Sonne & Regen. Schwarze Klamotten & bunte Haartrachten. Hauptbühne & Hangar.
Zum neunten Mal heißt das also: Wochenende in Hildesheim, it´s M´ERA LUNA Time!
Wie schon im Vorbericht erwähnt ist es trotz einiger (immer wiederkehrenden) Gäste wie VNV Nation, ASP oder Lacrimas Profundere dem Veranstalter gelungen einige ausgesprochen überraschende Größen zu verpflichten. Womit erneut eine „bunte“ Mischung für die eher dunklen Seelen geboten werden konnte.
Den echten Anfang für mich machten EPICA, die mit ihrer Frontdame im Hangar für einige goth-Klänge gesorgt haben. Nicht nur die neuen Songs, auch ältere wurden glücklicherweise präsentiert, wobei die Vermischung der tiefen Growls des eigentlichen Gitarristen mit der feinen weiblichen Stimme den metallischen Härtegrad der Holländer unterstrichen haben. Kam durchaus gut an und wurde von den Fans in den ersten Reihen abgefeiert. UNHEILIG in der Sonne passte nicht wirklich zum eigentlichen Namen der Band, aber die neuen Songs des Grafen sind ja mittlerweile eher etwas weicher und man hörte hier und da auch schon die Eingruppierung „Schlager der schwarzen Szene“. Trotzdem gute Show, coole Auswahl an Songs und viele begeisterte Fans - was will man mehr? So erging es mir persönlich auch mit einigen Tracks von ASP. Sie haben mal wieder bewiesen, dass sie zum M´era Luna einfach dazugehören. „Ich bin ein wahrer Satan“ vor so vielen Leuten auf der Hauptbühne zu spielen und mit einigermaßen vertretbarem Sound zu erleben grenzt schon an einen Genuss. Zuvor durfte man mit leider einem eher schlechten Sound, aber dafür guter Songauswahl die Schweizer Industrial-Elektro-(Black) Metaller von SAMAEL erleben. Mit Leib und Seele dabei, wie man es von den Jungs gewohnt ist, zogen sie ihre Show durch. Selbst die Tatsache für die zahlreichen Metalanhänger, dass das Set überwiegend aus den neueren Ära zusammengestellt worden ist störte nicht wirklich. Schade bloß, dass einem eben ein Stricht durch die Rechnung gemacht wird, wenn der Sound nicht so richtig will.
Dies war auch anfangs bei MOONSPELL ein Manko, die jedoch durch eine wirklich geniale und einzigartige Performance voller Power und Energie alles professionell überspielt hatten. Die Portugiesen scheinen sich wohl selbst übertroffen zu haben. Ein Hammerauftritt, der natürlich einige neue Stücke des aktuellen Albums „Night Eternal“ als auch des Vorgängers „Memorial“ beinhaltete. Doch damit nicht genug, für die guten 60 Minuten gab es auch alte Songs wie „Vampiria“, „Alma Mater“, „Opium“ oder zum Schluss „Full Moon Madness“ – einfach grandios! Allein der Gastauftritt von Anneke van Giersbergen bei "Scorpion flower" war die Show wert. Wunderbare Idee, super umgesetzt. Wie sich nun herausstellte, konnte keine andere Band am Samstag einen solchen Auftritt toppen.
Daher überraschte es nicht wirklich, dass die eigentlichen Headliner im Hangar PARADISE LOST auf ganzer Linie enttäuschten. Scheiß Sound (was sollte dieser klinische Sound der Drums?), eigentlich keine gute Tracklist und eine eher zurückhaltende Performance der Truppe zeigten eher auf, dass diese Männer irgendwie keinen Bock mehr haben. Die Lichtshow ging vielleicht noch, aber sonst?! Allen voran war der Gesang von Nick nicht auszustehen. Kein Wunder, dass viele die Halle verließen und dabei den Kopf schüttelten, damit meine ich kein Headbanging. Ein „As I Die“ in solcher fataler Version zu hören, für einen alten („ex-?“)Fan dieser ehemals derart genialen Band, ist einfach eine Schande. Und über „The Last Time“ will ich gar nicht mal ein Wort verlieren. Unfassbar, wie schlecht man einen Song performen kann, der auf CD cool ist und sogar in den 90ern LIVE gut rüber kam.
Tracklist:
The Enemy
Ash & Debris
Erased
As I Die
Enchantment
Requiem
Unreachable
Never for the Damned
One Second
Embers Fire
The Last Time
Say Just Words
Der zweite Tag begann zunächst eher unschön, schließlich regnete es seit dem frühen Morgen. Es sah so aus, als ob dies nicht wirklich im Laufe des Tages aufhören würde. Aber was sollte man schon tun, schließlich sind Fields of the Nephilim an diesem Tag dran. Und siehe da, so gut wie pünktlich zum Auftritt von THE VISION BLEAK hörte der Regen für ein paar Stunden auf.
Die Könige des Horror Metal durften in diesem Jahr auf die Hauptbühne. Die Performance gewohnt cool, mit einer genialen Setlist, die man eben für knapp 50 Minuten aufstellen und durchaus von den Jungs erwarten darf. Auch wenn ich bei einem zeitbegrenztem Gig auf Intro-Einspielungen, so schön sie auch sein mögen, gern verzichtet hätte. Dadurch hätte man schon ein bis zwei Tracks mehr hören können.
