Der Mensch ist ein wahrlich komisch Wesen. So freut er sich einerseits seit langer Zeit auf das neue Werk der östereichisch/französischen Tristesse-Ambient Formation Elend, andererseits weiß er bereits im Vorfeld, dass ihm auch die neue Scheibe endlose Agonie und aufkeimende Depressionen bescheren wird. Doch warum freut er sich dennoch auf diese Platte? Weil der Mensch die Veranlagung hat, sein Leid zu genießen und sich in seinem Elend zu suhlen? Jedenfalls finde ich keine andere Erklärung denn wie zu erwarten stellt auch "Sunwar The Dead", der zweite Teil des mit "Winds Devouring Men" in Angriff genommenen 5-teiligen Zyklus, ein Album voller schwärzester Emotionen und hoffnungsloser Epik dar. Dass das neue Werk Elends allerdings solch bedrückende, solch monumentale Oden an den Untergang bereit hält, hätte ich mich in meinen kühnsten Alpträumen nicht auszumalen getraut, weshalb mich "Sunwar The Dead" bis zu einem gewissen Grade unvorbereitet traf und mich bis ins Mark erschütterte. Zwar stellte bereits der Vorläufer zu dieser Ausgeburt erdrückender musikalischer Visionen ein enorm schwermütiges und finsteres Oevre dar, doch mit ihrem aktuellen Opus haben Elend wohl einen ewig schwarzen Monolithen geboren, welcher als ungemein faszinierendes und zerstörerisches Werk schwarzer Musik in die Geschichte eingehen wird. Vor Pein aufschreiende Streicherwände, verzerrte Soundfragmente, flächendeckende, orchestrale Keyboardteppiche, flirrende klassiche Intonierung, "Sunwar The Dead" zieht alle Register im Schaffen der alteingesessenen Formation. Immer wieder wird die einstündige Fahrt durch die Untiefen menschlicher Gefühle von kurzen Ruhepausen durchzuckt, in welchen der melancholisch-charismatische Gesang zum Einsatz kommt und den Pulsschlag beruhigt. Dennoch schwingt auch in diesen Atempausen immer die Gewissheit mit, dass es damit nicht getan ist. Schon bauen sich die massiven Paukenschläge auf, steigern sich, münden in einem ekstatischen Crescendo puren Schmerzes, um anschließend wieder in den melancholischen Urzustand zu verfallen. Nach einer knappen Stunde ist der Spuk vorbei und hinterlässt einen sichtlich mitgenommenen Hörer, welcher trotz aller erlittener Agonie glücklich über diese kostbaren Minuten wahrer musikalischer Kunst ist, die an Intensität nicht zu überbieten ist. Denn ihr wisst ja: Der Mensch: Freude = Agonie. Die CD wird am 13. September erscheinen und sollte für genügend Menschen sorgen, die wieder mit Licht schlafen oder sich die Bettdecken bis über beide Ohren ziehen.
9.5 Punkte von Björn Springorum (am 05.09.2004)
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