AHAB haben das Meer als unerschöpfliches Thema längst für sich besetzt, handelten doch die vorigen Alben von Moby Dick und der Geschichte der Mannschaft des Walfängers „Essex“. Wer könnte da eine bessere Vorlage für das dritte Album bieten als Edgar Allan Poe mit seinen unvergleichlich düster-phantastischen Erzählungen? Wer das Seeabenteuer „Der Bericht des Arthur Gordon Pym“ einmal gelesen hat, kann sich vorstellen, weshalb AHAB genau diese, seine längste, rätselhafte und vielschichtige Erzählung ausgewählt hat. And here we are: „The Giant“ setzt diese Vorlage grandios um.
Die Grundlage ist schlicht feinster Doom der fast meditativen Sorte. Der Gesang ist phantastisch, oft klar, zerbrechlich und fast sakral. Dann wieder unterirdisch gegrowlt, was aber sehr gezielt dosiert wird, so daß es die kunstvoll aufgebauten Stimmungen nicht überdeckt. Als Gastsänger ist hier übrigens Herbrand Larsen von ENSLAVED zu hören. Die epischen Songs sind durchzogen von wunderbaren melodischen Passagen, hier und da regelrecht progressiven Momenten, unheimlich und ergreifend. Auch längere, monotone Passagen werden wegen ihrer Eindringlichkeit keine Sekunde langweilig.
Das ganz Finstere hält sich dabei in Grenzen, „Funeral Doom“ kann man zu „The Giant“ nicht wirklich sagen. Es geht halt wie bei Edgar Allan Poe nicht nur ums pure Grauen, sondern um die verschiedensten Stimmungen und Empfindungen der menschlichen Seele- klar, die verstörenden stehen dabei natürlich im Vordergrund. Das spiegelt die -analog aufgenommene!- Musik perfekt wieder. Kaum wiegt man sich in einer schönen Melodie, so wird sie schon wieder fortgetrieben von ganz dunklen Wellen. Nichts zum nebenbei hören, sondern zum voll und ganz genießen.
Fazit: Ein Stück Musik eigener Klasse, das den Hörer auf eine unheimliche Reise mitnimmt. Für aufgeschlossene Doomfreunde ein Pflichtkauf!
Anspieltips? Schwer, vielleicht das besonders vielfältige „Antarctica The Poymorphess“ - alle Songs sind toll.
Ob ich in diesem Jahr noch irgendein Wasser betreten werde, weiß ich nach „The Giant“ oder auch IN MOURNING´s „The Weight of Oceans“ allerdings noch nicht...
Tracklist:
Lineup:
1. Further South
2. Aeons Elapse
3. Deliverance
4. Antarctica The Polymorphess
5. Fathoms Deep Blue
6. The Giant
musikalischer Background des Verfassers Gothic-, Death-, Doommetal, Rock´n´Roll, 70s...und was mich sonst bewegt von J.S. Bach bis Blackmetal.
X Aktuelle Top6
1. Hypocrisy "End of Disclosure"
2. Rotting Christ "Kata Ton Daimona Eaytoy"
3. Amorphis "Circle"
4. Riverside "Shrine of new generation Slaves"
5. Testament "Dark Roots of Earth"
6. Nick Cave "Push the sky away"
X Alltime-Klassix Top6
1. Slayer "Seasons in the abyss"
2. Paradise Lost "Gothic & Icon"
3. Motörhead "Entscheidung unmöglich;-)"
4. Entombed "Wolverine Blues"
5. Metallica "alles bis zum Black Album"
6. My Dying Bride "The Angel and the dark river"
[ Seit dem 13.06.12 wurde der Artikel 867 mal gelesen ]