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Krüger in Frankfurt(Spritzehaus)/Aschaffenburg(JuKuz) am 17./19.9.2003

Mehr als 10 Jahre ist es her, dass eine russische Heavy Metal Band zuletzt in Deutschland auf Tour war.
Die Auftritte der russischen Rocker Krüger (nur echt mit den ü-Punkten) waren damit nicht nur Premiere in diesem Jahrtausend, sondern gleichzeitig auch die ersten Auftritte des Trios in Westeuropa.. Bedauerlich, dass das erste Konzert ausgerechnet in Frankfurt stattfand. Jene Stadt, die in Europa so weit vom Metal entfernt ist wie Malta vom Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Zu den wenigen metallischen Seelen der Äppelwoi-Metropole zählen neben Tankard unter anderen auch die Nachwuchsband Elvenpath, die an diesem sonnigen Mittwochabend gegen 21.30 vor etwa 25 Leutchen auf die Bühne gingen. Elvenpath, die bereits ihren sechsten Auftritt im Spritzehaus absolvierten, legten in der klassischen Besetzung Gitarre, Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug mit einer locker, flockigen Metal-Mischung los, die angefangen bei Manowar bis hin zu alten Blind Guardian reicht.
Der Sound war –zumindest für die Ohren des hier Schreibenden- absolut in Ordnung und verschwand nicht in einem Klangbrei. Die Fünf hatten einen Riesenspaß. Speziell Till Oberbossel, der kreative Kopf der Band, gefiel mit seinem Gitarrenspiel sehr gut. Er nutzte den wenigen Platz, den er zur Verfügung hatte effektiv und hatte bei seinem sauberen Spiel noch genug Zeit Unfug zu machen. Damit war er auffälligster Akteur in einer Band, die zwar in puncto Performance noch starke Verbesserungsmöglichkeit hat, aber trotzdem zu gefallen wusste und nicht angewurzelt ihr Material runterbretterte. Das Material selbst ist qualitativ recht ansprechend (siehe dazu auch die beiden Reviews zum Demo 2002), abwechslungsreich gehalten, nicht ohne die notwendige Ironie (wie die beiden Manowar meets Hessen-Titel "Metalwar" und "War of Steel") und macht richtig Lust auf das kommende Demo. Guter, kurzweiliger Auftritt, der die Zeit bis zum Auftritt von Krüger sehr schnell vergehen lies.
Mittlerweile hatten sich die eh schon mageren Zuschauerreihen etwas weiter gelichtet. Die Russen störte das wenig. Krügers Stil ist am ehesten mit Rock'n'Roll meets Heavy Metal zu vergleichen. Was diese Band schon auf den beiden letzten Alben "We're rock" und "Faith and religion" aber so ungewöhnlich macht, ist neben der unglaublichen Energie ihrer Musik der Gesang von Bassistin Gina: Auf CD kann man in etwa erahnen welche Energie in ihrer rauen, rockig-dreckigen Stimme steckt. Doch was ich an diesem Abend gesehen habe, stellt ohne den Anflug eines Zweifels die absolute Weltspitze in weiblichen Metal-Vocals dar. Vergesst Sabina Claasen oder (die meiner Meinung nach völlig überbewertete) Angela Gossow. Selbst Lemmy düfte im direkten Vergleich so seine Probleme haben gegen diese stimmliche Wucht anzuhalten. Einfach unglaublich und die ungläubigen Gesichter der wenigen Zuschauer bestätigten dies nachhaltig. Ein weiterer Blickfang war auch die geile Klampfe von Hamer in Form eines geöffneten Drachenmauls. Schade nur, dass die Farbe fehlte und durch das Weiß nur die Konturen zu erkennen waren. Jener Hamer (nur echt mit einem m) ist auch das einzige verbliebene Mitglied einer Band, die in den frühen 90er Jahren mit nicht unbedingt gutem Death Metal das erste Mal auf sich aufmerksam machten. Die Vergangenheit hinter sich lassend, hat Hamer wirklich gut daran getan, den Stil von Krüger in die aktuelle Richtung zu ändern. Wäre auch zu bitter gewesen, denn wie seine weibliche Kollegin bedient Hamer nicht nur sein Instrument perfekt, sondern kann ebenfalls mit einer rauen, rockigen Stimme aufwarten. Zwischendurch immer wieder mit einem guten Schluck Energie in Form von Vodka getankt, holt er aus seinen Stimmbändern den richtigen Rock’n’Roll. Es ist schon unglaublich, dass eine Band gleich zwei internationale Spitzenleute am Mikrophon zu bieten hat. Es ist daher auch wenig überraschend, dass auch der dritte Teil des russischen Trios in einer Top-Liga mitspielt: Drummer Diesel. Ein unglaublich netter Kerl, der an seinem Schlagwerk aber ein echter Perfektionist ist. Präzise wie ein Uhrwerk und sehr bewegungsfreudig und auffällig. Keiner jener Drummer, die sich hinter ihren Becker verkriechen und stur auf ihr Werkzeug starren. Es gehört eine erhebliche Klasse dazu die Ballerbude zu bedienen und gleichzeitig für Fotos in bester Manier zu posen.
