Ich persönlich bin ja nicht wirklich ein Freund von Corvus Corax. Das wirre Gedudel ihrer Säcke geht mir auf die Dauer nämlich doch meist auf denselben. Nun bleibt dem Musikjournalisten allerdings gar nichts anderes übrig, als sich knietief vor dieser Band zu verneigen. Dem Spielmannshaufen ist es gelungen, die mittelalterliche Liedersammlung Carmina Burana äußerst ansprechend zu vertonen. Natürlich nicht die gesamte. Die Carmina Burana wurde um 1230 aus dem Kloster Benediktbeuern überliefert und enthält über 240 vorwiegend moralische Lieder, Minne- und Trinklieder sowie geistliche Dramen, die im wesentlichen in Latein verfasst sind. Zwischendrin gibt es auch mittelhochdeutsche und gemischtsprachige Texte. Verfasst wurde das ganze wahrscheinlich vor ca. 800 Jahren für den Bischoff von Seckau in der Steiermark. Bisher bekannteste Umsetzung ist die von Carl Orff, der in den Jahren 1935 und 1936 vierundzwanzig dieser Texte vertonte und diese am 8. Juni 1937 in der Oper zu Frankfurt am Main uraufführen ließ. Am populärsten hieraus ist wohl der rahmengebende Chor zu Ehren der Schicksalsgöttin ("Fortuna Imperatrix Mundi"), den schon diverse Metalbands für Intros oder Zwischenspiele verhackstückt haben. Orff betitelte sein Gesamtwerk mit „Trionfi“.
Corvus Corax wandeln vorhabenstechnisch nun auf den Pfaden dieses Komponisten, gehen musikalisch aber natürlich gänzlich eigene Wege, "Cantus Buranus" haben sie ihr sehr ambitioniertes Werk getauft und daraus gleich ein weitreichendes Projekt gemacht. Seit ihrer Gründung 1989 hat sich die Band immer mal wieder mit der Carmina Burana (lat. "Beurische Lieder" oder "Lieder aus Benediktbeuern") befasst. Dabei wählte die Gruppe nicht die übliche akademische Herangehensweise an mittelalterliche Musik, sondern schmetterte die Weisen mit ihren Dudelsäcken, Schalmeien und Pauken unter das Volk und stellte sich so auf den mittelalterlichen Marktplätzen und Ritterturnieren dem Publikum. So wird das Wechselspiel von Chören, besagten Dudelsäcken, auf denen die Akteure wahre Meister sind, und dem Orchester zu einem einzigartigen Klangerlebnis. Der Rock’n’Roll Faktor ist natürlich gleich null. Das ganze ist eher was für die Abendstunden, den Kerzenschein und den Kopfhörer. Ich empfehle, dabei nicht zu laut aufzudrehen, denn die Musik ist wirklich monumental. Corvus Corax ist es gelungen, sich selbst in der Geschichte der mittelalterlichen Musik ein Denkmal zu setzen. Das macht auch die Benotung einfach. Hier ist ein Klassiker entstanden, der in Zukunft bei jeder Diskussion um ähnliche Thematiken zu Rate gezogen wird. Vor der Höchstnote drücke ich mich dann doch. Die bleibt in meinem Schrank nun mal dem Metal vorbehalten. Ändert aber nix daran, dass auch ein True Metal Warrior mal ein wenig Kunst vertragen kann.
Anspieltipp: das flotte „Dulcissima“, bei dem sogar etwas Partyfeeling aufkommt. Methörner füllen und ums Feuer tanzen, Leute! Sehr gut gefällt mir auch das dramatische „Nummus“ und das dynamische „O langueo“.
Ich hoffe, ihr wart bei der Megashow in Wacken dabei. Wenn nicht, selber schuld.
Tracklist:
1. Fortuna
2. Florent Omnes
3. Dulcissima
4. Lingua Mendax
5. Rustica Puella
6. Nummus
7. Curritur
8. Sol Solo
9. Venus
10. O Langueo
11. Ergo Bibamus
9.5 Punkte von Christian (am 12.08.2005)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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