zug aufhalten) bietet neben neuen Songs, wie dem Titeltrack und "Doktor Frankenstein", auch Neuaufnahmen älterer Songs, wie "Fucking Militia" und "Punk not dead", nur eines bietet die Scheibe nicht: Klarheit, denn ich finde auf ihr kein Hakenkreuz, Hitler oder ähnliches. War alles nur Provokation und unbegründete Unterstellung gewesen? Kaum denkt man, alles ist entkräftet, da legen Korrosija Metalla im folgenden Jahr noch eins drauf. "Kompjuter Gitler" erscheint diesmal nur als Tape (später als CD rereleased), aber im Booklet wieder mit einem originalgetreuen Hitler inmitten von zwei nackten Frauen, mit denen er sich genüßlich vergnügt. Daß der Titel auf den ersten Blick verwirrt, liegt daran, daß es im russischen Alphabet kein "H" gibt, dafür schreiben sie immer "G". Es folgen die Jahre über mehrere CDs, die halb aus ein paar neuen Stücken und halb aus Liveaufnahmen bestehen. Gemein sind allen diesen Scheiben in den Booklets nackte Mädels mit Hakenkreuzfahnen und Hitler-Figuren. Die negative Krönung ist aber ein Sampler von 2001, der unter dem Titel "Beij Tscherteij – Spasaij Rossiju!" (Schlagt die Juden – Rettet die Russen!) sämtliche rassistischen und nationalistischen Lieder der Gruppe auf einer CD vereint. Spätestens jetzt gibt es keine Entschuldigungen oder Erklärungsversuche mehr. Korrosija Metalla sind seit "1.966", welches auch ihr letztes vollständiges Studioalbum war, in den braunen Sog geraten und von Jahr zu Jahr tiefer darin versunken. Es bleibt also abschließend a) eine Band zu würdigen, die während der Sowjetzeit gegen das menschenfeindliche, unterdrückende System und für die Freiheit und den Metal gekämpft hat. Dabei hat sie solche durchweg empfehlenswerte Scheiben wie "Shisnj w Oktjabre", "Orden Satani" und "Russian Vodka" veröffentlicht. Und b) eine Band zu verachten, die sich, kaum war die Freiheit vom roten System erreicht, hingebungsvoll dem braunen Pendant zuwandte. Alle CDs ab 1995 solltet Ihr also meiden, und das nicht nur, weil sie einen geringen musikalischen Wert haben.

Text wird bald mit der neuen CD forgesetzt.


1985 Wlast sla MC
1987 Shisnj w Oktjabre ‘87 CD
1988 Orden Satany LP/CD
1989 Russian Vodka LP/CD
1990 Kannibal LP/CD
1990 Debosh w orlenkje ‘90 CD
1992 Sadism LP/CD
1995 1.966 CD
1995 Nicht kapituliren CD
1996 Saderschite pojesd CD
1997 Kompjuter Gitler CD
1997 Tschelowek so schramom CD
1997 Adskij Konzert CD
1997 Wenera MC
1998 Ugar w poljarnom! CD
1998 Tanzewalnyi rai & ad ‘98 CD
1999 On ne ljubil utschiteleij MC
2001 S nowim godom! MC
2001 Legendy ruskogo rocka CD
2001 Samogon CD
2001 Beij tscherteij – spasaij rossiju! CD
2002 MP3 Kollekzija 2CD
2002 Jasytscheskije bogi CD
2002 Antichrist? CD
2003 Tschad kutescha, ili s nowim godom! CD
2003 Radogstnaja schisn CD
2004 Belje wolki CD




geschrieben am 30.04.2004   von Børge
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