In ihren Set spielten Krüger eine äußerst erlesene Auswahl ihren letzten beiden Alben. Schade, dass während dieser klasse Performance lediglich zwei beinharte Fans vor der Bühne standen, die ihre nicht mehr vorhandenen Haare schütteten. Hätte ein legendärer Auftritt werden können, wenn das Publikum nicht so richtig lahmarschig gewesen wäre. Und trotzdem hatte man bei Krüger nie den Eindruck, dass sie keinen Bock haben vor diesem Publikum nicht Alles zu geben. Krüger bekamen den Dank dafür, dass sie sich den Arsch aufgerissen haben und die Zugabeforderung war mehr als nur gerechtfertigt. Schön, wenn man dann als Fan sieht, wie sich eine Band darüber freut. Die wären auch auf die Bühne zurück, um nur für einen Fan eine Zugabe zu spielen. Diese war eine der besten Cover-Versionen, die ich bislang gehört habe. Wäre Long Live Rock’n’Roll von Rainbow nicht ein Juwel der Ewigkeit, könnte man fast sagen: Vergesst das Original. Hier sind Krüger aus Moskau. Mit diesen Eindrücken konnte es sich der Schreiber dieser Zeilen unmöglich verkneifen zwei Tage später dem zweiten (und leider auch vorletzten) Gig der Moskauer Rocker in Aschaffenburg anzuschauen.
Und im JuKuz, in Aschaffenburg sollte es dann auch noch besser als in Frankfurt werden, das leider den faden Beigeschmack der Zuschauerkulisse hatte. Im Rahmen der "Dutch Steel-Attack III" noch als Special Guest ins Billing mit Future Tense, Emerald und Vortex gerutscht, fanden sich an diesem Freitag um die 50 Leute ein und boten für das heute leider nur 30-minütige Set eine bessere Kulisse. Man merkte Krüger schon kurz vor Beginn ihres Sets an, dass die bessere Kulisse sie förmlich geil machte Aschaffenburg niederzurocken.
