Eine Vision hatte ich auch, als ich Anfang Dezember letzten Jahres für 4 ½ Wochen nach Chile aufbrach – und diese Vision hat sich mehr als erfüllt: Ich habe ein großartiges Land (teilweise) kennengelernt und viele seiner durchwegs netten und überaus gastfreundlichen Bewohner.
Zwei davon waren Kaeffel alias Walter und Askväder alias Giannina von HETROERTZEN, welche EIN Grund für meinen Chile-Trip waren und die, zum Duo geschrumpft, händeringend Musiker zur Verstärkung suchen, da Live-Konzerte im derzeitigen Staus eher schwierig sind.
Da ich im Verlauf meiner Reise die Landschaft von Puerto Montt bis Puerto Natales mit ihren schneebedeckten Vulkanen, kalten Regenwäldern, endlosen Fjorden, riesigen Gletschern und zerklüfteten Gebirgen gesehen und bestaunt habe und mich intensiv mit den beiden Bandmitgliedern unterhalten habe, kann ich verstehen, wenn Kaeffel stolz sagt, daß die gigantische und grandiose Landschaft seiner Heimat ihn – er schreibt die Songs – in weiten Teilen seines Schaffens inspiriert hat.
Und da Küste und Gebirge Patagoniens sich – wenn überhaupt – nur mit Norwegen vergleichen lassen, schließt sich hier der Kreis zum kalt-finsteren, wild-zornigen Black Metal norwegischer Prägung aufs Perfekteste wieder ...
„A Crimson Terrible Vision“ setzt da an, wo „Flying Across The Misty Gardens“ aufhörte: Hier wird auf über 50 Minuten gebolzt, gerumpelt, gepoltert, geschrammt und gekeift, daß es eine Art hat. HETROERTZEN sind norwegischer und dem Old School Black Metal mehr verhaftet als so manche Nordmann-Truppe, haben auf diesem ihrem zweiten Opus aber nunmehr ihren ureigenen Stil gefunden und verfeinert.
Als erstes Stück kommt ‚Engel der Pest’ – recht finster – mit deutschen Vocals daher (Kaeffel und Askväder haben beide deutsche Vorfahren bzw. sprechen ganz passabel deutsch und wohnen in Puerto Varas / Puerto Montt, was als Hochburg der Deutschstämmigen in Chile gilt) und gibt die Marschrichtung des Albums schon mal grob vor.
Gefangene werden auf diesem finsteren, direkt aus der Hölle ausgespieenen Haßklumpen keine gemacht und Verschnaufpausen gibt es auch so gut wie keine. Dies ist auch gleichzeitig mein einziger Kritikpunkt an diesem großartigen Album, denn mir als Anhänger epischer getragener BATHORY-Passagen hätten ein paar mehr davon hier und da eingestreut gefallen und es hätte unterm Strich auch der Abwechslung ganz gut getan.
So bleibt nur rohe, eiskalte, finstere, urbrachiale Old School Black-Metal-Kunst vom Feinsten, auf daß die blauschimmernden Gletscher auch hier in Europa ein Einsehen haben und wieder anwachsen mögen.
‚Secrets From Willow’, ein 6 ½-minütiges Epos, setzt schon erste deutliche Höhepunkte: Kaeffel rotzt sich die schwarze Seele aus dem Leib und alles wummert, poltert und rumpelt, daß es eine Art hat.
Die Hatz geht gnadenlos weiter: ‚Awake In The Middle Of A Nightmare’ hat genau diese fiesen im Hintergrund sägenden Melodie-Lines, die ich an dieser Art Black Metal so liebe !
Aber nun kommt es: ‚Filis Daemonium’ / ‚Insidiis Diaboli’ (die beiden Tracks gehen ineinander über und bilden so und auch stilistisch betrachtet eine gewisse Einheit) sind nicht von dieser Welt – weder von der ersten, noch von der zweiten, noch von der dritten, von welcher Chile ein Teil ist: Dieses Stück bringt alle Traditionen guten alten rauhen Black Metals norwegischer Attitüde derart messerscharf auf den Punkt, daß man einfach nur noch verzückt dastehen und mit glasigen Augen mitbangen kann – die beiden Tracks sind Hymne und Lehrstück zugleich !!!
‚Darkening’ hat ein schönes Riff und eine eingängige „Melodie“, kann aber mit den vorangehenden Götter(dämmerungs)-Tracks nicht ganz mithalten.
‚In Regnum Maledictus Tuum’ braucht ein wenig Anlauf, setzt sich dann aber, mehrmals durch kurze Haß-Keifattacken Kaeffels in getrageneren Passagen unterbrochen, mit voller Gewalt und einer gut hörbaren Baßlinie ebenfalls in den Gehörgängen des Konsumenten fest.
Das Titelstück ist dann „nur“ noch der logische Abschluß eines gnadenlos guten Black Metal-Albums, welches europäischen Veröffentlichungen in nichts nachsteht, ganz im Gegenteil.
Der Sound auf „A Crimson Terrible Vision“ ist überraschend gut und transparent, hat aber dennoch den Charme knarzender Ur-Black-Metal-Veröffentlichungen.
Im März 2005 erscheint der dritte Longplayer und ich werde das Teil als erster erhalten – dies haben mir Kaeffel und auch Claudio von Rawforce Productions in Valdivia, wo ich lange Zeit verbracht habe, in die Hand versprochen.
„A Crimson Terrible Vision“ wird in Deutschland von Merciless Records (www.merciless-records.de) vertrieben, kann aber auch direkt bei Claudio bestellt werden.
Besser kann man traditionellen Black Metal nicht zelebrieren, aber ich ziehe mir einen Befangenheitspunkt ab und so bleiben unterm Strich 9 fette Punkte für eine brilliante Scheibe, die jeder ernsthafte Schwarzheimer in seiner Sammlung stehen haben sollte !
VÖ: Bereits erschienen
Tracklist:
1. Engel der Pest (5:32)
2. Secrets From Willow (6:33)
3. Little Witch (4:21)
4. Awake In The Middle Of A Nightmare (6:12)
5. Filis Daemonium (6:49)
6. Insidiis Diaboli (4:52)
7. Darkening (5:55)
8. In Regnum Maledictus Tuum (5:36)
9. A Crimson Terrible Vision (5:23)
Line Up:
Kaeffel – Battledrums, Bass & Cruelvokills
Askväder – Lead & Rhythm Guitars
9.0 Punkte von WARMASTER (am 17.01.2005)
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musikalischer Background des Verfassers Death und Black Metal, 70er-Jahre Rock, Beat
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