Allen B. hat mal wieder das Publikum gut unterhalten und immer wieder mit einbezigen ins Geschehen. „Wolf moon“, „The Lone night rider“ oder „Kutulu“ als auch „By Our Brotherhood With Seth“ haben so einige im Publikum zum Mitsingen und Bangen überzeugen können. Einfach cool und immer wieder gern. Diese Jungs sind eine Reise wert. So erging es mir auch bei der nächsten Truppe. Nachdem LACRIMAS PROFUNDERE bereits beim Rock Harz Open Air und Amphi Festival gute Shows abgeliefert hatten, war nach 2007 nun auch dieses Mal die Hauptbühne der Spielzeit für die Goth-Rocker aus dem Süden. Agil und aufeinander abgestimmt boten sie eine typische energiegeladene Show und spielten sich trotz leichter Soundproblemchen in die Rock´n´Sad Seelen der Fans. Neben einigen neuen Songs des aktuellen Werkes „Songs for the last view“ wie u.a. „A Pearl“, „Sacrificial Lamb“ und dem megafetten „Dear Amy“, gab es auch noch die berühmten Hits der Vorgängeralben wie u.a. „ave end“, „Amber Girl“, „Again it´s over“ und „Should“ zu hören. Diese Combo rockt wie sau, da können sich so einige Gothbands ne Scheibe von abschneiden. Zwar kommen sie manchmal etwas zu cool rüber, but hey, that´s Rock´n´roll - nicht wahr?
Trotz des verhältnismäßig unvorteilhaften Wetters bot der Sonntag weitere sehenswerte und somit „sonnige“ Shows. Zu denen zählte auch der Auftritt von APOPTYGMA BERZERK. Stephan (voc.) feierte dabei noch seinen Geburtstag! Starke Leistung der gesamten Truppe, die auch dementsprechend gewürdigt worden ist, nicht nur aufgrund des sehr bekannten Coversongs „Shine on“.
Die Alt-Indie-Rocker von NEW MODEL ARMY hätten also theoretisch nicht viel gegen den sehr guten, bisherigen Verlauf des Tages auf der Hauptbühne entgegen bringen können. Sie hatten es selbst in der Hand und mussten ebenfalls nur gut rüberkommen, nichts leichter als das. Die Herren beließen es dabei und gaben dem Publikum das, was sie auch verdienen - qualitativ anspruchsvolle Songs, die hier und da sowohl mal unter die Haut gehen, aber auch mal rocken. Es wunderte natürlich niemanden, dass den „Inselaffen“ (O-Ton Justin Sullivan) eher die Fans Anfang 40 (und älter!) besonders laut zujubelten und mitgesungen haben. Gar nicht so schlecht, aber vielleicht etwas unplatziert an diesem Abend bei einem Festival wie dem M´era Luna.
Bei DAF war im Hangar kein Durchkommen, daher habe ich, samt einigen weiteren enttäuscht wirkenden „Fans“, nach den ersten beiden Tracks, die nicht wirklich überzeugend rüber kamen, die Halle verlassen.
Doch dann, gegen 20:55 war es endlich soweit FIELDS OF THE NEPHILLIM betraten im künstlichen Nebel die Bühne und spielten einen instrumentalen Track, bevor Carl McCoy dazugestoßen war und gewohnt lässig als auch professionell die ersten drei Songs ablieferte. Einfach grandios, doch leider musste ich diese Vorstellung eher verlassen. Doch klar war auch nach diesen paar Minuten, dass diese Vorreiter des Goth, allen voran Carl, immer noch Menschenmassen anziehen. Man kann nur hoffen, dass es bald ein neues Album und eine ausgiebige Clubtournee gibt! Was jedoch allgemein besser gepasst hätte wäre, wenn Front 242 mit Fields of the Nephilim die Tage getauscht hätten. Der Elektro-Überfluss der Headliner am Samstagabend wäre eher vermieden worden. Denn, die Mischung macht es ja, wie wir mittlerweile wissen…
…um nicht noch mehr (rein subjektive) Begeisterung von mir loslassen zu müssen, nutze ich an dieser Stelle die Gelegenheit einige teilnehmende Bands/Bandmitglieder und Fans/Besucher zu Wort kommen zu lassen (wird bei Zeiten aktualisiert, sobald neue Statements mich erreicht haben!).
Oliver, Lacrimas Profundere (Gitarre): „Bands die mir am besten gefallen haben waren Moonspell, Apoptygma Berzerk und Eisbrecher - leider konnte ich Fields nicht mehr sehen da wir schon auf dem nach Hause weg waren! Die Organisation war wie immer atemberaubend gut, wie man das vom M´era Luna und FKP Scorpio gewohnt ist. Super nette Leute, super Publikum nur der Mann an der Rezeption des Etap Hotels, der uns die zweite Nacht rausgeworfen hat, nur weil ein Fernseher zu Bruch ging und um 4 Uhr morgens die Bierreserven aus dem Kühlgerät komplett weg getrunken waren hätte etwas freundlicher sein können!“
(Anm. d. Red.: Man kann es ihm wohl nicht verübeln, that´s Rock´n´Roll oder wie?)
