Amesoeurs rekrutieren sich immerhin unter anderem aus einem Alcest-Mitglied, was schon für Qualität steht bzw. stehen sollte. Die Gruppe existiert seit zwei Jahren, nun haben sie ihr erstes Werk, eine MCD namens "Ruines Humaines“, veröffentlicht. Das Konzept dreht sich um die fortschreitende Zivilisation und Urbanisierung, welche sehr negativ betrachtet wird. Also eine sozialkritische Gruppe, welche mal ein anderes Thema aufgreift als die typischen Gebiete im Black Metal.
Drei Stücke, knapp 16 Minuten, müssen für ein ausdrucksstarkes Bild genügen; mehr gibt es nicht zu hören. Doch vorweg, das tut der Sache keinen Abbruch, die Lieder reichen aus, um zu erkennen, dass Amesoeurs eine talentierte Gruppe sind. Die Produktion ist lobenswert, man hat sich auf keinen überproduzierten Sound gestützt, sondern nutzt einen rauen, authentischen Klang, welcher Charme besitzt. Ebenso sind einzelne Details hervorhebenswert, welche der Musik Wiedererkennungswert geben und das Thema, was es zu vertonen gilt, vielleicht noch genauer darstellen. So hat man manchmal das Gefühl, durch einzelne Klänge möchte man das verarbeitende Industriegewerbe darstellen. Der Gesang ist manchmal etwas schrill, doch definitiv sehr gelungen und verleiht der MCD Atmosphäre, teils mit richtig Gänsehautcharakter. Man fühlt sich hineingezogen in die Tristesse und Verlorenheit der Großstadt. Zweifellos unterstreichen die Leadgitarre, welche sehnsüchtig umherschwirrt wie beim Ende von "Bonheur Amputé“ und der düster-dümpelnde Bass die Chause.
"Faiblesse des Sens“ wird von Audrey Sylvain eingesungen. Elegisch, pessimistisch ertönt ihre Anklage gegen die Misstände. Wer nun vermutet, hier handelt es sich um das übliche 08/15-Frauengeseier im Black Metal, der liegt falsch. Zumal der Track alles andere als Black Metal ist. Die junge Französin beherrscht ihr Fach, so lauscht man einem interessanten Stück.
Weitere Worte wären wohl unnütz. Amesoeurs gelingt es mit ihrem ersten Lebenszeichen, die negativen Seiten der Industrialisierung in Musik zu transformieren. Das sehr melancholisch und auf jeden Fall auch sehr hochklassig und bedrückend schön. So darf man auf weiteres Material gespannt hoffen, Northern Silence haben hier zum wiederholten Male ein Juwel ans Tageslicht befördert.
Tracklist:
Lineup:
01. Bonheur Amputé
02. Ruines Humaines
03. Faiblesse des Sens
ohne Wertung von Vynter Vombat (am 30.09.2006)
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