Die gute, alte Split-Veröffentlichung. Einige Highlights wurden uns dank dieser Gemeinschaftsalben schon präsentiert, einige Meilensteine der Black Metal-Geschichte festgehalten. Insbesondere Satyricon/Enslaved und Emperor/Enslaved setzten Glanzpunkte innerhalb dieser Veröffentlichungsart. Northern Silence Productions, das immer umtriebiger werdende Black Metal-Label aus Ostdeutschland, fügt dieser langen Serie ein weiteres Produkt hinzu und widmet den drei finnischen Bands Wyrd, Häive und Kehrä ein höchst interessantes und facettenreiches Split-Album.
Den Anfang machen die melancholischen Black Metaller Wyrd, die mit „Vieraalla Maala“ und „Uupunut“ zwei neue, exklusive Stücke präsentieren. Stilistisch möglichst weit voneinander entfernt, entpuppt sich die erste Nummer als schleppende, tendenziell monotone Angelegenheit voller Einsamkeit, die für knapp zehn Minuten feinsinnig-melancholische Melodien, nordische Gefühle und wehklagenden Gesang heraufbeschwört, während der zweite Song sogleich voll zur Sache geht: Heiseres Gekreische, flirrende Gitarren und rasende Drums eröffnen die Nummer, jedoch nehmen sich Wyrd auch hier Zeit für unverzerrte Gitarren, heroische Midtempo-Passagen und viel Melodie, ergänzt um einen hübsch nostalgischen 70er-Zwischenpart. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit zwei sehr überzeugende Darbietungen, die durchaus epischer und nordischer klingen, als man es bisher von den Finnen gewohnt war.
Häive schließlich dürften sich auf diesem Tonträger erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Bevor man auf Northern Silence im Verlauf dieses Jahres sein Debut veröffentlichen wird, stellt man hier sein drittes Demo vor, damit sich die Hörerschaft sogleich ein Bild davon machen kann, warum den Finnen ein Vertrag angeboten wurde. Spröde Gitarrenklänge eröffnen den Reigen, erhalten alsbald Verstärkung von einem ungemein schleppenden, beinahe doomigen Schlagzeug und sehr prägnanten, im Vordergrund stehenden akustischen Beiwerk, was sogleich eine ungemein dichte, heimelige und naturnahe Atmosphäre kreiert. Man kann beinahe das Moos riechen, den Wind rauschen hören, wenn Häive ihren Leads bewegende, traurige Melodien entlocken. Mit meditativer Ruhe und knurrigem Gesang evozieren Häive wahrlich mächtige Bilder, die trotz metallischer Schlagseite nichts von ihrer inneren Ruhe verlieren. Drei Nummern gibt es von Häive zu hören, drei zutiefst bewegende Exempel finnischer Naturvertonung, das finnische Nationalinstrument Kantele neben Maultrommel und Glasflaschen (!) natürlich inklusive. Nicht nur deswegen erinnern Häive beizeiten an die genialen Nest, ähnlich nebelverschleiert-melancholisch geht man auch hier zu Werke. Umrahmt von zwei metallisch-folkigen Stücken, beide ähnlich genial, findet sich mit „Raina“ auch ein rein akustisches Stück, welches wahrlich das beste Stück vorliegender Veröffentlichung darstellt. Bleibt nur zu sagen, dass das Debut dieser Band möglichst bald erscheint!
Zum Abschluss stellt sich das Projekt Kehrä vor, ein Newcomer aus dem Land der tausend Seen, der sich dem Pagan/Black Metal verschrieben hat. „The Sea“ und „The Forest“ wurden die beiden Beiträge sehr spartanisch betitelt, was in gewisser Hinsicht jedoch gut zu der rohen, ursprünglichen und rudimentären Stimmung der Stücke passt. Vielleicht auf den ersten Hördurchgang etwas zu monoton, können jedoch auch Kehrä eine hörenswerte Interpretation rauer heidnischer Klänge abliefern, sehr dezent ummantelt von leisen Keyboards und rezitiert von hohem, fiesem Gekreische. Auch hier schleichen sich akustische Zwischenpassagen ein, auch hier nimmt man sich viel Zeit, die Stücke wirken zu lassen. So entfalten auch Kehrä eine eigentümliche, waldige, ruhige Atmosphäre, womit diese Split-CD zu einem würdigen Abschluss gebracht wird.
Fazit: Eine beeindruckende Leistung dreier Truppen aus Suomi. Melancholischer, naturverbundener, folkbasierter Pagan/Black Metal voller nordischre Schönheit und innerer Ruhe. Ich bin beeindruckt!
Wyrd: 8/10
Häive: 9/10
Kehrä: 7,5/10
musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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