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XXX   Wenn der Konsument zum Terroristen der Industrie wird   XXX


Am 23.4. war es wieder soweit: In breiten Lettern und mit weinerlicher Stimme schrie mich die Homepage des „Bundesverbandes Phono“ an: Illegale "Tauschbörsen" schaden dem Musikmarkt !!!

Mein erster Gedanke war: "Warum eigentlich illegal?" Gibt es denn legale Tauschbörsen oder ist dieser Zusatz nur ein Versuch dem Konsumenten klar zu machen, dass er zum Kleinkriminellen wird, wenn er Tauschbörsen nutzt?
"Downloader kaufen in Deutschland 37% weniger Singles - internationale Studien bestätigen negative Auswirkungen in Deutschland" prangert mich der Untertitel an und "Nutzer von illegalen Tauschbörsen kaufen deutlich weniger Musik", legt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Deutschen Phono-Akademie nach. Doch halt, fast hätte ich hier das entscheidende Wort überlesen: „Singles“. Da bringt mich unweigerlich nicht zur Frage „Warum werden weniger Singles verkauft?“, sondern zu „Warum sollte ich eine Single kaufen?“ und „Welchen Gegenwert bietet mit die Single?“ Die zweite Frage beinhaltet auch die Antwort zu ersten: Eine Single bietet mir im Bereich der populären Musik keinerlei Gegenwert (in Zahlen: 0) fürs Geld, im Metal sieht es etwas anders aus doch dazu später. Bleiben wir als bei den Charts. Jede Single kann ich ohne Probleme umsonst bekommen und das nicht mal durch einen illegalen Download. Mittlerweile hat jeder Jugendliche - die finanzstärkste Zielgruppe der Industrie - in seinem Zimmer einen PC modernern Datums stehen und jeder dieser Computer ist mit einer TV-Karte ausgestattet oder mit einer 30 Euro-Hardware von Aldi damit nachgerüstet worden. Wir sind sogar bald schon so weit, dass auch Low-Bugdet-Rechner eine digitale Empfängerkarte als Standard führen. Wenn ich nun weiter überlege, dass ich mit ein wenig Recherche im Internet ziemlich genau herausfinden kann, wann welches Lied auf welchem Sender gespielt wird, ist der Rest ganz einfach: PC anmachen, die Software starten und als mp3 wunderbar aufnehmen. Arbeitsaufwand nicht mehr als 5 Minuten. Selbst für DAUs (Dümmster Anzunehmender User) kein Problem. Und selbst wenn am Radio der Moderator mal wieder ins Lied reinquatscht oder die Verkehrsmeldungen die Aufnahme versauen, habe ich immer noch die Alternative auf einem der „zielgruppengerechten“ Schurkensender (sic!) das Video aufzunehmen und die Tonspur zu extrahieren. Aufwand nicht mehr als 10 Minuten und sogar noch das passende Video, das es auf der Single natürlich nicht gibt. Dafür beinhaltet die Single vielleicht 5 Remixe von der Radioversion - meistens in einer Qualität, die jeder Schüler mit Freeware am heimischen Computer mit wenigen Mausklicks besser hinbekommt. Und damit komme ich auf die Eingangsfrage zurück: „Warum so soll ich 5 Euro für etwas bezahlen, dass ich völlig legal selbst noch besser herstellen kann?“.
Bei uns lang- und kurzhaarigen Bombernlegern hat sich dagegen ein anderer Trend ausgemacht. Single plus 3 Tracks, die nicht auf dem nachfolgenden Album enthalten sein werden. Und dass sich dieser Aufwand lohnt, wird aus einer Single gerne mal eine EP, eine Mini-Album gemacht. Denn dafür kann man mehr Geld verlangen. Ich stelle hier jetzt keinen Namen in den Raum und jeder mag sich mit Blick auf die Veröffentlichungen der letzten Monate im Zusammenhang mit Preis der Maxi/EP und Spieldauer des aktuellen Albums der Band selbst sein Bild machen.
Ja der Preis, der ist ganz heiß. Ich möchte an dieser Stelle mal einen kleinen Ausflug in die Nahrungsmittelindustrie und einer interessanten Beobachtung machen: Es gibt einige Firmen, die wirklich mit juristischen Schritten drohen, wenn jemand Ware aus dem Fabrikverkauf des Unternehmen in einem Online-Auktionshaus verkauft. Bei nahezu gleicher Qualität der Ware im Supermarkt und im Lagerverkauf frage ich mich: "Warum kaufen die Leute den Kram von Privatanbietern?" Sicher nicht weil die Verpackung schöner ist und wahrscheinlich auch nicht, weil es bequemer ist (Welcher Postbote außer meinem klingelt denn heutzutage noch, wenn er ein Paket abzugeben hat?). Bleibt logischerweise der Preis als entscheidendes Argument. Das Unternehmen verliert einige Euro, der Privatverkäufer sackt einen Euro ein, den der Käufer spart. Dafür erschließt sich dem Unternehmen ein neues Distributionsnetz und Premium-Produkte erreichen auf einmal sogar Geizkrägen, die immer mit den Worten „Ist mir viiiiel zu teuer“ abwinken. Dieser kleine Ausflug ist deshalb interessant, weil auch die Plattenfirmen ihren