Stefan M. aus Hannover: „Am besten haben mir gefallen: Fields of the Nephilim, Lacrimas Profundere, New Model Army. Moonspell waren aber auch überraschend gut. Wunschbands für 2009 wären Marilyn Manson oder Rammstein. Der Sound war bei den Hauptacts, wie immer gut. Leider war der Sound im Hangar überwiegend Schrott. Gut, dass dort nicht so viele Bands gespielt haben die für mich von Interesse waren. Als Fazit kann man sagen, wenn wenigstens ein paar Bands spielen, die einem gefallen ist das M´era Luna immer eine Reise wert. Was wie jedes Jahr im wahrsten Sinne des Wortes beschissen war, sind die Toiletten. Ein weiterer Punkt, den ich für verbesserungswürdig halte ist: Man kann es sich sparen Bands für 20 Minuten auf die Bühne zu schicken. Ich finde ca. 45 Minuten pro Band sollten es dann doch schon sein, dann eben lieber etwas weniger Bands, aber mehr Spielzeit."
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Meine persönlichen Tipps für die kommenden Jahre: etwas mehr Klos oder zumindest öfter mal leeren lassen. Und ganz wichtiger Punkt: Wie wäre es mal mit einer weiteren Bühne (Zelt o.ä.) für Folk / Akustik / Neoclassic - Bands? Der neue Mittelalter/Folk-Markt (das mittelalterliche Spektakel) mit den Fressbuden und einigen Accessoires vor dem Haupteingang hat doch schon mal ganz gut eingeschlagen. Bands für eine solche zusätzliche Bühne, gäbe es ja zu Hauff oder nicht? Beispiele gefällig? Bitte sehr Antimatter, Subaudition, Neun Welten, Tenhi, Poets to their Beloved, Lux Interna, Nebelung, Agalloch, und und und…
So viel dazu. …
…und nun fangen wir mal wieder an die Tage zu zählen bis zum 10. M´era Luna im August 2009.
Nachdem ein Wunsch aus dem letzten Jahr mit der Verpflichtung von Mono Inc. in Erfüllung gegangen ist, möchte ich meine Band Wunschliste für 2009 auch an dieser Stelle loswerden.
- Rammstein, Him, Fixmer/McCarthy, Mandrake, Negative, Delight, Soko Friedhof, Mortiis, Fields of the Nephilim (why not, war doch genial!), Sisters of Mercy, Tiamat, Type o Negative, Deathstars, Pain, Amorphis, Anathema, Antimatter, Dornenreich, Hevein, Lake of Tears, Mono Inc. (etwas längere Spielzeit!), My Dying Bride, Tunes of Dawn, Umbra et Imago, Zeraphine, Das Ich, Project Pitchfork…. Dabei betrachte ich Apocalyptica als gesetzt, aufgrund der diesjährigen Absage. Zugegeben, ist etwas lang geworden, aber es ist ja auch das 10. M´era Luna.
(Wünsche der Leser können selbstverständlich im Forum/Diskussion hinterlassen werden.)
Laut Pressemitteilung waren 23.000 Besucher beim M´era Luna 2008 zu Gast. Doch was viel wichtiger ist, möchte ich an dieser Stelle so abdrucken, wie es mir gemailt worden ist: „Wir sind sehr zufrieden und freuen uns, dass wir, wie die Besucherzahlen zeigen, mit dem M'era Luna auch im neunten Jahr ganz klar zu einem der wichtigsten „Gothic Events" in Europa gehören. Und wir wünschen uns auch 2009 wieder Besucher aus der ganzen Welt, die mit uns ein friedliches und stimmungsvolles Festivalwochenede in Hildesheim verbringen wollen", zieht Folkert Koopmans, der Veranstalter, ein Resümee. „Nur am Wasserdruck für die Sanitäranlagen müssen wir arbeiten. Aber da werden wir bis zum nächsten Jahr mit der Stadt Hildesheim sicherlich eine Lösung gefunden haben.“ Quelle: FKP Scorpio Newsletter!
Mein Dank geht an die Organisatoren und Veranstalter für ein erneut schönes Wochenende in Hildesheim. Bis zum nächsten Jahr!
musikalischer Background des Verfassers Wenn es sein muss: Death, Gothic, Doom, Grind, 70er Rock, Alternative, Blues, Prog usw!!!
X Aktuelle Top6
1. Mandrake "Innocence Weakness"
2. Lacrimas Profundere "The Grandiose Nowhere"
3. Triptykon "Eparistera Daimones"
4. Robert Plant & Alison Krauss "Raising Sand"
5. Dommin "Love Is Gone"
6. Jimi Hendrix "Are You Experienced?"
X Alltime-Klassix Top6
1. The Doors "alles"
2. Vader "alles"
3. Mordor "Prayer to..."
4. Nick Cave & the Bad Seeds "alles"
5. Opeth "alles"
6. Pink Floyd "fast alles"
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