XXX Heavy Metal in Rußland XXX Mawrik / Sergeij Mawrin
Nachdem Sergeij Mawrin im Februar 1995 seine bisherige Band Arija verließ, sammelte er eine hochkarätige Truppe aus ehemaligen Master- oder Hellraiser-Musikern um sich. Hinter dem Mikrofon stand als Krönung kein geringerer als Valerij Kipelov, the voice of Arija, wenn auch nur als Gast für eine CD. Er war aber auch im Songwriting so dominant, daß die Scheibe "Smutnoje wremja" 1997 (Zeiten der Wirre) unter dem Namen beider Musiker Kipelov & Mawrin erschien. Durch diese wohlbekannte Stimme behielt man die Nähe zu Arija, während man sich musikalisch leicht von ihnen entfernte, aber trotzdem noch im ganz klassischen traditionellen Metal bewegte. Durch diesen geschickten Schachzug, die Megastellung Arijas ausnutzend, verkaufte sich die MC-Version innerhalb von zwei Monaten 100.000 mal. Die Erstauflage der CD von 3.000 Stück (ja, in solchen Stückzahlen werden in Rußland nur CDs gepreßt), war schon am ersten Tag ausverkauft. Alles in allem also ein famoser Start in die Solokarriere mit einem vollkommen überzeugenden Album.
Gespannt wartete ich dann auf die erste richtige Soloscheibe, bei der ich ja wußte, daß Kipelov mit seiner Stimme nicht mehr das Arija-Flair erzeugen würde. Nur ein Jahr später war es so weit: "Skitalez" (Landstreicher) erschien unter dem Namen Mawrik und ich starrte fassungslos auf das Cover. Ein Gruppenfoto ist ja im allgemeinen nichts schlimmes, in diesem besondern Falle schon: Mawrin in einem silbernen Hemd mit einer Frisur aus den übelsten '70er Jahre-Filmen, der Sänger mit VoKuHiLa-Haaren und einem bis zum Bauchnabel offen Hemd mit dicker Goldkette. Der Schlagzeuger schließlich sah mit seinem Käppi, der Trend-Brille und seinem Mund-Bart aus wie Heinz Rudolf Kunze. Ich erwartete jetzt schon eine Schlager-Verarschungs-Platte a la Boney’ Nem, oder eine richtige Pop-Platte, und die ersten Takte schienen meine Befürchtungen schon zu bestätigen, doch dann fängt sich die Scheibe wieder. Was aber nicht heißen soll, daß sie gut wird. Ein poppiger Unterton bleibt und moderne Elemente treten hinzu, so daß nun gar nichts mehr an Arija erinnert. Album abgehakt und wieder ein Jahr auf das nächste Lebenszeichen gewartet, was 1999 als "Neformat" erschien. Unformat, Nichtformat? Was soll denn dieser Titel? Eine Hörprobe soll Aufschluß geben: Rein in den Player, Start und kurz danach Stop gedrückt, raus aus dem Player, wegen abgedrehter neumetallischer Klänge für nicht Björn-kompatibel befunden, den Titel "Unformat" durch "Unmetal" ersetzt und ein weiteres Jahr auf Besserung gewartet.
Mein Flehen scheint erhört worden zu sein, denn 2001 hielt ich eine CD in den Händen, die nicht mehr auf den Namen Mawrik hörte, sondern jetzt auf dem Cover Sergeij Mawrin in roten Buchstaben auf einem großen metallischen Logo abbildete. Das sah doch schon endlich mal wieder vielversprechend aus. Sah es nicht nur, hörte es sich auch so an. "Chimitscheskij son" (Chemischer Traum), so der Titel des Albums, war traditionell ohne altbacken zu klingen, es war modern ohne Nu Metal zu sein, es war einfach eine frische, kraftvolle Scheibe geworden, abseits aller Trends. Sergeij ist nach einigen Irrwegen im neuen Jahrtausend angekommen. Und daß er immer noch eigenwillig ist, zeigt er mit dem vorerst letzten Album "Odinotschestwo". Es ist ein Best of-Album, das unter dem übersetzten Titel "Einsamkeit" nur die Balladen der bisherigen Scheiben enthält, bei dem aber alle Songs mit dem jeweiligen Original-Sänger neu eingespielt wurden. Auf der Homepage seiner Plattenfirma steht eine Aussage von Mawrin: "I would like to dissociate my work from any other music style as I just want to write songs and not to stick to any definite style. There are no limits for me I just do everything I like. To tell the truth, I don’t know myself what I will write tomorrow." Somit werden wir wohl weiterhin immer unsere Überraschungen mit diesem Gitarristen erleben.
Der Text wird bald mit der neuen CD fortgesetzt
Als KIPELOV & MAWRIN:
1997 Smutnoje wremja CD
Als MAWRIK:
1998 Skitalez CD
1999 Neformat1 CD
Als SERGEIJ MAWRIN:
2001 Cimitscheskij son CD
2002 Odinotschestwo CD
2004 Sapreschennaja realnost CD
geschrieben am 01.05.2004 von Børge
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musikalischer Background des Verfassers Death Metal, Experimental, Grind, Doom, Sludge, Hip-Hop, Jazz, Prog in allen Varianten
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