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Statistik und Mediadaten



 
 
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Sodom in 60er Jahre Halle, Faust, Hannover am 16.09.2005

Sodom schmeißen im November 2005 endlich ihre lang erwartete „Lords of depravity“ DVD auf den Markt. „Part 1“ lautet der Untertitel dieses Doppelsilberlings, denn er beleuchtet in der Geschichte der Ruhrpott Thrasher den ersten Teil, und zwar die Jahre 1982 bis 1995. Glaubt man den Worten von Frontsau Angelripper, so bekommen Fans die absolute Volldröhnung, bis der Nachfolger im nächsten Jahr die Historie komplettiert. Auf vier Konzerten können sich Sodomaniacs schon mal davon überzeugen, was im Herbst auf sie zugerollt kommt. Gemeinsam mit den Thrash Kollegen Vendetta und Fatal Embrace rocken Tom und Co. die Bühnen, um nach dem Konzert konkret über Beamer die DVD zu präsentieren.

Zumindest in Hannover wurde mit WINTERDOME einer lokalen Band die Ehre zu Teil, das Spektakel zu eröffnen. Tom selbst sagte mir nach dem Interview, dass ihm solche Aktionen durchaus gefallen: „Da kriegen junge Bands mal die Chance, vor einem größeren Publikum zu spielen. Und das Konzert kommt dann schon so ein bisschen festivalmäßig rüber“. Winterdome selbst sehen das sicher auch so, obwohl die in Hannover extrem beliebten Jungs bei ihren eigenen Konzerten sicher schon mehr Leute vor der Bühne hatten als zu der noch recht frühen Opener Zeit. Doch immerhin konnten sie so ein paar Zuschauer erreichen, die sonst nicht bei einem Winterdome Konzert erschienen wären.
Zwei Spinner in der ersten Reihe demonstrierten leider kurz, was wir im Underground absolut nicht sehen wollen: Mit dem Rücken zur Bühne taten sie vom ersten Ton an ihren Unmut kund und schrieen nach ihren Helden Vendetta. Klasse, ihr Pfosten. Noch keine Haare am Sack, aber den Lauten machen: Winterdome Frontmann Henrik nahm es gelassen: „Jungs, wenn’s euch nicht gefällt, geht ein Bier trinken.“ Na ja, die Milchbar hatte wohl schon geschlossen. Seit ich Winterdome das letzte Mal bewundern durfte, hat sich die Band an drei Positionen verändert: Morton am Bass (ehem. Acrtistia), Philipp am Schlagzeug (ehem. The Becoming, Greener) und Lisa an der Geige, die aber auch mal ganz kurz ans Mikro darf. Die Band hat für ihr zukünftiges Schaffen ein umfangreiches Gesamtkonzept erstellt, bei dem es um irgendeinen Fantasy Krams geht. Mit sehr viel Aufwand bringen sie dieses Konzept auf die Bühne. So begann der Gig mit einem dreiminütigen gesprochenen Intro. Für den Hörgenuss eines die Geschichte erzählenden Albums oder für die eigenen Headliner Gigs mag das ja ganz stimmig sein. Das Rock ’n’ Roll hungrige Publikum im Faust nahm die Aktion jedoch eher skeptisch zur Kenntnis. Entschädigt wurden die Leute dafür mit der Musik. Mächtiger Gothic Metal mit fesselnden Melodien, geführt von Henriks charismatischem Gesang und getragen von Phils variablem Schlagzeugspiel, das an Präzision gewann, nachdem sich der Musiker so einigermaßen an den Trümmerhaufen gewöhnt hatte, der wohl ein Drumkit darstellen sollte. Angereichert mit allerlei Schnickschack aus dem PC, der mit Hilfe von Soundhexer Carsten Frank (Galloglass) zusammengestellt worden war, beeindruckten die Winterdomer mit einer erstklassigen Performance. Neugeige Lisa wirkte noch etwas schüchtern. Dafür zog Frontmann Henrik mit seinem energiegeladenen Stageacting die Augen des Publikums auf sich, wenn Sebastian Schmidt nicht gerade mal zu einem seiner hörenswerten Soli ansetzte, die von Magnus an der zweiten Axt gewinnbringend ergänzt wurden. Die neuerdings deutschen Texte der Band sind sicher gewöhnungsbedürftig. Schade auch, dass kein Klassiker gespielt wurde. Aber in der halben Stunde wollte die Band verständlicherweise ihr neues Material präsentieren und das Konzept wahrscheinlich auch nicht auseinander reißen. Well done, guys and lady.

