Endlich! Nach ihrem 2005er Underground-Knüller „Dopoguerra“ beehren uns die vier Jungs von KLIMT 1918 mit einem neuen Album! Das Scheibchen hört auf den Namen „Just in case we’ll never meet again“ und fügt im charmanten Untertitel „Soundtrack for the Cassette Generation“ die potentielle Zielgruppe des Albums gleich hinten an. Folgerichtig wird die Luxus Edition des Albums natürlich auch mit einer zusätzlichen MC-Version des Albums veröffentlicht – wenn das mal nicht kultig ist.
Nun, so will ich als Angehöriger dieser Kassetten-Generation die neuen Songs der Italiener für euch mal unter die Lupe nehmen: Zu der musikalischen Richtung von KLIMT 1918 lässt sich generell vorerst festhalten, dass sich auf „Just in case…“ im Vergleich zum Vorgänger weder Stilbrüche noch wilde Experimente finden lassen. Wer jetzt aber gleich an Langeweile oder Stagnation denkt, den straft der sympathische Vierer lügen. Man verfolgt noch immer den eigenen Stilmix aus treibendem Melancho/Alternative-Rock und verträumten Post-Rock, der sich aber nicht in triefendem Kitsch oder artifiziellem Kunstgehabe verliert, sondern ungekünstelte Emotion und Authentizität ausstrahlt. Dazu kommt eine (undenkbar) weitere Steigerung im Bereich des Songwritings, zeitweise eingestreute kleine Details wie z.B. elektronische Spielereien, der gewohnt hochwertige Klargesang von Marco Soellner und natürlich die hallenden Gitarrenteppiche, die eine unglaublich Weite in die Musik projizieren und diesen irgendwie ganz speziellen Sound ergeben, der anscheinend besonders von italienischen Bands gepachtet worden ist (vgl. auch ROOM WITH A VIEW oder ARCTIC PLATEAU). Zugegeben: Ab und zu kratzen KLIMT 1918 mit ihrer Musik sogar etwas an eingängigem Pop-Rock der Marke GOO GOO DOLLS, das wertet ihre Arbeit aber keineswegs ab. Stattdessen schaffen es die Italiener, diese Eingängigkeit in ihre Musik zu integrieren, ohne dabei in belanglose Gefilde abzudriften und erschaffen auf diese Weise einfach wundervolle Riffs, Melodien, Songs, Alben. Selten hört man Gitarrenmelodien, wie beispielsweise in „Just an Interlude in Your Life“ die derart intensiv emotionale Höhe vermitteln oder Finale wie in „The Breathtaking Days“, die dem Hörer einfach das Herz öffnen.
Wenn ich „Just in case we’ll never meet again“ mit Eindrücken beschreiben sollte, dann wären das Bewegung, Weite und Tiefe, denn all diese Attribute können die elf Songs des Albums zu genüge vorweisen. Schnuppert die Luft nach einem kurzen Sommerregen, genießt den Sonnenaufgang über den Dächern der Stadt oder werft euch in die kühle Brandung an einem verlassenen Strand – KLIMT 1918 bieten euch für jede dieser Situationen den perfekten Soundtrack!
Anspieltipps: Eigentlich alles, aber besonders „The Breathtaking Days (Via Lactea)“, „Skygazer“, „Just an Interlude in Your Life“ und „True Love is the Oldest Fear“
Tracklist:
Lineup:
1. The Breathtaking Days (Via Lactea)
2. Skygazer
3. Ghost of a Tape Listener
4. The Graduate
5. Just an Interlude in your Life
6. Just in case we'll never meet again
7. Suspense Music
8. Disco Awayness
9. Atget
10. All Summer Long
11. True Love is the Oldest Fear
musikalischer Background des Verfassers Prog Rock/Metal, Post Rock/Metal/Hardcore, Djent, Swedish/Melodic Death, Folklore/Neofolk, Black Metal, Neo-Thrash, Pagan Metal, Düster-Rock u.v.m.
X Aktuelle Top6
1. Soilwork "The Living Infinite"
2. Killswitch Engage "Disarm The Descent"
3. Wardruna "Yggdrasil"
4. Hexvessel "Iron Marsh"
5. Amenra "Mass V"
6. Steak Number Eight "The Hutch"
X Alltime-Klassix Top6
1. In Flames "Reroute To Remain"
2. Anathema "The Silent Enigma"
3. Porcupine Tree "Fear Of A Blank Planet"
4. Trivium "Shogun"
5. Tori Amos "Little Earthquakes"
6. Katatonia "Last Fair Deal Gone Down"
[ Seit dem 18.06.08 wurde der Artikel 3671 mal gelesen ]