Rezension
Die unangefochtenen Crossover Könige Waltari legen hier ihr 10. Studioalbum vor. Stolze 17 Tracks tummeln sich auf Blood Sample, und wiedereinmal verlangen sie dem Zuhörer ein gewaltiges Maß an Stiloffenheit ab. Waltari bedienen sich bedenkenlos aus einer Vielzahl verschiedenster musikalischer Schubladen. Metal-Spielarten wie Thrash, Gothic und Grind beherrschen sie ebenso gekonnt wie Alternative Rock, Hip Hop, Techno, Schmalzballaden, Nu Metal, Elektro Pop, Hardcore, Melodycore und was weiß ich noch alles. Diese teils so inkompatibel anmutenden Zutaten reiht die Band fast willkürlich in eine Reihe, wobei alles möglich scheint. Ein Waltari Song kann 2:30 Minuten gehen und nur straighten Punk mit Hardcoreeinschlägen enthalten ("Too Much Emptiness"), oder ein nahezu unauffällig handelsüblicher Alternative Rock Happy Rocker sein ("Not Enough"), aber so ein Song kann auch 7 Minuten lang sein, Techno und Rap verschmelzen ("Back To The Audio" - irgendwo zischen The Prodigy, Kong und Moby), oder in 2 Minuten mit einer Gabba Grindcore Hummpa Techno Metal Attacke den Crazy Frog zum Kirchenchor Knaben degradieren ("Exterminator Warheads"). Die Abschluss-Ballade "Julia" würde sich sogar ganz prima auf jeder Kuschelrock Platte machen. Toller Weise funktioniert diese Mixtur ausgesprochen gut. Waltari beweisen ein ausgesprochen gutes Händchen beim Songwriting, die Lieder haben allesamt Tiefgang (z. B. das sehr NIN lastige"Digging Inside" und auch besagtes "Julia") oder sie gehen tierisch ab und sind tanz- und/oder mitgrölbar ("Aching Eyes", "Fly Into The Light", "All Roads Will Lead To Rome"). Bei den aufgeführten Titeln gilt absolute Hit-Gefahr. Waltari haben das Chaos gut unter Kontrolle und einen wiedererkennbaren eigenen Sound und das nicht nur durch Kärtsys markanter Sangesstimme. Soundtechnisch ist alles im fetten und grünen Bereich. Einziger Störfaktor an der Scheibe ist die mit knapp 79 Minuten extrem lange Spielzeit; beim Komplettdurchhören wird Blood Sample doch etwas anstrengend. Vielleicht ist die Platte aus diesem Grunde in Part I und Part II, mit einer einminütigen Pause dazwischen, aufgeteilt. Musikalisch macht diese Seperation nur bedingt Sinn, vielleicht könnte man Part I als Alternative Rock lastiger und Part II als Techno lastiger bezeichnen, aber auf jeden Fall ist es eine angenehme Verschnaufspause mit einem Seite-Wechsel-Retro Feeling. Blood Sample entpuppt sich als Qualitätsware für aufgeschlossene Musik-Geister, die Kärtsys Aufforderung Folge leisten, wenn er so schön sagt: "Liberate your mind from musical pre-conditions!". Wer diese Gebrauchsanweisung beherzigen kann, wird viel Freude an Waltari haben.
Tracklist
01. Helsinki (5:54)
02. Not Enough (3:36)
03. Too Much Emptiness (2:31)
04. Never (4:02)
05. New York (3:49)
06. I'm In Pain (4:39)
07. All Roads Will Lead To Rome (3:59)
08. Digging Inside (6:59 plus ca. 1:06 Pause)
09. Fly Into The Light (4:35)
10. Shades To Grace (4:58)
11. Aching Eyes (5:42)
12. Back To The Audio (7:38)
13. Pigeons (5:17)
14. Exterminator Warheads (2:02)
15. Darling Boy (4:24)
16. Wide Awake (5:01)
17. Julia (2:53)
7.5 Punkte von chicken (am 07.04.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Hauptsächlich Metal und 60er/70er Jahre Rock. Daneben alles Mögliche (z.B. EBM, Soundtracks, Folk, diversen Jazz Kram & Krautrock) und manches Unmögliche (z.B. Aqua, Madonna, Torfrock, Björk & Doris Day).
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