Es ist schon etwas seltsam, bei Temperaturen von über zwanzig Grad und strahlendem Sonnenschein zu einem Doom Konzert in den hohen Norden aufzubrechen. Die Aussicht auf die scheinwerferdurchflutete Dunkelheit der Konzerthalle und insbesondere auf den mächtigen Sound des Verhängnisses, der uns erwarten sollte, erfüllte uns dennoch mit jeder Menge Vorfreude. Auch wenn das MarX, ein kleiner Nebensaal der Markthalle, zu diesem Zeitpunkt doch eine seltsam klein gewählte Location zu sein schien, um die lang erwartete Rückkehr einer Doom Legende zu feiern. Doch eigentlich wissen wir alle, dass Doom in kleinen Clubs am besten funktioniert. Also ab die Post!
Am Einlass erwartete uns eine kleine Kuriosität: Der Große Saal der Markthalle war an diesem Abend mit dem sogenannten Make Noise Showcase beschäftigt. Somit tummelten sich vor dem Gelände jede Menge Nu Metal, Core, Hip Hop und Wave Kiddies, und wir alten Doom Säcke mussten uns den Weg durch eine skeptisch staunende Menge Jungvolk bahnen. Schließlich wartete nur noch eine letzte Hürde: das meines Erachtens einfach ungenießbare Bier im Ausschank, das doch angeblich den Norden zum Auftauen bringt, mich persönlich jedoch eher frösteln lässt. Ein Problem, das uns durch die akribischen Suche nach geeigneten Alternativen den Abend über beschäftigen sollte. Fröhliches Probieren war die Devise! Zum Glück war das freundliche Markthallenpersonal jederzeit bereit zu kostenfreien Beratungsgesprächen. Die Damen waren scheinbar auch für jeden interessierten Kunden dankbar, da die Besucher des Make Noise Showcase die gemeinsame Theke der beiden Veranstaltungsorte nicht allzu oft frequentierten.
Endlich wurde es Zeit für den Opener Rise To Addiction, dessen ausgewogenes aktuelles Album „A new shade of black for the soul“ für einiges Aufsehen gesorgt hat. Ich bin dem Album ja eher zurückhaltend, wenn auch grundsätzlich wohlwollend begegnet. Live musste ich allerdings sämtliche Vorbehalte fallen lassen. Rise To Addiction brachten das durch die Temperaturen eh schon mächtig aufgeheizte MarX zum Kochen. Highlight ihres
energiegeladenen Sets, der von vorn bis hinten Spaß machte und ohne Langeweile auskam, war für mich der Album Hit „To a god unknown“. Auf das Black Sabbath Cover „Children of the grave“ hätte ich durchaus verzichten können. In der Metal Szene gehört dieser Song sicher mit zu den zehn meistgecoverten, und die Version von Rise To Addiction bereichert diese Sammlung nicht mehr oder weniger als die anderen eintausend. Aber es geht ja sicher nur um den Spaß. Und den hat die Band aus dem Vereinigten Königreich mit ihrer Show erfolgreich propagiert. Geiler Gig!
Mit dem Erscheinen von Trouble brach für viele in der mittlerweile gut gefüllten Räumlichkeit (ich wehre mich hier gegen das Wort „Halle“) ein ganz besonderer Moment vom Zaun. Denn lange ist es her, dass sich diese Band in unseren Breiten gezeigt hat. Und es ist fraglich, ob wir in Zukunft noch einmal das Vergnügen bekommen werden. Wenn man dann bedenkt, dass wir es hier mit einer Formation zu tun haben, die in Jahrzehnten den Heavy Metal wesentlich mitgeprägt hat und als einer der wichtigsten Einflüsse eines ganzen Genres gilt, kann sich jeder glücklich schätzen, der auf dieser Tour dabei war. Und die Doomster aus Chicago ließen sich auch keineswegs lumpen. Natürlich waren die Höhepunkte des großartigen Programms die Klassiker „Assassin“, „Pray for the dead“, "The end of my daze" oder „The tempter“ und „Bastards will pay“. Doch auch die aktuellen Songs von der „Simple mind condition“ wie das grandiose „Mindbender“ konnten das hohe Niveau halten. Magische Riffs und die stets omnipräsente Stimme von Eric Wagner machten den Trouble Gig zu einem einzigartigen Erlebnis, das allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird.
geschrieben am 13.06.2007 von Christian
(NEU!!!!)Über den Artikel diskutieren:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
X Aktuelle Top6
1. Darkest Era "The Last Caress Of Light"
2. Doomsword "The Eternal Battle"
3. Volbeat "Beyond Hell / Above Heaven"
4. While Heaven Wept "Fear Of Infinity"
5. Alestorm "Back Through Time"
6. Mael Mordha "Manannán"
X Alltime-Klassix Top6
1. Manowar "Into glory ride"
2. Doomsword "Let battle commence"
3. Slayer "Reign in blood"
4. Iron Maiden "7th Son Of A 7th Son"
5. Black Sabbath "Mob Rules"
6. Volbeat "Guitar Gangsters & Cadillac Blood"
[ Seit dem 13.06.07 wurde der Artikel 3894 mal gelesen ]