Lagerverkauf haben, sei es nun als Webshop oder als normales Geschäft im Ort des Labels. Preislich ist kurioserweise kein Unterschied zwischen dem Labelverkauf und dem Kauf über einen Händler festzustellen (außer, dass es u.a. beim Hersteller sogar teurer ist - Stichwort Gamma Ray). Wer ist nun der Schuldige an den hohen CD-Preisen, die „in einer beispiellosen international funktionierenden Absprachekartell künstlich auf einem Preisniveau von 30 DM gehalten“ (Danke an meinen Kollegen Warmaster für diese passende Formulierun) werden? Der Vertrieb kann es ja nicht sein, denn wenn Händler und Hersteller die Ware zum gleichen Preise anbieten, verkauft der Händler unter Einkaufspreis oder der Vertrieb ist kostenlos. Noch schlimmer wird es beim Blick auf den Webshop: Versandgebühren! Hallo? Die Kosteneinsparung bei der Distribution wird ja wohl beim Versand von 2 bis 3 CD-Alben die Portokosten und Personalkosten locker decken! Im Gegenzug ist ja mittlerweile immerhin so kulant und bietet als Ausgleich für eine Bestellung von über 500 Euro (sic!) ein Gratisalbum nach Wahl des Labels an. Super Idee. Nur Leute, dann schaut Euch auch die Bestellung an. Was soll ich denn mit einer Grindcore-CD, wenn ich 10 Power-Metal-CDs auf der Bestellung habe? Und wieder mal sind es die Kleinen, die es den Großen vormachen. Ich nenne mal Ketzer Records oder G.U.C. als löbliche Beispiele des kundenfreundlichen Gratisexemplars, da beide die Gemeinsamkeit meiner Bestellung entdeckt haben und die entsprechende Bonus-CD dazugepackt haben. Oder als weitere Beispiele einer vernünftigen Preispolitik: Skaldic Art (hierzu verweise ich gerne auf den Artikel meines Kollegen Björn Springorum) oder Hard II Earn mit dem mp3-Sampler.
Solche Maßnahmen erwarte ich eigentlich von großen Firmen, die damit richtig Geld scheffeln und nicht von Idealisten. Etwas mehr Mut, könnte auch den Vorständen bei Ihren Entscheidungen, diesen Weg einzuschlagen nicht schaden. Was haben sie denn zu verlieren? Nichts, wie uns kürzlich Daimler eindrucksvoll bewiesen hat. Ein Scheitern hätte sogar noch einem wirtschaftlichen Vorteil für den "Big Boss". Aber vielleicht will man ja nicht die fette Abfindung aufs Spiel setzten und verzichtet daher auf neue Distributionsmodelle, die Erfolg haben könnten.
Doch zurück zu meinen Freunden von der IFPI: „Illegale Tauschbörsen im Internet sind somit in hohem Maße für die Umsatzrückgänge im legalen Tonträgermarkt verantwortlich. Die Einbußen in Deutschland lagen im Jahr 2003 bei knapp 20%. …die neue Brennerstudie der GfK in Nürnberg“ und „Internationale Studien kommen zu dem gleichen Ergebnis“. Na also, wenn Studien das ergeben haben, wird es stimmen. Schließlich bringt jede Studie, die man selbst bezahlt hat, nicht das Ergebnis, das man sehen will (Vorsicht!: Ironie). Vielleicht sollte auch die Phonoindustrie mal dazu übergehen ehrlich Zahlen zu veröffentlichen, die auch die allgemeine Wirtschaftsflaute in Deutschland mit einbezieht. Und vor allem nicht immer nur von Umsatzrückgang reden. Welche Aussagekraft hat bitte der Umsatzrückgang, wenn sich im gleichen Zeitraum die entsprechenden Kosten um ein Vielfaches verringert haben? Und vor allem sollte man endlich mal von der Annahme wegkommen, dass "Download = nicht ausgeführter Kauf einer CD". Das wäre genauso als würde der Autohändler seine Kunden nach jeder Probefahrt zur Schnecke machen, wenn er denn das Auto doch nicht kauft. Schwarze Schafe, die den Download ausnutzen und sich daran sogar bereichern (im Sinne vom Weiterverkauf) gibt es immer wieder und das ist in der Tat aufs Schärfste zu verurteilen. Nur ob bei diesen Zahlendimensionen wirklich der böse David den guten Goliath zu Fall bringen kann, stelle ich mal als höchst zweifelhaft hin.
Das Highlight hebt sich die IFPI in ihrer aktuellen Pressemittelung zum "Schurken-Konsumenten" bis zum Ende auf: „Mit dieser Klarstellung wird die in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie eines Professors der Harvard Business School (USA) isoliert: Er hatte fälschlich behauptet, illegale Musikangebote nutzten der Musikwirtschaft sogar. … - sie ist aber falsch“ . Na dann bin ich ja beruhigt, wenn auch Professoren der renommierten Universität von Harvard genauso einfältig sind, wie der gemeine Bürger auf der Straße.
Zum Abschluss noch eine Bitte: Seit so nett und veröffentlicht in Zukunft zu den aktuellen Raubkopierer-News auch ein Video-Stream, dass wir alle die Krokodilstränen der Industrie sehen können....

geschrieben am 07.05.2004   von Nameless
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