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Metalfest Kroatien 2012 in Zadar, Croatia am 03.06.- 05.06.20

This is the German Report on Metalfest Croatia, find English Version here:
http://metalglory.de/live.php?nr=774
...


Hier gehts zur Bildergalerie:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10151012299440100.478370.387789260099&type=3


Erstmals wurde in Kroatien ein Metalfestival mit internationalem Format veranstaltet. Im Geschichtsträchtigen Seebad Zadar, genauer auf der angegliederten Halbinsel Puntamika, feierten vom 03.Juni – 05. Juni 2012 über 3500 ausgelassene Metaller bei zumeist herrlichem Wetter eine gelungene Festivalpremiere an der Adriaküste.

Der etablierte Metalfest Zirkus stoppt dieses Jahr erstmals in Kroatien. Die 75.000 Seelen Stadt Zadar, direkt an der Adria, war das Ziel des riesigen Tour Trosses, der im Juni durch halb Europa rollt. Wenn neben dem Billing auch noch eine reizvolle Location winkt, war die Frage welches der Acht Metalfest Veranstaltungen wir besuchen, geklärt.
„Und, hat sich der Trip zum Metalfest Kroatien gelohnt?“ war nach unserer Rückkehr die am häufigsten gestellte Frage der letzten Tage. „JA! – Die Kombination aus Sonne, Strand und Festival ist eine uneingeschränkt empfehlenswerte Erfahrung“. Warum? das erfahrt ihr im nachfolgenden Bericht.

Wie eingangs erwähnt war dies das erste Metal-Festival mit internationalem Format auf kroatischem Boden. Somit gab es neben aller Vorfreude auch eine gewisse Skepsis als wir am Samstagnachmittag den Flieger nach Split enterten. Aber spätestens als uns vor Ort die Sonne bei 25°C entgegen lachte waren Fragen wie „Wie ist die Organisation des Festivals? Wird der Event ein Kracher oder eine laue Nummer?“ erst mal sekundär. Palmen und der ungetrübte Blick auf das kristallklare Wasser der Ägäis ließen sofort Urlaubsfeeling aufkeimen. Da ist für trübe Gedanken einfach kein Platz. Auf der malerischen Küstenstraße entlang ging es dann ins 150km entfernte Zadar. Vor Ort wurden schnell die Formalitäten geklärt, bevor wir uns ein erstes Bild vom Festivalgelände machen konnten. Und dieser Eindruck war großartig:

Die Halbinsel Puntamika ist an drei Seiten vom Meer zugänglich. Käfighaltung wie auf anderen Festivals üblich ist somit nicht vonnöten. Der Strand ist komplett zugänglich und lädt zum kurzen Bad zwischen den Auftritten ebenso ein, wie zum exzessiven Sonne tanken. Ebenfalls auf den ersten Blick positiv ist das stark bewachsene, etagenartige Gelände, das neben viel Schatten ebenso viele Ecken und Nischen zum chillen bietet. Der großflächige, stressende Festivalrummel findet hier nicht statt. Stattdessen geht es gemütlich und familiär zu. Die Freundlichkeit der kroatischen Gastgeber und die augenscheinlich gute Organisation ließen somit auf einen tollen Event hoffen. Auch unser großzügiges, modernes Appartement mit Blick auf die Adria ließ keine Wünsche offen. Ein solches 4-6 Personen Appartement mit Klimaanlage, TV, Küche, Dusche, Terrasse (Balkon) und Parkplatz ist in Zadar für ca. 55€ pro Nacht zu bekommen. Alternativ kann man auch auf den Festivalnahen Campground ausweichen. Neben Duschen und Festivalnähe bietet der umfunktionierte Pinienhain nahezu durchweg Schatten was bei sommerlichen Temperaturen schon am Morgen, sehr angenehm ist.


