Machen wir uns nichts vor, gegen das Altern kann niemand etwas tun. "Das ist die Natur", das ist nun mal "der Lauf der Dinge", wie man so schön sagt. Und ganz ehrlich, das ist auch gut so.
Auch die Heavy Metal-Legende wie Judas Priest wird älter, dementsprechend auch das Publikum. Doch siehe da, beim Auftakt der Epitaph-Farewell-Tour 2012 auf deutschem Boden sind auch "Milchgesichter" zugegen. Auch wenn natürlich das Publikum überwiegend aus über 40jährigen (und älter) besteht, so sind nicht wenige "Jugendliche" vertreten. Ob nun mit gleichartigen Kumpels oder eben Vater/Mutter mit Sohn/Tochter. Und was sagt uns das? Der Heavy Metal stirbt nie aus und wird auch nicht wirklich alt!
Thin Lizzy, die als Support für die Tour gebucht worden ist, können schon zu Anfang das Publikum in ihren Bann ziehen. Natürlich gibt es die typischen Sprüche, dass es nicht die Thin Lizzy sind, aber hej, viele im Publikum haben nicht mal in die Windeln gemacht, als Phil gestroben ist. Trotzdem der coole, hier und da harte Rock überzeugte. Auch wenn die zweite Gitarre oft kaum zu hören gewesen ist und der Gesang im Gegensatz dazu etwas laut rüberkam, hatten die "Hits" der 1970er allemal für Furore sorgen können. Einzig und allein war das Keyboard so gut wie garnicht zu hören. Man musste schon genau hinsehen, um zu merken, dass sich dort tatsächlich noch ein Keyboarder auf der Bühne befindet. Ob nun mit neuen Tracks oder eben den Klassikern wie "Whisky in the Jar" und "Boys are back in Town", ein würdiger Anheizer für eine Band wie Judas Priest. Auch wenn es sicherlich aus meiner Sicht passender gewesen wäre, hier eine wesentliche jüngere Band aus dem Heavy Metal-Genre noch zusätzlich zu verpflichten.
Pünktlich um 21 Uhr fegten die Headliner los. JUDAS PRIEST, die Helden, die Könige, die Legende - der britische Stahl!!! Neuzugang Richie hat von Anfang an sichtlich Spaß an der Sache. Seine Power und Ausstrahlung tragen dazu deutlich bei, dass die Truppe nicht wirklich alt aussieht. Auch wenn man eben anmerken muss, dass die Herren Glen, Ian, Scott und Rob ein wenig mehr Zeit brauchen, um warm zu werden. So sehr man sich auch einen Ersatz für K.K. nicht wirklich vorstellen wollte, der ja nunmehr das Golfen vorzieht, so hat man spätestens nach dem dritten Track keine Zweifel, dass der frische Wind von Richie dieser Band gut tut. Richie fegt über die Bühne, geht auf Tuchfüllung mit Rob als auch Glenn und es passt einfach. Alle haben Spaß bei der Sache - das Publikum inbegriffen.
Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass eben ein Rob & Glenn anno 2012 nicht die sind, die sie vor 20 oder 30 Jahren gewesen sind. Doch das müssen sie auch nicht. Als "Night Crawler" ertönt, vergisst man all das Altern, es zählt nur der Heavy Metal. Und Rob bewies dies alles nicht nur mit seiner einzigartigen und wirklich glasklaren Stimmeund dem nicht zu aufdringlichen wirkenden Kontakt zum Publikum (Motto: weniger ist mehr!). Auch wenn man zugeben muss, dass er öfter auch hinter die Bühne verschwindet, als es früher mal der Fall gewesen sein mag, was sicher auch mit der großen Anzahl "Metal-Verkleidungen" zu tun haben könnte - sorry, Rob - auch da ist weniger mehr. Ein treffender Kommentar vor mir war "Das letzte Mal, wo sich jemand so oft umgezogen hat während einer Show, war, als ich mit meiner Frau zu CHER gehen musste". Aber sei's drum - der Rest war stimmig und irgendetwas muss ja hier auch mal kritisiert werden!
Mehr als 40 Jahre Bühnenerfahrung machen sich eben bezahlt - das trifft auch heute für die Briten zu, auch wenn man das Alter mal wieder hier mit berücksichtigen muss. Und die Setliste des Tages lässt eigentlich keine Wünsche offen. Es macht einfach Spaß, dieser Band zuzuschauen, die Klassiker mitzusingen und nebenbei das Bier zu genießen. Man muss nicht unbedingt ausflippen, es reicht die Show zu genießen.
Nach gut 130 Minuten war dann Schluss, nachdem der "Chopper" mit Rob auf der Bühne geparkt worden ist. Es sei noch erwähnenswert, dass Rob keinen einzigen Ton bei "Breaking The Law" mitgesungen hat, da das gesamte Publikum ihm die Wörter abgenommen hatte. Und die Aufklärung durch Rob, dass es eben schon etliche Schubladen wie Death Metal, Black Metal, Speed Metal, Thrash Metal, Doom Netal, Nu Metal gibt, aber alles auf Grundlage des unsterblichen Heavy Metal entstanden ist, war nicht wirklich vielen im Publikum neu. Doch trotzdem zeigt es einmal mehr, dass eben einer wie Rob es sich erlauben darf, diese Erkenntnis den langjährigen und neuen Fans in Erinnerung zu rufen.
Von daher stand für uns (AndreasH/Arturek) fest, das Einzige, was hier noch die bessere Laune eines Konzertes hätte verderben können, wäre der Sound gewesen. Doch auch dieser war für die Verhältnisse der Alsterdorfer Sporthalle wirklich akzeptabel gewesen. Selten, ja selten hat man in dieser Halle eine Band wirklich mit gutem Sound erlebt, doch heute war es doch anders. Und bei einen mehr als zweistündigen Gig einer Legende, kann man nun wirklich nicht meckern. Auch wenn es sicherlich mal wieder einige gegeben haben man, die sich aufgrund der gut 60 Euro teuren Tickets aufgeregt haben mögen.
Ja, wir sind froh, dass es nicht die letzte Show von Judas Priest gewesen ist. In diesem Zustand merkt man, dass die guten alten, als auch die neuen Songs noch lange nicht ausgedient haben und sich Judas Priest alles andere als zur Ruhe setzen sollten... Und das ist eben auch gut so, wie im Interview nachzulesen ist.
Setlist JUDAS PRIEST - Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle am 27.04.2012
(ohne Garantie auf Vollständigkeit)
(Beginn: 21:00 Uhr)
Rapid Fire
Metal Gods
Heading Out to the Highway
Judas Rising
Starbreaker
Victim of Change
Never Satisfied
Diamonds And Rust
Prophecy
Night Crawler
Turbo Lover
Beyond The Realms of Death
The Sentinel
Blood Red Skies
The Green Manalishi
Breaking The Law
Painkiller
Hellion/Electric Eye
Hell Bent for Lether
You've Got Another Thing Comin'
Living After Midnight
(Ende: 23:15)
...die Tour findet noch in den folgenden deutschen Städten statt:
musikalischer Background des Verfassers ...sehr viel
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