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XXX   Heavy Metal in Rußland   XXX
Kruiz



Kruiz sind wohl hier in Deutschland die bekannteste und unbekannteste Band zugleich. Bekannt, weil sich jeder alte Metaller noch an das Jahr 1988 erinnert, als hier überall in damals noch West-Deutschland eine schwarze LP/CD mit einem großen roten Stern in den Regalen stand und Kruiz in München ein Konzert gaben, welches komplett im Fernsehen übertragen wurde (ja, so etwas gab es damals noch). Unbekannt, weil jeder dachte, daß diese Scheibe die Debüt- und einzige CD dieser Gruppe war. Weit gefehlt! Kruiz gab es schon vorher und heute immer noch. Sie sind die älteste Rock-Gruppe Rußlands, oder damals noch der Sowjetunion. Somit begeben wir uns weit, weit zurück, hinein in die Zeit des Kalten Krieges und eines greisen Machthabers Leonid Breschnew, der im Dezember 1979 seine Armeen in Afghanistan einmarschieren ließ.
Zu diesem düsteren Zeitpunkt existierte Kruiz schon ein Jahr. 1980 erschien die erste LP "Krutitsja woltschok" (Drehender Brummkreisel) und eröffnet mit Status Quo-lastigen Gitarrenriffs bei "Besumzyi!" (Die Verrückten!), bevor sie auf den nachfolgenden Liedern in poppige oder abgespaced-rockige Gefilde abdriften. Plötzlich donnern Uriah Heep-Riffs durch die Boxen und prägen das beste Lied dieser Scheibe und wohl auch das mutigste, denn der Titel heißt übersetzt "Ein Ausreisevisum für Kruiz". Gleich danach folgt ein weiterer Kracher, diesmal standen Deep Purple Pate. Zwei Lieder Space Rock Verschnaufpause, bevor Kruiz einen schönen Blues mit Led Zeppelin-Versatzstücken intonieren. Alles in allem eine wirklich sehr abwechslungsreiche Debüt-Scheibe durch das Who-is-who der damaligen Rockmusik haben Kruiz hier vorgelegt, die ich selbst heute immer noch gerne höre. Um so enttäuschter war ich dann von dem Nachfolger "Posluschai, tschelowek" (Hör zu, Mensch), bei dem sämtliche Reminiszenzen an die alten Hard Rock-Helden fehlten. Ein poprockig glattgebügeltes Album.
Die Sowjetbehörden schienen sich allmählich wohl den systemkritischen Texten auf der Debüt-LP zu entsinnen, jedenfalls wurde 1983 die Gruppe von Staatsseite aus aufgelöst. So etwas ging damals ganz einfach, da ja alle Künstler Angestellte des Staates waren. Und wenn jemand querschießt, wird er halt entlassen. Zum Abschied gab es das Live-Album "Putschestwije na wosduschnom schare" (Reise im Heißluftballon), sowie unter dem Namen "P.S. Prodolshenije sledujet" eine Split-CD mit E.V.M., der Nachfolgegruppe eines Großteils eben jener "PS…"-Besetzung.
Diesen Titel, der übersetzt "P.S. Zur Fortsetzung" heißt, nahm der Gründungs-Gitarrist Valerij Gaina zwei Jahre später wörtlich und reformierte Kruiz erneut, diesmal mit sich selbst als Mittelpunkt, da er neben der Gitarre nun auch den Gesang übernahm. Das akustische Resultat trägt den unverständlichen und so komisch zwischen Groß- und Kleinbuchstaben hin und her springenden Namen "KiKoGaVVA", was eigentlich nur eine Aneinanderreihung der ersten zwei Buchstaben der Musikernachnamen und der ersten Buchstaben der Vornamen ist: Kirnizki, Koroljuk, Gaina, Vsevolod, Valeri, Alexandr. Das Herausfinden des Titels ist leider auch das einzig spannende an dieser Scheibe, die sonst leider nur Pop Rock bietet, weshalb dieses Line-Up zum Glück auch schnell wieder Geschichte war. Denn nun scharte Gaina mit Feodor Vasiliev und Sergei Efimov die Mannschaft um sich, mit der der große Durchbruch gelingen sollte. Bevor man den Resultaten auf der "Cruise 1" lauschen kann, muß man allerdings ein 4:40 Minuten langes Intrumental-Intro über sich ergehen lassen. Doch die Geduld hat sich gelohnt. Kruiz sind richtiger Metal geworden mit klassischen, teilweise sogar speedigen Gitarren-Riffs und Drums. Als hätten sie ein Jahrzehnt lang vorher nichts anderes gespielt, haben sie ohne Durchhänger einen Kracher des russischsprachigen Metal nach dem anderen in die Rillen gebannt. Dies blieb auch jenseits des Eisernen Vorhangs nicht verborgen und bescherte Kruiz die Openerfunktion bei der Rußland-Tour von Rage. Diese kurzzeitige Aufmerksamkeit des Westens wurde geschickt genutzt und ehe man sich versah, hatten Kruiz 1988 einen Plattenvertrag in Deutschland bei der WEA unterschrieben. In eben diesem Jahr schlenderte ich wie immer durch die Abteilungen der Plattenläden und da leuchteten mir die roten kyrillischen Buchstaben des Gruppennamens und ein großer Sowjetstern entgegen. Russen