Nun ist er also endlich da, der dritte Streich der Chilenen von HETROERTZEN, deren Einladung der eigentliche Auslöser meiner Chile-Reise vor gut einem Jahr gewesen war.
Die Band aus Puerto Montt in der in Nordpatagonien gelegenen Vulkan- und Seenregion, auch „Chilenische Schweiz“ genannt, hat ihre Personalprobleme im Laufe des Jahres 2005 in den Griff bekommen und offensichtlich noch einen Gitarristen und einen Bassisten eingestellt.
Um es gleich vorweg zu nehmen: „Rex Averno“ – übrigens auch der Künstlername von Walter „Kaæffel“ Tölg, dem Gründer von HETROERTZEN – ist ein glühender direkt aus den tiefsten Schlünden der Hölle ausgespiener Haßklumpen, wie man ihn selbst im extremen Black Metal urnorwegischer Prägung nur sehr selten antrifft. Ein in tiefem Blutrot glänzendes Karfunkel-Juwel, gefaßt in mattschwarzes geronnenenes Pech – ein Meisterwerk, welches den Vergleich mit den Œuvres der allerersten europäischen Bands des Finstergenres nicht im Entferntesten scheuen muß.
Thematisch geht es bei „Rex Averno“ um seit Millionen von Jahren in der Tiefsee und weit unten in der Erdrinde schlummernde Uralt-Wesen, welche sich eines Tages erheben, um die degenerierte menschliche Rasse auszulöschen, damit eine neue Spezies die Weltherrschaft übernehmen kann (der Ctulhu-Mythos von H.P.Lovecraft und die „Yrr“ von Frank Schätzing lassen freundlich grüßen ...).
So gesehen ist dieses Meisterwerk ein Konzeptalbum und auch musikalisch wirkt es wie aus einem Guß.
Es geht los mit einer düsteren Kakophonie sinistrer erdbebenähnlicher Geräusche, welche an eine unheilvolle Horde nach Menschenfleisch gierender Dämonen auf dem Weg nach oben stürmend gemahnt.
Dann schon der erste Paukenschlag: „Herolde des Antichristen“ wird getragen von einer schön dissonant sägenden klirrenden Gitarre, ganz so, wie sie bei Eiszeit-Black-Metal klingen muß.
Nächster absoluter Höhepunkt ist das schnelle und haßerfüllte ‚Bacterium S6th6n6s’, bei welchem Walter am Schlagzeug zu schweißtreibender Höchstform aufläuft.
‚Perverses und reines Paradies’ ist eine perfide Hymne, die sich schnell festsetzt.
Aber dann kommt es: Eingeläutet von einem furchterregenden Sprechgesang, setzt eines der besten Black-Metal-Stücke ein, die ich jemals gehört habe: ‚Lvxifer’ hat alles – klirrende Gitarren, rasende Parts, schwelgende Melodien und eine mal keifende, mal belfernde, mal fast heißer grunzende Stimme, die sehr engagiert alles zusammenhält und vorantreibt – bei dem Track gefriert einem das schwarze Blut in den Adern !!! – Das ist True Black Metal in seiner allerhöchsten Vollendung !
Und weiter geht die unheilige Hatz: Sind ‚ Ruins In Karkemish’ und ‚ Rainy Clouds Of Rebel Angels’ eher von der knorrigen, schnellen Art, so kehrt die epische Komponente zum Ende des Albums hin wieder zurück, wenn der Erneuerungszyklus durch die ‚Aquarian Parasites’ abgeschlossen wird.
Die Produktion ist druckvoll, mächtig, aber zum Glück nicht allzu überladen, so daß stets ein authentisches Schwarzmetall-Ambiente gewährleistet ist.
Fazit: Ein absolutes Muß für alle ernsthaften Schwarzheimer, die auch mal über die norwegische Skimütze hinweg gucken können – sie werden ihr schwarzes Wunder erleben !
In Deutschland wird „Rex Averno“ von Merciless Records (www.merciless-records.de) vertrieben.
Nachbemerkung: Weder die Tatsache, daß ich mit der Band bestens befreundet bin, sie heuer im September erneut besuchen werde und die Texte der drei deutschsprachigen Tracks (2, 7 und 12) für sie übersetzt habe, hat meine Meinung über dieses hochklassige Album maßgeblich beeinflußt, weshalb ich mir diesmal auch keine Befangenheitspunkte abziehe. Ein jeder Mitredakteur möge sich selbst davon überzeugen und ich werde ihm „Rex Averno“ gerne zum Cross-Review zusenden.
Tracklist:
1. The Cursed Cross
2. Herolde des Antichristen
3. Power’s Legion
4. The Chamber Of Kefren Ra
5. Bacterium S6th6n6s
6. Salmus Noctem
7. Perverses und reines Paradies
8. The 7th Visit
9. Lvxifer
10. Ruins In Karkemish
11. Rainy Clouds Of Rebel Angels
12. Adveniat Principis Inferno
13. Aquarian Paradise
Diskographie:
2002: “Flying Across The Misty Gardens” – CD (Trollberg Musik)
2003: “A Crimson Terrible Vision” – CD (Trollberg Musik / Rawforce Productions)
2004: “Flying Across The Misty Gardens” – LP (Trollberg Musik / Rawforce Productions)
2005: “Rex Averno” – CD (Rawforce Productions)
9.5 Punkte von WARMASTER (am 23.01.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Death und Black Metal, 70er-Jahre Rock, Beat
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