Tag 1 – 03. Juni 2012
Am folgenden Tag sah man viele Fans bei bestem Wetter früh gen Festivalgelände strömen. An einem der vielen Yachthäfen Zadar’s vorbei führt die Straße vom Campground direkt zum Gelände. Viele Yachtbesitzer, die bereits morgens im anliegenden Yacht Café saßen, beäugten die schwarz gekleidete Prozession mit Interesse. Selbst als das Café an den darauffolgenden Tagen der Festivalmeute Tribut zollte und den CD Player plötzlich mit Hartmetallischen Klängen statt Oliver Dragojević oder ähnlichem fütterte, war von Ablehnung nichts zu spüren. Es war ein erfreulich entspanntes miteinander. Viele der anliegenden Geschäfte begannen erstaunlich schnell die Gunst der Stunde zu nutzen.

Spätestens am zweiten Tag war die Meile vom Campground zum Festival in metallische Klänge gehüllt. Auf dem Gelände selbst ging es ab mittags in die vollen. Weithin hörbar spielten auf der kleinen Nebenbühne, der Liburnian Stage, bis zum frühen Abend vornehmlich kroatische Acts bevor man mit Bands wie Graveworm, Lake of Tears oder Skull Fist international bekannte Acts dort platzierte. Auf der Hauptbühne, der Visigoth Stage, gaben sich hingegen sofort internationale Größen die Klinke in die Hand. Das Areal vor der 12m großen Hauptbühne lag von üppigem Baumbestand umrahmt, am höchsten Punkt von Puntamika. Waren bei den ersten Bands des Tages die Reaktionen noch relativ verhalten, ging es bei Triptykon erstmals in die vollen. Die Mucke des legitimen Celtic Frost Nachfolger wirkt bei strahlendem Sonnenschein zwar irgendwie deplatziert, aber die Resonanz der Fans war trotzdem gut. Aber so richtig Fahrt nahm die Stimmung erstmals bei den Piratenhymnen von Alestorm auf. Das Bier begann amtlich zu fließen, während die Schotten gebührend abgefeiert wurden. Apropos Bier: Das gab es für fanfreundliche 15 HRK via Bon System zu erstehen. Ausreichend Bon Ausgaben, an denen man seine Kroatischen Kuna (1 EUR = 7,557 HRK) in Festivalwährung tauschen konnte, waren auf dem ganzen Gelände verteilt. Während Legion of the Damned und vor allem Moonspell füllte sich das Gelände dann zusehends. Während erstere mit ihrer brachialen Death Metal Abrissbirne den Nerv der Fans trafen, ging es bei Moonspell düster und atmosphärisch zur Sache.

Wir checkten währenddessen erst mal die Speiseangebote. Neben sehr leckeren Burgern und Pommes für knappe 2,50€ gab es frisch zubereitete Pasta Gerichte zum selben Preis und Pizza (3,50€). Sehr ungewöhnlich mutete dagegen der Stand mit gegrillten Fisch Spezialitäten. Hier gab es für knapp 5 Euro neben frisch gerillten Calamari mit geröstetem Brot auch gegrillte Sardinen zu erstehen. Am folgenden Abend wurde dieses Angebot durch das „F**k them all“ Menü abgelöst. Für 7€ gab es dann 1,-kg (!!!) frisch gegrillte Sardinen. Hammer! Zurück auf dem Gelände zockten gerade Hypocrisy mit Geburtstagskind Peter Tätgren ihren Old-School Elchtod und wurden dabei von den Fans kräftig unterstützt. Neben den sehr positiven Eindrücken des ersten Tages war es aber Blind Guardian, die den nachhaltigsten Eindruck aller Bands hinterlassen konnten. Es scheint förmlich egal zu sein, wo die Krefelder auftreten, die Resonanz der Fans ist stets überwältigend. 75 Minuten füllten sie die Headlinerposition perfekt aus und hinterließen ein Partywilliges und glückliches Publikum.
Uns zog es dann alsbald gen Appartement, aber viele Fans feierten entweder noch bei angenehmer Witterung am Strand oder bestiegen das Partyschiff, eine kleine Küstenjacht die 200 Personen Platz bot und mit DJ Beschallung bis zum Morgengrauen in der Adria kreuzen sollte. Partyzelt auf Kroatisch...


