Manchmal passieren seltsame, merkwürdige Dinge, wie zum Beispiel am Freitagnachmittag, den 25. August auf dem Gelände des „Up From The Ground“-Festivals im untefränkischen Gemünden, als aus dem lichtdurchfluteten Regendunst vor der Bühne ein junger langhaariger Bursche auftauchte, welcher energisch und zielstrebig genau auf mich zusteuerte.
Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem sympathischen Jungspund um Wolf, den Drummer der österreichischen Nachwuchs-Death-Metal-Band MOLOKH, welcher mich offensichtlich von einem Bild im Internet wiedererkannt hatte (als alter Sack fällt man eben auf – hehehe !) und mir die selbstproduzierte CD der Band zwecks späterer Besprechung in die Hand drückte.
Gesagt, getan – wenn auch erst nach meinem Chile-Urlaub ...
Die hinten auf der Mini-CD abgedruckte Tracklist ließ schonmal aufhorchen, da sämtliche Stücke auf deutsch sind und Songtitel wie ‚Fleisch fertig’ mehr als nur neugierig machen.
Der erste Song. ‚Morgenrot’, geht gleich richtig ab – ein finsterer Baß, ein fieses Riff und ein ziemlich tiefes Gegrunze zeigen sofort und unmißverständlich, wo es lang geht: Death Metal ist angesagt, brutaler bodenständiger Death Metal.
MOLOKH machen es einem dann in Folge aber nicht gerade einfach, denn die Songarrangements sind alles andere als genreüblich; so sorgen sowohl recht häufige Tempiwechsel, als auch gelegentlich kurz ins Chaotische abdriftende Parts für Abwechslung und Kurzweil.
Man fängt sich dann aber jeweils recht schnell wieder und päsentiert ein weiteres düsteres Riff oder eine einprägsame Melodie.
Da zwei Vokalisten in der Band-Biographie genannt sind, weiß ich nicht, wer jeweils gerade grunzt, aber beide (Max und Alexabder) machen ihre Sache sehr gut und sorgen für die nötige Brutalität im Grundtenor der einzelnen Songs.
Bei ‚Karthago’ blieb bei mir nicht so viel hängen, aber ‚Halle für alle’ ist ein grundguter Nackenbrecher, der alles hat, was ein guter Death-Metal-Song haben muß – Abwechslung pur !
‚Schnipp Schnapp ... ab’ dürfte live für verschwitzte Pogo-Orgien vorne im Moshpit sorgen – ultrabrutal und einprägsam – nicht nur im Refrain !
Das abschließende ‚Fleisch fertig’ sorgt mit seiner sperrigen, mal schleppenden, mal drauflosgaloppierenden Attitüde dafür, daß man sich die 23 1/2 Minuten neugierig geworden sofort noch ein weiteres Mal gibt, um weitere Facetten dieses durchaus gelungenen Mini-Albums zu erforschen.
Das Stück ist das vielleicht reifste und beste auf dieser unbetitelten CD.
Die im Oktober 2004 formierten MOLOKH sorgen mit ihrem ausschließlich im eigenen Proberaum gemixten und aufgenommenen* Debüt (?) sofort für ein warmes und gutes Gefühl beim Zuhörer – man spürt, daß die Jungs ihr ganzes Herzblut in das Projekt stecken und ihr Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft haben.
Mir sind solche sich etwas anders präsentierenden leicht ruppigen selbstproduzierten CDs hundertmal lieber als so manche überprodzierte seelenlose Retortenscheibe einer satten, bekannten Band, die schon alles erreicht hat.
MOLOKH hingegen sind noch hungrig ... macht weiter so ! - Glaubt an euch – das ist erst der Anfang !!
Normalerweise vergebe ich bei einer Mini-CD keine Wertung, aber Ausnahmen bestätigen die Regel und ich möchte MOLOKH 6,5 Punkte (eigentlich 6,66 !) mit auf den Weg geben ... hoffentlich trifft man sich mal wieder ...
* dafür ist der ordentlich drückende Sound recht anheimelnd !
Augenblickliche Besetzung:
• Max (Guitar, Vocals)
• Martin (Guitar)
• Alexander (Bass, Vocals
• Wolf (Drums)
Tracklist:
Lineup:
1. Morgenrot
2. Karthago
3. Halle für alle
4. Schnipp Schnapp ... ab
5. Fleisch fertig
6.5 Punkte von WARMASTER (am 29.09.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Death und Black Metal, 70er-Jahre Rock, Beat
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