Rund 2 Jahre sind seit eurem Debüt „Mosaik“ vergangen. Damals ging es bei euch recht turbulent zu, innerhalb kürzester Zeit landet ihr bei SPV und veröffentlicht ein Album, welches hauptsächlich sehr gute Kritik erntete. Dementsprechend hoch waren natürlich die Erwartungen an das Nachfolgewerk, welches nun mit „In Via“ erscheint (Release: 20.04) und diese meiner Meinung nach vollkommen erfüllen konnte. Konntet ihr dennoch frei von Druck an neuem Material arbeiten oder habt ihr die Messlatte selbst noch höher gelegt?
Ja das mit „Mosaik“ ging wirklich schnell und war für uns alle sehr überraschend und spannend mitzuverfolgen. Uns war denk ich allen klar und wichtig, dass eine Weiterentwicklung spürbar sein muss. Wir wollten kein zweites „Mosaik“ , sondern neue Facetten aufzeigen. Das passiert eigentlich auch automatisch. Man ist im Kompositionsprozess sowieso immer vielen neuen Dingen ausgesetzt und verknüpft verschiedene Elemente neu. Den sind wir am Anfang auf jeden Fall sehr frei angegangen, um erstmal Material zu sammeln und dann haben wir gemeinsam ausgewählt.
Wenn ihr eure beiden Alben kurz charakterisieren müsstet: Wo seht ihr die Unterschiede und Gemeinsamkeiten? Welche Entwicklung haben Frames sozusagen seit ihrem Debüt durchlaufen? Strebt ihr eine bestimmte Richtung an oder ist der Weg das Ziel? Mir kommt „In Via“ düsterer vor, was sich auch in den Promofotos widerspiegelt.
Schwer zu sagen, aber ich denke auch, „Mosaik“ ist noch etwas leichter im Gesamtbild, was sich auch im Sound widerspiegelt, irgendwie transparent und luftig. „In Via“ hat insgesamt ein weitere Spannbreite und ist vom Sound her erdiger und dunkler, da gebe ich dir recht. Dadurch, dass ich den Großteil der Musik komponiere, liegt die Gemeinsamkeit denke ich in meiner Art mit Musik umzugehen und natürlich auch in der Instrumentierung und den Nuancen, die jeder einzelne Musiker mit beisteuert. Ich würde sagen der Weg ist das Ziel, da wir alle in der Band teilweise sehr unterschiedliche Wurzeln haben und uns natürlich auch individuell weiterentwickeln. Man wird einfach sehen, was das für Auswirkungen auf das nächste Album haben wird.
Täusche ich mich oder habt ihr eure Prog-Einflüsse reduziert? „Mosaik“ schaute ja öfters in Richtung der 70er, aber „In Via“ scheint mir wesentlich stärker in der musikalichen Gegenwart verankert zu sein. Konnte sich euer Keyboarder Manuel diesmal weniger einbringen?
Die Kompositionen sind insgesamt moderner ausgefallen, so dass vielleicht etwas weniger Raum für eine Prog-Tendenz bestand. Aber Einflüsse zu nennen, ist ja sowieso immer etwas schwierig. Manuel hat sich im neuen Material auch gut zurechtgefunden und sich einbringen können, diesmal vielleicht einfach auf eine andere Art und Weise.
Natürlich eine schwierige Frage, aber habt ihr eine Lieblingsnummer, auf die ihr euch einigen könnt? Oder gehen da die Meinungen auseinander? Mir sind z.B. das spannungsgeladene „Eris“ und das kontrastreiche „End of a Decade“ besonders in Erinnerung geblieben.
Oh, ich glaube das sieht jeder anders und das wird sich wohl auch erst in der Zeit beim Live spielen herauskristallisieren. Ich persönlich brauche auch noch etwas Abstand zum Material, um das überhaupt irgendwie beurteilen zu können.
Wie verlief eigentlich diesmal der Aufnahmeprozess? Seit ihr manche Dinge anders angegangen? Bei „Mosaik“ hattet ihr ja ein wenig mit zeitlichen Problemen zu kämpfen.
Das war natürlich diesmal nicht anders. Irgendwie sind wir ganz gut im Planen, aber die Umsetzung wird dann doch immer recht stressig. Zeit und Geld sind eben flüchtige Güter. Wir haben diesmal einiges anders gemacht, bis auf das Cello, wurde alles am Stück aufgenommen, bei Mosaik haben wir teilweise Instrumente neben dem Studio noch bei unserem damaligen Engenier Flo aufgenommen. Dadurch das alles am Stück war, hatte man schon ein anderes Gefühl bei der Sache. Wir haben uns diesmal auch trotz Zeitdruck mehr Raum für Experimente gelassen, dadurch ist „In Via“ auch etwas vielfältiger geworden.