Tag 2 – 04.Juni 2012

Auch am zweiten Tag erwartete uns ein sonniges Wetter, wenngleich dieses Vergnügen nur bis zum Abend anhalten sollte. Pünktlich zur Prime Time zogen nämlich dunkle Wolken auf, und es begann leicht zu regnen. Da aber tagsüber die kroatische Sonne lachte und Huntress einen ordentlichen Weckruf hatten erschallen lassen, machte sich der Schreiber dieser Zeilen auf, die umliegenden Areale etwas genauer zu erkunden.
Erstes Ziel war der Campground. Typische Festivalhochstimmung war hier nicht zu vermelden, alles schien sich in Ruhe auf den Tag vorzubereiten. Keine dröhnenden Generatoren, die das Gelände in eine Abgaswolke hüllen. Keine 50.000 Watt Anlagen die nichtmetallischen Ohrenschmerz der Marke ‘Erna Schabulski‘ auf alle niederprasseln lässt die es nicht hören wollen. Nein, im Pinienhain ging es gelassen und gemütlich zu. Mehr Feierstimmung war dafür am angrenzenden Strand zu vermelden. Entlang der gesamten Strandpromenade mischten sich schwarz gewandete Gestalten und Touristen zu einer äußerst bunten Mischung. Einige mutige fanden den Weg in die 16°Celsius „warme“ Adria, während andere sich einfach am Strand der Sonne hingaben und mit Gerstensaft bewaffnet die Tage in Zadar genossen. Trotz des Gegensatzes zum normalen Touristenpublikum war es ein freundliches vis-a-vis. Nicht wenige erkundigten sich neugierig nach dem Festival. Wie eingangs erwähnt zollten nun auch die anliegenden Gastrobetriebe dem Festival Tribut, indem sie die Besucher mit flugs kreierten Metal-Meals und entsprechender Beschallung lockten.

Zurück auf dem Festivalground gab es mit Powerwolf, Grand Magus oder Vader drei begeisternde Shows bei bestem Festivalwetter. Vor allem Vader legten einen vielumjubelten Auftritt voller Energie und Power hin. Die Schweizer Folk Metaller Eluveitie gaben wir uns dann vom Meet & Greet Zelt, das eigentlich bei nahezu jeder Band stark von den vornehmlich einheimischen Fans frequentiert wurde. Deren Enthusiasmus ist ungebrochen.
Den Start in den Abend markierten dann bei aufkommenden Regen Symphony X, die Live einmal mehr überzeugen konnten. Etwas überraschend wurde die Band vom kroatischen Publikum extrem gut angenommen. Ebenso wie Behemoth, die mit dem wiedergenesenen Nergal stärker wirkten als je zuvor. Und naja, zu Kreator braucht man wohl nicht viel sagen. Wo der deutsche Thrashexport Nummer eins auftaucht, bleibt keine Matte im Ruhezustand. Mille und Co. sind immer noch eine Bank in Sachen Livepower und Aggression. Und so verließen wir gegen Mitternacht glückselig das Gelände gen Appartement.


Tag 3 – 05.Juni 2012
Sonnenschein und Festival bilden eine perfekte Symbiose. Und nach dem Regen am Vorabend knallte nun die Sonne wieder unerbittlich als wir uns bereits mittags gen Gelände aufmachten. Schließlich galt es noch Festivalshirts zu besorgen, und „zwischendurch“ noch mal die schöne Altstadt Zadar‘s anzuchecken. Ersteres ging am letzten Tag leider voll daneben, denn die Leibchen waren doch schon arg reduziert. ‘Metalfest Kroatien‘ Shirts waren Sold out. Lediglich eine Variante war noch zu erwerben. Schade... Ein Highlight hingegen war die Altstadt von Zadar, die man wirklich gesehen haben muss. Denn dieser geschichtsträchtigen Teil der Stadt bietet vom römischen Forum Romanum über frühchristliche Rundkirchen bis hin zu Venezianischem Baustil eigentlich alles.

