Um Rock-Röhre und Metal-Lady LITA FORD war es jetzt längere Zeit etwas ruhiger geworden. Mit „Living like a Runaway“ präsentiert die US-Amerikanerin ihr neues Soloalbum mit insgesamt 10 Stücken – es soll auch noch eine Bonus-CD mit 12 Stücken geben.
Der erste Eindruck ist prima: Gut gemacht, und dass Lita Ford bereits in den 70er Jahren mit „The Runaways“ Musik gemacht haben soll, ist angesichts der Fotos auf dem Cover schlicht unvorstellbar, zieht aber den Bogen von damals zum jetzt vorliegenden Album. Abzüge gibt’s jetzt schon für die absolut peinlichen Innencover-Bilder – oder sollte das lustig sein? Trotzdem: Hut ab, wenn man in diesem Alter SO aussieht! Das aber ist natürlich rein äußerlich, kommen wir zur Musik.
Ungeachtet der etwas schwülstigen Selbstauskunft zur Motivation des Albums, kommt mit „Branded“ ein guter, rockiger, flotter Opener entgegen, was mit „Hate“, ebenso einer klassischen Rocknummer mit eingängiger Hookline genauso gefällt. „The Mask“ hingegen ist ein Slo-Mo-Stampfer, der zunächst auch gut und relativ fett daherkommt, dann aber etwas abflacht. Ein gutes, zwar nicht sehr originelles Riff, aber insgesamt nicht schlecht.
Der Titelsong LIVING LIKE A RUNAWAY soll dann wohl die gesamte emotionale Tiefe abbilden, die Mrs. Ford angekündigt hat – und der Song ist wirklich nicht schlecht, auch wenn das Songwriting eher den Charme der 80er und 90er hat, aber durch nicht ungeschickte Soloarbeit gelingt der Sprung in dieses Jahrtausend und so ist auch diese Ballade gut gelungen. Und Singen kann Lita Ford nun mal auch, der Song hat absolute Radioqualität, auch wenn man nicht nur hier das Gefühl hat, zumindest einen sehr ähnlichen Song mindestens schon einmal gehört zu haben ….
Danach wird’s wieder rockiger und mit „Mother“ auch noch mal so richtig Schmalzrockig , für die Kuschel-Rock-Fans ist also auch was dabei und so geht das Album relativ kurzweilig rum, ohne auf die verbleibenden 4 Songs der Marke Stampf-Schnulz-Rock-ClassicRock genauer eingehen zu wollen.
Fazit: Deutlich besser als ich dachte! Zwar mangelt es definitiv an Originalität, und mit nicht mal 42 Minuten ist die Standard-CD auch ziemlich dürftig ausgefallen, aber in dem Genre ist diese auch nicht so einfach herzustellen. Aber Mrs. Ford hat nach wie vor gute Songwriting-Qualitäten, und „LIVING LIKE A RUNAWAY“ in dröhnender Lautstärke auf einem US-Highway mitten durch die Wüsten Arizonas – das passt und das ist auch ein stückweit geil. Gut, dass es solche Scheiben noch gibt. Hardrock-Fans werden sich nicht beklagen können und Metal-Fans der softeren Sorte ebenso wenig. 6 Punkte.
Tracklist:
Lineup:
1. Branded
2. Hate
3. The Mask
4. Living Like A Runaway
5. Relentless
6. Mother
7. Devil In My Head
8. Asylum
9. Love 2 Hate U
10. A Song To Slit Your Wrists By
6.0 Punkte von AndreasH (am 31.05.2012)
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