hier bei mir in Braunschweig, wo ich damals studierte, im Saturn-Markt? Ich habe sie sofort verhaftet und nach Hause gezerrt, zur Strafe in den CD-Player eingesperrt und zufällig auf Play gedrückt. Fortan hatte Kruiz Einzelhaft, denn keine andere CD hatte für eine gewisse Zeit die Chance in meinen Player zu gelangen, so dermaßen umgehauen hat mich "Kruiz", so der Titel. Ein erfrischender Cocktail aus Speed und Thrash den Gaina da so unbekümmert aus dem Ärmel schüttelte. "Knight of the World", "Brave new World", "Heaviest in Town", "Avenger", "In Flames", "Dream 5000 Years long", "Iron Rock", "Possessed", wirklich JEDER Song ist ein Volltreffer, welche nur noch durch den letzten Track übertroffen werden: "W ogonj", die russische Version von "In Flames". Dies war nämlich das einzige Zugeständnis auf dem Weg zur Eroberung des Weltmetallertums: die CD war komplett in Englisch eingesungen.
Es folgte das schon erwähnte, im Fernsehen übertragene Konzert in München, sowie die Opener-Rolle für Metallica und Slayer in Rußland. Es schien eine einzige Erfolgsstory zu werden, wenn nicht vertragliche Angelegenheiten ein abruptes Ende setzten. Wie es mit Valerij Gaina weiterging könnt Ihr unter dem Kapitel Gain nachlesen und Tränen vergießen. Auch wenn Gaina nun endgültig Vergangenheit war, rappelte sich 1994 der ehemalige Ur-Sänger Alexandr Monin auf und reformierte Kruiz mit ihrem ursprünglichen Musikstil neu. Erstes Tonzeugnis wurde die Live-Scheibe "Festival Robin Gud w Litanio", gefolgt 1996 von einer neuen Studio-Doppel-CD "Wsjem wstat", oder auf Deutsch "Alle aufgestanden!", was wohl als Aufmunterung zu verstehen ist, denn als enttäuschter Gainaner blieb ich doch eher sitzen. Es war beileibe keine schlechte Rock-Scheibe, aber leider auch nicht härter. Davon, daß Kruiz in Rußland ihren alten Bekanntheitsstatus wieder eingenommen haben, zeugt, daß sie 1997 in der CD-Serie "Legenden des russischen Rock" und ein Jahr später bei "Live Kollektion" gewürdigt wurden. Nur leider außerhalb ihres Heimatlandes hörte man wieder mal gar nichts mehr von der Gruppe, auch nicht, daß sie Dio 1999 auf seiner Rußlandtour begleiteten .
Zur Jahrtausendwende erschien eine CD, die sämtliche zwischen 1980 und 1996 erschienenen sieben Hard Rock-Alben der Band (ohne "Cruise 1" und "Kruiz") als MP3-Tracks beinhaltet. Das ist Value for Money… und vielleicht auch der Abschluß einer Epoche? Denn 2001 halte ich eine CD in den Händen, wo mir weniger die Covergestaltung ins Auge sticht (ein schwarzes K im Kreis auf gelbem Grund), sondern die Schreibweise des Gruppennamens. Nicht das Hard Rock-Kruis, sondern das von 1988 bekannte Kruiz, mit einem lateinischen "Z" anstelle des russischen "S". Dazu noch eine Spielerei mit dem CD-Titel, der da lautet "Veter(any) Rok(a)" (in schwarz geschrieben, die eingeklammerten Buchstaben sind in weiß). Übersetzt heißt das Ganze dann entweder Veteranen-Rock oder Wind-Rock. Wind? Sturm? Sind sie auf ihre alten Tage etwa wieder schneller geworden? Und das ohne Gaina? Gleich das erste Stück "Rossiski Rock" ist das schnellste, was die ursprüngliche Kruis-Formation je zustande gebracht hat, anzusiedeln zwischen der ‘87er "Cruise 1" und der ‘88er "Kruiz". Und Alexandr Monin kreischt wie Dimitri von Tschornyi Kofe. Track Zwei "Terminator" ist ein simpler Stampfer im Stile von Scorpions' "The Zoo", wo man sich einige Riffs entliehen hat. Dann kommt mit "Maria" die obligatorische Ballade, der zum Glück ein weiterer Hammer folgt. Leider sind die übrigen Stücke nur noch im Hard Rock anzusiedeln, bis auf den instrumentalen Rausschmeißer “Veter Rock” (also doch ohne die weißen Buchstaben), bei dem wieder ordentlich Gas gegeben wird. Eine beachtliche Scheibe für diese Veteranen, die zwar keinen Sturm entfachen, aber dennoch einen beachtlichen Wind machen. Jetzt wünsche ich mir eine speedige Reunion mit Gaina. Der Grundstein ist gelegt.

1980 Krutitsja wolotschok LP/CD
1981 Posluschai, tschelowek LP/CD
1983 Puteschestwije na wosduschnom schare LP/CD
1983 P.S. prodolschenije sledujet Split-LP/CD
1985 KiKoGaVVA LP/CD
1987 Cruise 1 LP/CD
1988 Kruiz LP/CD
1994 Festival “Robin Gud” w Litarno LP/CD
1996 Wsjem wstat 2CD
1997 Legendy russkogo rocka CD
1998 Shiwaja Kollekzija CD
2000 Grand Collection CD
2000 MP3 Kollekzija CD
2001 Veter(any) rok(a) CD
2004 De Luxe Collection CD

geschrieben am 29.04.2004   von Børge
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