FATAL EMBRACE waren mir bisher nicht geläufig, rockten aber gut los. Die Mucke ist typisch teutonisch thrashig. „Sodoms größte Fans“, kommentierte jemand im Publikum neben mir, und das traf den Nagel wohl so ziemlich auf den Kopf. Ketten, Nieten und jede Menge Geprügel machten die Band zu einem idealen Tourgast und sorgten nun endlich auch bei den Leuten für Party Stimmung, die sich für den Hauptact einheizen wollten und denen Winterdome vielleicht doch etwas zu abgehoben waren. Spieltechnisch wirkte alles etwas planlos. Aber so kamen Sodom und Kreator in ihren frühen Jahren schließlich auch rüber. Old School pur. Besonders hoch kochte die Stimmung als beim Zugabenteil kurz ein Slayer-Intro angespielt wurde – es folgte jedoch ‚nur’ AC/DCs „Whole lotta Rosie“, was die Meute aber ebenso bangend abfeierte.

Während man bei Fatal Embrace wenigstens noch was zu lachen hatte, versprühten VENDETTA eigentlich nur Langeweile. Ihr Bay Area lastiger Speed / Thrash konnte mich schon in den Achtzigern nicht sonderlich beeindrucken. Keine Ahnung, warum es diese Band wieder gibt. Vielen Leuten hat es aber gefallen, so dass ich denke, die Jungs haben einfach nicht meinen Nerv getroffen. Sorry, man kann eben nicht alles mögen. Erst recht nicht, wenn unverständlicher Weise überwiegend neue Songs gespielt wurden, die dem Publikum noch nicht von CD bekannt sind. Da hätte man lieber auf die alten Stücke zurückgreifen sollen.

SODOM wollten den Jungs von Fatal Embrace wohl in Nichts nachstehen und machten ihrerseits jede Menge Radau. Irgendwie gewann man den Eindruck, die Band würde „Outbreak of evil“ drei Mal hintereinander spielen, so dermaßen undifferenziert wuchtete sich der Sound aus den Boxen. Viel zu viel Krach und viel zu wenig Groove trübten für meinen Geschmack etwas den Konzertspaß. Das Publikum scherte sich wenig drum, so dass im Mob ein Riesenfass aufgemacht wurde. Und bei den unsterblichen Klassiker, die eine Band nun einmal zu bieten hat, die so lange im Geschäft ist wie Angelripper und Co, kam dann auch beim letzten Zweifler endlich Stimmung auf. Besonders bei den deutschsprachigen Nummern wie „Ausgebombt“, „Wachturm“, „Aber bitte mit Sahne“ oder der „Stumme(n) Ursel“, bei der nicht nur eine nackte Gummipuppe für Begeisterung sorgte, sondern auch ein leibhaftiges Mädel aus dem Publikum, das auf der Bühne ihre Rundungen entblößte – es geht also nicht nur bei Manowar. Highlight des Abends: Ex-Mitglied Andy Brings, seines Zeichens längst bei den aus Hagen stammenden Traceelords, enterte die Bühne und zockte mit den Jungs. Irgendwann coverten die dann noch „Ace of Spades“, das allerdings im allgemeinen Lärm etwas unter ging. Dennoch dürften die meisten Fans mit einem dicken Grinsen im Gesicht und einem lauten Pfeifen im Ohr nach Hause gewankt sein. Wie sich das eben gehört.



geschrieben am 25.09.2005   von Christian
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