Ist diesmal wieder euer Schlagzeuger Kiryll für die grafische Gestaltung verantwortlich? Das Cover von „Mosaik“ wirkte psychedelisch und etwas retro, während das von „In Via“ eher schlicht (was jetzt nicht negativ gemeint ist) und (wie auch euer neues Logo) recht modern erscheint. Hattet ihr einfach mal Lust auf etwas neues? Meiner Meinung nach passt es hervorragend zur Musik.
Ja, das war er. Ich denke wir wollten in allen Bereichen neues ausprobieren, so auch natürlich beim Artwork, außerdem sollte es ja auch zum Album passen. Wenn du die Platte aufmachst, wird aber neben dem schlichten Cover noch einiges zu entdecken sein.
Für die beiden Stücke „Departure“ und „Coda“ verwendet ihr das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Wie kam es zu dieser Idee? Seit ihr allgemein an Literatur oder sogar Poesie interessiert und wenn ja: Welche Lektüre könnt ihr besonders empfehlen?
Ich bin ein großer Hesse Verehrer und bin während des Schreibens auf diese alte Gedichtaufnahme gestoßen. Das Gedicht bildet einen schönen Rahmen für das Album und kommuniziert die Grundthematik des Aufbruchs noch auf einer anderen Ebene. Ich bin sehr froh darüber, dass wir es verwenden durften. Wenn ich persönlich was empfehlen sollte, würde ich im Bezug auf Hesse die Werke „Demian“ und „Steppenwolf“ empfehlen, die haben mich sehr bereichert. Aktuell lese ich einen japanischen Autor, Haruki Murakami, sehr modernes mystisches Zeug.
Beschäftigt ihr euch eigentlich noch mit der aktuellen Post Rock-Szene? Könntet ihr unseren Lesern vielleicht ein oder zwei Veröffentlichungen empfehlen, die euch in letzter Zeit begeistern konnten? Ich finde z.B., dass die Spanier Toundra mit „II“ ein richtig starkes Instrumentalalbum abgeliefert haben.
Ich beschäftige mich momentan viel mit elektronischer Musik. So richtig verfolgen tue ich die Szene also nicht, ich höre sehr viel was mir begegnet aus verschiedensten Bereichen. Aber T his Will Destroy You haben mich in letzter Zeit sehr begeistern können, „ Tunnel Blanket“ heißt ihr letzter Release. Sehr schöne tiefe Atmosphären. Ansonsten, ist nicht aktuell, aber das Album „Insides“ von Jon Hopkins kann ich sehr empfehlen. Ist elektronische Musik, aber hat von den Stimmungen und dem unfassbaren Sounddesign viele Schnittstellen zum Post Rock, eine Kombination die mir ohnehin sehr oft begegnet z.B. bei Helios .
In unserem letzten Interview wart ihr noch auf der Suche nach einer anständigen Booking-Argentur, scheinbar hat sich dieses Problem mittlerweile erledigt. Dieses Jahr steht eine große Tour an, welche euch (u.a. als Special Guest von Anneke van Giersbergen ) auch außerhalb von Deutschland führt. Vielleicht könnt ihr noch ein paar Worte dazu verlieren: Wie laufen die Vorbereitungen? Auf was freut ihr euch besonders?
Wir sind alle extrem gespannt drauf und freuen uns sehr auf die Erfahrung, die Menschen, die Länder und alles andere. Unsere ersten Live Erfahrungen außerhalb von Deutschland, das wird auf jeden Fall eine sehr interessante Zeit. Momentan sind wir natürlich damit beschäftigt, das Album bestmöglich Live umzusetzen.
Wo wir einmal bei Auftritten sind: Gibt es Länder, in denen ihr gerne noch auftreten würdet? Vielleicht irgendwelche ferne Staaten, deren Kultur euch interessiert?
Wir sind gerade so glücklich, erstmal ein wenig durch Europa zu kommen. Ich habe mir da noch keine Gedanken gemacht. Eigentlich überall, wenn ich so herum spinne würde ich sagen Asien ist insgesamt sehr spannend, da es kulturell wirklich eine ganz andere Welt ist.
Gibt es ansonsten Pläne für die Zukunft? Macht ihr euch schon Gedanken über das nächste Album oder sind vielleicht andere Projekte geplant?
Momentan konzentrieren wir uns erstmal auf „In Via“ und das Touren, konkrete Pläne gibt es also erstmal nicht. Mal sehen, was uns noch so einfällt.
Abschließend bedanke ich mich nochmals für eure Antworten und wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Die abschließenden Worte gehören selbstverständlich euch. Falls ihr also noch etwas an unsere Leser loswerden wollt, könnt ihr dies gerne tun.
Ebenfalls vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns arg darauf, das Album diesmal auch als Vinyl anbieten zu können und freuen uns natürlich sehr über rege Abnahme.
Dieses Interview hat Metalrocky geführt und erstellt.
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