Die aus dem Heavy Metal resultierende rotzige Spielart des modernen Gothic Rocks wurde seinerzeit von einer höchst infernalischen finnischen Majestät etabliert. Dem Erfolg von Ville Vallo und Band folgten konsequenterweise einige Klons aus dem eigenen Lande nach. Außerdem begaben sich nach und nach diverse Black und Death Metaller auf sanftere aber dennoch düstere Pfade. So entstand ein recht ordentliches Sammelsurium von nordischen Bands, die sich mit melancholisch melodischer und dennoch arschtretender Musik befassten. Die Veröffentlichungen dieser Szene hatten in den zurückliegenden Monaten jedoch nicht mehr die vertraute Qualtität. Gleichzeitig erschienen enorm gutklassige Alben von Bands wie Within Temptation, Flowing Tears, Daylight Torn, Lacuna Coil und Dakrua. So schickte sich Zentral- und Südeuropa an, den Nordmannen und –frauen ein wenig den Rang abzulaufen.
Doch dann schlug Finnland im letzten Jahr gehörig zurück. Ein kleiner nordischer Stamm namens Sentenced schuf mit „The cold white light“ eine gar mächtige Waffe. Und scheinbar waren Finnlands Schmieden nach dem erfolgreichen Raubzug von Sentenced durch die Hallen Europas immer noch heiß genug, um den nächsten Kriegshammer rauszuhauen. Sentenced Fronter Laihiala himself zeichnet sich in erster Linie für Poisonblack verantwortlich. Allerdings schwingt er nicht das Mikro, sondern kommt seiner zweiten Passion nach, die im Spiel auf der Gitarre liegt. Als Weggefährten hat er seinen alten Kumpel Janne Kukkonkonen am Bass dabei. Für den Gesang hat sich Ville mit J.P. Leppäluoto die Stimme der (natürlich) finnischen Gother Charon ausgeguckt, die Sentenced auf der Crimson Tour begleiteten. Weitere Gastmusiker betätigen sich an Gitarre, Drums und Keys. Checkt die Homepage für Details. Ich habe echt keinen Bock, noch einen weiteren fingerbrecherischen finnischen Namen in die Tasten zu hacken.
Beileibe also keine Jungspunde, die bei Poisonblack am Werk sind. Die gesammelte Erfahrung der Streiter ist sicherlich die Basis für dieses Hammeralbum, das mit jeder Note absolute Klasse besitzt. Von der emotionalen Stimmung her ist Escapexstacy deutlich ruhiger ausgefallen als die Sentenced oder Charon Werke. Die Art der Instrumentierung und Komposition bringt trotzdem enorm viel Druck in die Scheibe. Das wird gestützt durch eine der besten Produktionen, die ich in letzter Zeit gehört habe. Dabei schöpfen die Musiker aus einem scheinbar bodenlosen Fundus eingängiger und wunderschöner Trauermelodien. Wie heißt es so schön? Der Gothic Rock wird auch mit dieser Scheibe nicht neu erfunden. Aber er wird hier in selten dagewesener Perfektion dargeboten. Besonders überrascht war ich von J.P.’s Gesang. Die Kompositionen auf diesem Silberling scheinen einfach für seine Stimme gemacht. Habe ich ihn bei Charon noch wohlwollend belächelt, bin ich diesmal echt beeindruckt. Nicht schlecht.
Fans, die auf die in diesem Artikel erwähnten Bands stehen, müssen bei Escapexstacy einfach zugreifen. Poisonblack wird vom Century Media Info als Projekt ausgerufen. Ville möchte sich hierbei seinen eigenen Dämonen stellen. Die haben dabei nicht viel zu lachen. Ich hoffe, er hat davon genug, dass es noch für eine zweite Scheibe reicht.
Street Date für Escapexstacy ist der 17.02.2003. Fragt sich nun noch, womit Zentraleuropa zurückschlagen wird. Vielleicht mit einer neuen The Gathering Scheibe? Zeit wird’s.
9.0 Punkte von Christian (am 10.02.2003)
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
X Aktuelle Top6
1. Darkest Era "The Last Caress Of Light"
2. Doomsword "The Eternal Battle"
3. Volbeat "Beyond Hell / Above Heaven"
4. While Heaven Wept "Fear Of Infinity"
5. Alestorm "Back Through Time"
6. Mael Mordha "Manannán"
X Alltime-Klassix Top6
1. Manowar "Into glory ride"
2. Doomsword "Let battle commence"
3. Slayer "Reign in blood"
4. Iron Maiden "7th Son Of A 7th Son"
5. Black Sabbath "Mob Rules"
6. Volbeat "Guitar Gangsters & Cadillac Blood"
[ Seit dem 22.11.03 wurde der Artikel 6595 mal gelesen ]