Rezension
Communic zum Zweiten. Nach dem von Presse und vielen Fans frenetisch abgefeierten Debütalbum "Conspiracy In Mind" legen Communic, knapp über ein Jahr später, ihr Zweitwerk vor. Ob Waves Of Visual Decay den folglich hohen Erwartungen wohl standhalten kann?
Das Norweger-Trio um Mastermind Oddleif Stensland hat sich im weitesten Sinne dem progressiven Powermetal verschrieben. Wie schon beim Vorgänger stehen sieben Songs auf der Platte, die stilistisch in dieselbe alte Kerbe schlagen. Doch die hat es in sich. Communic gelingt das ganz große Kunststück, ihre komplexe Musik wie aus einem Guss klingen zu lassen. Power Metal ist dabei das größte Element, der immer wieder von vielen progrocktypischen Figuren und Breaks durchsetzt wird. Hinzu kommt ziemlich viel ballerndes Thrashriffing. Das Außergewöhnliche dabei: Es klingt alles straight und völlig homogen. Gleichzeitig wirkt die Musik traditionsbewusst und modern. Die Songs bestehen aus vielen verschiedenen Einzelparts; fast in jedem geht es ruhig und heftig zur Sache. Eine Ausnahme bildet der Titelsong, der bei aller Komplexität doch eher ruhig und verhalten ist. Unterschiede zwischen Album eins und zwei sind eher marginal. Oddleif hat an seinem Gesang gearbeitet, der nunmehr etwas voluminöser klingt. Des öfteren erinnert er dabei an Nevermores Warrel, sowohl vom Ausdruck, als auch von der Technik. Es liegen meistens zwei/drei Stimmen übereinander. Auch bei den gelegentlichen halfordmäßigen Metalscreams gibt Herr Stensland eine gute Figur ab. Neben den verbesserten Vocals fällt dieses Mal der Keyboardeinsatz ein klein wenig mehr auf. Aber auch auf "Waves Of Visual Decay" wird das Keyboard größtenteils nur sehr dezent, Atmosphäre schaffend eingesetzt, so dass es kaum auffällt. Was objektiv soweit fast genial klingt, lässt subjektiv leider einiges an Federn. Den neuen Liedern fehlt fast gänzlich die schön mystische und sakrale Note der Vorgänger, sie verzaubern einfach nicht mehr. Zudem fehlt die eine oder andere herausragende Melodie, und die ganzen Einzelparts mögen mit großem Können aneinandergereiht sein, doch klingen sie oft sehr ähnlich, so dass ich die beiden letzten Nummern "My Bleeding Victim" und "At Dewy Prime" sogar als langweilige Hänger bezeichnen würde. Vielleicht ist diese unglaubliche Homogenität des Gesamtsounds das Problem, weil einfach die Ecken und Kanten fehlen. Bei aller begnadeter Technik mangelt es ein wenig an Ausdruck. Die stilistischen Nachbarn Nevermore haben da so einiges mehr zu bieten. Waves Of Visual Decay ist ein starkes Album, aber nicht der erhoffte Überflieger. Zumindest mich ziehen die neuen Kompositionen nicht so richtig in ihren Bann. Güldene Ausnahme und mein Anspieltipp ist "Fooled By The Serpent", das schön lebendig ist und ordentlich knallt. Communic ist eine außergewöhnliche Band, die ihrem Hype aber noch gerecht werden muss. Mal sehen wie der Rest der Welt die Scheibe sieht. Power Metal und Prog Fans sollten auf jeden Fall mal reinlauschen.
Band
Oddleif Stensland - Gitarre & Gesang
Erik Mortensen - Bass
Tor Atle Andersen - Schlagzeug
Tracklist
01. Under A Luminous Sky (8:16)
02. Frozen Asleep In The Park (8:52)
03. Watching It All Disappear (6:47)
04. Fooled By The Serpent (8:52)
05. Waves Of Visual Decay (8:05)
06. My Bleeding Victim (6:35)
07. At Dewy Prime (9:39)
7.0 Punkte von chicken (am 12.05.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Hauptsächlich Metal und 60er/70er Jahre Rock. Daneben alles Mögliche (z.B. EBM, Soundtracks, Folk, diversen Jazz Kram & Krautrock) und manches Unmögliche (z.B. Aqua, Madonna, Torfrock, Björk & Doris Day).
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