Marduk nehmen den bestiefelten Fuß vom Gas – und erfinden sich neu! Lernten die schwedischen Satansjünger der hartnäckigen Sorte schon auf ihrem 2004-er Werk „Plague Angel“, dass es der Stimmung und Ausstrahlung eines Albums absolut zuträglich ist, es auch mal etwas schleppender und kriechender anzugehen, scheint man aus diesen Erfahrungen 2007 eine Tugend gemacht zu haben: „Rom 5:12“, Jubiläumsalbum Nummer zehn und unten aufgeführte Bibelstelle, führt dabei prinzipiell die Tendenz des letzten Studioalbums weiter, macht jedoch gleich mehrere Dinge deutlich besser: Da wäre zum einen die stark erhöhte Variabilität, womit einer der ewigen Schwachpunkte Marduks eindrucksvoll ausgemerzt wurde. Schnell und brutal geht es noch oft genug zur Sache, keine Sorge, jedoch lebt „Rom 5:12“ zumindest partiell von den schweren, walzenden Passagen, die die Intensität und Düsternis in die Musik des Schwedengespanns im großen Stil zurückbringen. Auch Mortuus Geschrei auf seinem zweiten Albumversuch klingt frisch, besessen und hübsch fies, eine ganz und gar überzeugende Leistung also. Der letzte auffällige Pluspunkt dem durchaus starken Vorgänger gegenüber ist die astreine Produktion der Scheibe. Knochentrocken prasseln die Drums auf die Marduk-Jünger herab, transparent und dennoch hübsch räudig sägen sich die Gitarren durch die zehn Kreise der Hölle. Und über allem schwebt erhaben und mächtig Mortuus’ eindrucksvolles Organ.
Soweit also zur Verbesserung des Gesamtbildes, welches musikalisch den seit langer Zeit endlich mal wieder richtig unverbraucht und frisch klingenden Black Metal regelrecht zelebriert. Allein die ersten drei Stücke des Albums – „The Levelling Dust“, „Cold Mouth Prayer“ und „Imago Mortis“ – decken dabei eine bandbreite ab, die weiter reicht als die letzten drei Studiowerke zusammen: Treibendes, druckvolles Midtempo und knallharte Doublebass-Salven in „The Levelling Dust“, antiquiert und nach norwegischem Black Metal-klingende Blasts zu Beginn und typisches Marduk-Gewüte im Rest des gnadenlosen „Cold Mouth Prayer“ und dezente Melodik im bedrohlich-schleppenden „Imago Mortis“ – auf ihre alten Tage zeigen es Marduk der zahlreichen Konkurrenz nochmals mehr als eindrucksvoll.
Selbstredend zeichnet auch die übrigen sieben Stücke dieses 55-minütigen Lehrstückes jene ungemein hohe qualitative Leistung aus, die gerade Marduks Frühwerke zu pechschwarzen Meisterwerken machte. So könnte man noch seitenweise über die neueste Litanei des schweidschen Vierers schwärmen und philosophieren, den Gastauftritt von Primordial-Sänger Alan Averill im genialen „Accuser/Opposer“ (wer diese Nummer hört kann nur fordern, dass sich Marduk fortwährend midtempolastigem material hingeben), das gespenstisch-tiefdunkle Orgel-Instrumental „1651“…reich an blackmetallischen Highlights gibt es hier eine lückenlose und schwachstellenlose Vollbedienung in intensivem, nicht stupide rasenden Black Metal im Weltklasse-Format.
Unglaublich aber wahr: Nach 17 Jahren Bandgeschichte und zehn Alben haben es Marduk nochmals geschafft, den Großteil ihres Backkataloges zu übertrumpfen und das beste schwedische Black Metal-Album seit einigen Jahren abzuliefern.
Römerbrief 5,12:
Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.
Tracklist:
Lineup:
1. The levelling dust
2. Could mouth prayer
3. Imago mortis
4. Through the belly of damnation
5. 1651
6. Limbs of worship
7. Accuser / Opposer
8. Vanity of vanities
9. Womb of perishableness
10. Voices from Avignon
9.5 Punkte von Björn Springorum (am 02.05.2007)
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musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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