XXX Heavy Metal in Rußland XXX Nowij Sawet (New Testament)
Mit dem Untergang des Sowjetsystems begann in Rußland nicht nur die Freiheit Rock Musik offen zu spielen, sondern auch, sich zu einer Religion zu bekennen, da ja früher verordneter Staatsatheismus herrschte. Wen wundert es da also, daß eine Gruppe antritt, beides zu vereinen. Sie hört auf den passenden Namen Nowij Sawet, was übersetzt Neues Testament bedeutet. Nun, eine Offenbarung ist ihre Musik leider nicht so ganz. Über die textlichen Aspekte brauche ich mich hier nicht großartig auszulassen, die dürften bei übersetzten Titeln wie "Hallelujah", "Christliches Leben", "Prediger des Guten" oder "Der gesegnete Paul" eindeutig sein. Obwohl, bei dem letzten Titel wundere ich mich schon ein wenig, denn Rußland ist ja orthodox und nicht römisch-katholisch.
Egal, wenden wir uns dem Entscheidenden zu und das ist für uns schließlich die Musik. Hierbei folgen sie weder ihren USA-Brüdern Stryper mit Haarspray-Metal, noch verbreiten sie ihre Botschaft über den Death Metal wie die australischen Mortification. Nein, sie verwenden die einzige für mich passende Musik hierfür: den Doom Metal. Doch leider praktizieren sie ihn vorläufig nicht in seiner ausgeprägten Slow-Motion-Variante, sondern gehen etwas flotter zur Sache. Somit sind die beiden komplett in Russisch eingesungen LPs "Alliluja" (Hallelujah) und "Isgonjajustschij djawola" (Teufelsaustreiber) durchschnittliche Christen-Metal-Scheiben ohne hervorstechende Hits. Doch alles ändert sich mit der dritten Scheibe "Apocalypse". Nicht nur, daß das Cover genial aussieht: in Giftgrün erstrahlen die vier Apokalyptischen Reiter. Auch die Musik hat sich verändert. Ich war zuerst versucht, die LP auf 45 abzuspielen, um die Ähnlichkeit zu den beiden Vorgängern herzustellen, aber nein, diese Scheibe ist wirklich richtiger Doom geworden. Ein Blick ins Innencover verrät mir, daß sie auch keinen neuen Sänger haben, aber Gorbachev klingt auf einmal wie auf alten Candlemass-Scheiben, nur in einer armen Ostblock-Version. Um die Verwirrung komplett zu machen, ist die LP auch in für uns verständlichem Englisch eingesungen und im Gegensatz zum Debüt versprechen Songs wie "Legions of Death", "Night of the last Pain", "The Number of the Death" oder "Werewolfs" interessantere Texte. Leider wurden Jahre später nur die ersten beiden Alben auf CD wiederveröffentlicht, nicht aber diese dritte LP, die ich Euch empfehlen möchte. Und noch bedauerlicher ist es, daß sie sich nach dieser Scheibe aufgelöst haben… aber der Sänger taucht fast ein Jahrzehnt später wieder auf, allerdings unter dem Namen Sabotasch.
musikalischer Background des Verfassers Death Metal, Experimental, Grind, Doom, Sludge, Hip-Hop, Jazz, Prog in allen Varianten
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