Während unseres kurzen Abstechers zockten dann unter anderem Brainstorm einen ordentlichen Auftritt. Wir trafen dann recht pünktlich zu In Extremo wieder auf dem Gelände ein, und bekamen erstmals einen kurze Info das sowohl W.A.S.P. als auch Dark Tranquillity ihre Auftritte aus technischen Gründen abgesagt haben. Was letztlich auch der wahre Grund war, es gab dadurch massive Verschiebungen in der Running Order. Die verbliebenen Bands füllten diese Lücken dann teils durch mehr Spielzeit, wobei In Extremo dabei den Anfang machten. Hier wurden erst einmal geflissentlich zwei Songs an das reguläre Set gehängt.
Durch den Wegfall zweier Bands bot sich auch uns etwas Zeit, die wir am Strand zu nutzen beschlossen. Was uns hier überraschte war vor allem, das, wie auf dem Festivalgelände auch, keinerlei Müll liegen blieb. Alles war bis zum letzten Tag sauber. Strand, Gelände, Zufahrtswege und Dixie Klos. Die wunderschöne Location schien auch bei den Metalfest Jüngern Wirkung zu zeigen. Dieser Eindruck spiegelte vor allem auch die Tatsache wider, das allerorts trotz der Ausfälle eine ruhige und entspannte Atmosphäre zu spüren war.
Weit weniger entspannt ging es dann in den ersten Reihen bei Fear Factory zu. Da war Partyalarm! – Auch wenn der kalte, klinische Sound der Band nicht so recht zur sommerlichen Witterung passte, war es trotzdem ein Knaller die Band Live zu sehen.

Einziger kritikpunkt sind vielleicht die cleanen Vocals von Burton C. Bell, die nicht mehr ganz so treffsicher klingen wie Anno 1995. Eine knappe Stunde früher als geplant nahmen dann die von vielen erwarteten Megadeth das Zepter in die Hand und begannen sehr vielversprechend ihren Headlinerset. Allerdings schien eine kleine Gruppe von sogenannten „Fans“ die W.A.S.P. Absage MegaDave und seinen Mannen anzukreiden, sodass bereits früh „F**k You!“ und „We want W.A.S.P.“ über das Gelände schallten. Vollends eskalierte die Situation aber, als vereinzelt Bierbecher und Gegenstände auf die Bühne flogen und Megadeth daraufhin nach fünfzig Minuten wortlos ihr Set abbrachen. Dave Mustaine ist sicher eine streitbare Persönlichkeit, aber seine Reaktion ist nachvollziehbar. Schade das eine kleine Gruppe von Idioten, die sonst grandiose Stimmung des Metalfest 2012 so trübt. Eine Stellungnahme des Veranstalters hierzu findet ihr unter dem Bericht. Nach diesem Zwischenfall konnten Death Angel, die unfreiwillig die Headlinerposition bekamen, allerdings die negative Stimmung mit einem fulminantem Set kitten und für einen mehr als versöhnlichen Schlusspunkt des Metalfest Kroatien sorgen.

Trotz des unschönen Moments am letzten Tag war das Metalfest Kroatien ein rundum gelungenes Festival das durch eine gute Organisation, eine geile Location und verdammt faire Preise besticht.

Daneben bietet sich eine gute Gelegenheit für einen günstigen Urlaub am kroatischen Meer. Denn das Festival wird auch im nächsten Jahr stattfinden. Dann allerdings unter Eigenregie unter dem Namen BURNING SEA FESTIVAL. Infos hierzu gibt es im Web unter www.burning-sea.com oder www.metalholiday.com



geschrieben am 17.06.2012   von Blizzard
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