Der Spaß-Faktor lag bei 100% und der Funke sprang auch sofort auf die Metalheads über. Entsprechend ernteten Krüger auch tolle Reaktionen (man behalte sich immer im Hinterkopf, dass Krüger um 19.45 Uhr sehr früh spielen mussten und der Großteil des Publikums noch nie von der Band gehört hatte). Ermuntert durch die Kulisse waren die drei nicht nur spielerisch, sondern auch im Stage-Acting noch besser als in Frankfurt. Vor allem der Chef Hamer hat mir an diesem Abend außerordentlich gut gefallen. Sehr bewegungsfreudig und locker, trotz der Doppelbelastung Gitarre und Rockröhre. Sehenswert natürlich einmal mal Diesel mit seinem legeren Posing während er die Felle bearbeitet. Ein Drummer, der den Blickkontakt zum Publikum sucht ist geil. Über Gina noch Worte zu verlieren hieße Käse nach Holland zu tragen. Drei Leute auf der Bühne und alle drei für sich schon sehenswert. Zusammen eine Bank. Sichtlich erfreut waren die drei Russen auch über das Blitzlichtgewitter. Leider waren die 30 Minuten auch wieder viel zu schnell vorbei und ich im Nachhinein war ich vom Set schon etwas erstaunt: Keine der drei Überkracher "Poslednij musikant", "Tam solze nje swetilo" noch "Gde eti ljudi" waren dabei. Was aber nichts daran änderte, dass von Krüger die berechtigten Zugabe(n) gefordert wurde, die sie nicht geben durften. Keine Ahnung warum, aber den Verursachern der Nicht-Zugaben an dieser Stelle von tiefsten Herzen: FUCK YOU! Erneut ein Klasse Auftritt unseren rockenden Brüder aus Moskau, die im Gegensatz zu Frankfurt diesmal auch mit sich selbst zufrieden waren.
Über die drei holländischen Bands, möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren: Future Tense feierten nach jahrelanger Abstinenz ein Comeback auf der Bühne. Jene Band, die Anfang der 80er neben Hellhammer die erste Nicht-US-Band waren, die sich auf einem der legendären 'Metal Massacre'-Compilations (Vol. IV) verewigen durfte. Der Sound war unter allen Kanonen. Mit ausgefallenem Monitor wird sich aber jede Band schwer tun. Schade. Aller Anfang ist schwer. Welcome back boys. Emerald waren etwas für die Manowar-Fraktion. Sehr eingängig, hochmelodisch und eine Sängerin, die sich bei genauerem Hinschauen als Mann herausgestellt hat. Mir persönlich war das ein paar Oktaven zu hoch, aber ansonsten ein guter Auftritt mit Power Metal, der zweifelsohne in die europäische Spitze gehört. Die Headliner, die legendären Vortex zogen die meisten Leute und ihr Power Metal wurde entsprechend abgefeiert. Aber mehr als eine Stunde konnte ich mir Vortex nicht geben, denn so fulminant der Auftakt so langweilig auch das Ende des Sets. Mit dem Klassiker für die Ewigkeit "Open The Gates" erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Danach waren die Fans ausgepumpt. Und offensichtlich auch Vortes. Hat der Zahn der Zeit an den etwas älteren Herren genagt? Mit zu wenig Abwechslung von Metallern mit der lustigen Verkleidung erweckten sie eher den Eindruck eines lockeren Auslaufens. Trotzdem: Sehr guter Gig.
Aschaffenburg insgesamt sehr gut. Die Fahrt hat sich für jeden an diesem Abend gelohnt.

Einige persönliche Worte möchte ich noch loswerden:
Zum einen ein Danke an Iwan Jurtaikin, der Krüger überhaupt erst die Auftrittsmöglichkeiten verschafft hat. Mein größter Dank gilt natürlich Gina (die Frau die auch Manowar-Stahlherzen zu schmelzen bringt), Hamer (Rock’n’Roll-Gott aus Russland) und Diesel (Motor am Schlagzeug und Biersponsor). Drei Verrückte, die trotz aller Strapazen und Risiken (u.a. Anreise mit dem Bus aus Moskau) das Abenteuer gewagt haben für gerade mal 3 Konzerte nach Deutschland zu kommen. Einfach nur um bei uns aufzutreten. Diese Einstellung fernab jeglicher finanzieller Interessen ist mehr als vorbildlich und verdient größtmöglichen Respekt. Krüger haben mich restlos begeistert und haben hoffentlich einen Grundstein gelegt, der die Band hoffentlich bald wieder noch Deutschland bringen wird. Eine außergewöhnliche Band, die Wort gehalten halt: Krüger sind Rock. Love Live the Rock’n’Roll-Diesel-Ham(m)er !!!

geschrieben am 20.09.2003   von Nameless
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