Strahlendes Wetter, eine Menge gut gelaunter Metaller und acht klasse Bands. Das vierte Treffen der Swordbrothers versprach schon im Vorfeld ein Highlight der Konzertsaison 2006 zu werden. Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt.
Den Startschuss gaben die jungen Franzosen Phenix mit ihrer Deutschland-Premiere. Die haben wohl noch nie vor so vielen Leuten gespielt und waren entsprechend gut gelaunt und motiviert. Besonders positiv überrascht hat Sänger Bertrand Gramond, den ich jetzt einfach mal als den neuen Bruce Dickinson Frankreichs bezeichne. Zumindest stimmlich. Optisch gab die Band schon ein eigenartiges Bild, nämlich völlig unmetallisch, ab. Wobei das natürlich keine allzu große Rolle spielt. Phenix brachten ihr Material knackiger und härter als auf den Alben rüber. Bis auf das „Speed King“-Cover ein sehr gelungener Gig. Kurzum: Die sollten in Deutschland doch bitte öfter spielen.
Das Gleiche vernahm ich von Fans, die von Holländer Influence, ebenfalls mit Bühnenpremiere in Deutschland, überzeugt waren. Das Material habe ich als insgesamt nett und brauchbar empfunden , die Bühnenshow dagegen als etwas unausgereift. Der hohe Gesang mit Schreieinlagen ist bestimmt auch nicht jedermanns Sache. Schlecht ist aber etwas anderes. Anschauen würde ich mir Influence auf jeden Fall noch einmal. Und dann vielleicht ohne das grottenschlechte „Breaking The Law“-Cover.
Mit der dritten Band ging dann richtig die Post ab: Stormrider aus Herne, von denen ich lediglich die Samples ihrer Webseite kannte. Ich war schlicht und einfach vom ersten Ton an begeistert. Ein klarer, ausdrucksstarker Gesang vom agilen Stefan, tolle Stücke mit der idealen Mischung aus Komplexität, instrumentalen Passagen und Eingängigkeit, eingepackt in einen druckvollen Sound. Dazu eine Band, die sich auf der Bühne ordentlich austobte, sichtlich Spaß hatte und nicht nur von ihrem Fanclub zu Höchstleistungen angespornt wurde. War das geil!
Hoch die Erwartungen an den nächsten Germanien-Debütanten. Die jungen Amis Ravage, die sich mit ihrem „Spectral Rider“ dank Karthago Records schon einige Fans erspielt haben, legten los als gäbe es kein Morgen. Der Sound auch hier sehr, sehr druckvoll. Al Ravage überzeugte mit seiner Stimme und Basser Howie Snow fiel als echte Mosh-Sau auf. Leider, leider konnten Ravage, die das Gastspiel in Deutschland ebenfalls sichtlich genossen und von der Bühne Erinnerungsphotos schossen, ihr hohes Anfangstempo nicht bis zum Ende durchhalten. Vielleicht war die Setlist dann doch etwas unglücklich gewählt. Spaß gemacht hat es trotzdem.
Wäre alles nach Plan gelaufen, hätten jetzt Ram auf der Bühne gestanden. Die üblichen Verkehrsprobleme verhinderten die rechtzeitige Ankunft. Als die Bühne dann umgebaut wurde und die ersten Kreuze und Grabsteine angeschleppt wurden, wusste eigentlich jeder, dass Solemnity für die Schweden einspringen. Showtechnisch stellt der Augsburger Horrorladen eine ganze Armee von Bands in den Schatten: Viele Pyros, schräge Verkleidungen und neuerdings auch viel nackte Haut von einer wohlproportionierten jungen Dame. Eigentlich klar, dass jeder die Kameras zückte und Solemnity in einem Blitzlicht-Gewitter eingetaucht wurden. Auf, vor und neben der Bühne passiert die ganze Zeit dermaßen viel, dass das Quartett alleine einen ganzen Abend ohne eine Sekunde Langeweile füllen könnte. Und da auch das Songmaterial einfach nur geil ist, gäbe es eigentlich nichts zu meckern. Eigentlich, denn direkt vor der Bühne war Sound richtig mies: Viel zu bassig und dafür kaum Gitarre. Heavy Metal ohne den wuchtigen Klang einer Klampfe ist dann halt doch nicht das Gelbe von Ei. Ein zweiter Gitarrist wäre da schon ganz vernünftig.
Mittlerweile waren dann auch Ram eingetroffen. Und so durfte zur wirklich besten Zeit Schwedens Antwort auf Judas Priest auf die Bühne. Der Sound war jetzt wieder knackig und energiegeladen. Kein Problem für Ram jetzt voll abzuräumen. Den Gig kann man mit nur einem Wort beschreiben: saugeil.
Nun kamen für mich die beiden großen Fragezeichnen. Sowohl Deadly Blessing als auch Attacker gaben mir auf ihren CDs nicht übermäßig viel. Nett, aber kein zwingender Stammgast im Spieler. (Ich weiß: Das Unverständnis einiger Leser ist mir an dieser Stelle sicher.) Jedenfalls sollten mich beide Ami-Kapellen eines Besseren belehren und mich davon überzeugen, warum sie gerne mit den Wort Kult umschrieben werden. Für beide war das Swordbrothers die Rückkehr in das Mekka des Metal. Beide machten kein Geheimnis daraus, dass gerade die deutschen Fans eine Mitschuld tragen, dass es sie sich reformiert haben und auch schon fleissig neue Stücke komponiert haben.
Die beiden Sänger Ski und Bob Mitchell sind schlicht und einfach Stimmgötter. Gerade Mitchell stellte so ziemlich alles in den Schatten, was ich in den letzten Jahren an Gesang auf der Bühne vernommen habe. Der Mann ist ein Tier. Irre! Blessing und Attacker füllten ihre Sets mit so unglaublich geilen, schweren Stampfern, rasanten Soli und US-Metal wie er besser eigentlich nicht sein kann. Obwohl ich selbst den US-Metal nicht sonderlich mag. Die beiden werden Schuld sein, wenn sich das ändert. Die hätten ewig spielen können. Willenlos! Und noch etwas ist aufgefallen. Waren auf den beiden vorherigen Auflagen die letzten beiden Bands mit müden Fans und einer immer leerer werden Halle konfrontiert, so haben es die beiden Ami-Kapellen geschafft den Großteil der Swordbrothers bis zum Ende hellwach zu halten. Ein besseres Kompliment kann es nach einem so langen Tag, der eigentlich hätte nicht enden dürfen, wohl nicht geben.
Das war es also: Das letzte Swordbrothers-Festival...im Halbjahres-Rhythmus. Wir müssen uns jetzt alle gedulden, welche Bands bis im Spätjahr 2007 aus dem Hut gezaubert werden, um diesen denkwürdigen Samstag im September 2006 zu übertreffen. Aber geht das überhaupt?
geschrieben am 18.09.2006 von Lex
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musikalischer Background des Verfassers True-und Power-Metal, Viking/Pagan/Folk-Metal, Osteuropa und Exoten in jeglicher Form, Genreübergreifendes, auch mal Thrash oder Death und Black in melodischer Ausprägung sowie ein wenig Gothic und Punk.
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