So, das deutsche Urgestein ist also noch am Rocken...Ein neues Minialbum liegt vor und der Songwritingreigen für die nächste Langrille ist bereits eröffnet. Zugleich hat ein neues Kapitel in der Bandgeschichte begonnen. Der Titel deutet es bereits an: "Conversion" heißt das vorliegende (ich greife voraus) Meisterstück. Die Band ist auf ein Quartett geschrumpft, denn Sänger Baumi hat sich aus dem Rockeralltag zurückgezogen und Riffmonster Siffi den Platz hinterm Mikro überlassen. Das spiegelt sich auch in der Musik wider: Irgendwie fühlt sich alles knackiger an. Die Strukturen im Gesang sind viel klarer, als gewohnt. Siffis Vocals treiben mächtig. Sie posen nicht in der Gegend rum und kommen auf den Punkt, sind somit also songdienlich. Gut so! Noch etwas ganz entscheidendes hat sich verändert...Erinnert sich hier noch jemand an den, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftigen Sound der "Mirrorsoil"? Nun, ich konnte mich nie an diesen gewöhnen. Diese Zeiten, meine Damen und Herren, sind vorbei, jetzt wird auch soundtechnisch geklotzt! Protagonist in Sachen Sound ist Carsten Fisch, der sich hervorragend in die Songs eingefühlt und sie im Kern (und einiges darüber hinaus) erfaßt hat, kurzum: Die Scheibe klingt fett!
Die Songs. Eingängig geht es mit "Distant" los, hier wird einem erst klar, was ein guter Sound bewirkt: Transparenz, die ein gutklassiges Riff in der Schnittmenge zwischen Metal und Doom erstrahlen läßt. Wird aber sehr schnell nur noch Doom: Hirnzermalmendes langsames Zähneknirschen einer Bestie, begleitet von traurigem, düsterem Gesang. Fühlt sich an, als mutierten M.O.D. zu echten Grabrockern! No hippiestuff, ich möchte meine Ruhe haben, wenn ich dazu kiffe! Schön zu wissen, daß es epischen Doom weitab von Candlemasspfaden und doch in klassischer Rock'n'Roll Besetzung gibt. Ein treibender, elegischer Song, der sich trotzdem nicht nach Gothic anfühlt, brillante Gratwanderung...
"Entgleiten" beginnt dann doch etwas later-Trouble-mäßig hippiesk - bis Sekunde 19! Dann ist Schluß mit lustig, der Hippie stolpert von der Klippe, der Song trauermarschiert am Grat entlang. Das tut er übrigens ohne Fehltritte, obwohl ich wegen des deutschen Textes im Booklet schon schmunzeln mußte. Siffi belehrt mich hier eines Besseren: Eine Geschichte kann nur so gut sein, wie ihr Erzähler. Und guter Gesang sollte erzählen können, wer den Beweis für diese Thesen haben will, höre sich bitte diesen Song an: Die wohl einzige deutschsprachige Doomhymne, die live von zu spät geborenen Menschen mit Xenonscheinwerfern und Anteilnahme im Gesicht intuitiv mitgesungen wird. 'Ne Menge Grünzeug auf's Punktekonto für diese wohlige Gänsehaut...
"Conversion" zieht dann vollends runter: Düsterer geht fast nicht, ein genialer Text genial vertont. Der Wechsel zwischen abgründig dunkler Strophe und strahlendem Refrain hat sich, sollte man meinen, etwas totgelaufen. - Ich meine, es mußte nur jemand her, der zeigt, wie es wirklich geht! Und wie es klingt, wenn jemand "Abgrund" und "Licht" erfühlen und ehrlich beschreiben kann. Ein wenig erinnert mich dieser Song an die Zeit, als Qhorthon Bathory noch gelebt, und begonnen hatte, erzählerische, schleppende Epic-Hymnen zu ersinnen... Es haben sich schon immer Doombands mit Doomhymnen gequält - hier habe ich den Eindruck, Mirror Of Deception müßten sich quälen, etwas anderes als Hymnen zu schreiben. So fuckin' slow, so fuckin' deep - A Spiral of DOOM!!!!!!!!!!!!!! Oder: "An apple of discord tossed into the void..."
"Vanished"? Ja, der Hippie in mir, z.Bsp., ist mittlerweile verschwunden. Ich möchte langsam wissen, was den Jungs eigentlich über die Leber gelaufen ist. Dieser Song ist trauriger als die menlancholischste russische Folklore. Seltsam, daß er trotzdem rockt... Diese Liedgitarre...So simpel, so schön! Es gibt hier einen Kern, der gottseidank keine Hülle verpaßt bekam. Wenn es Bands gibt, die wissen, was es bedeutet, nichts Überflüssiges zu spielen, dann gehören M.O.D. dazu. Diese Melodien bezaubern - eben weil sie so rein sind.
Insgesamt spürt man, daß die Jungs es ernst meinen mit CONVERSION. Die Scheibe klingt ehrlich, erdig und walzt würdevoll aus den Speakern. Wer epischen Doom sucht und keinen keyboardweichgespülten Herzschmerz haben mag, sollte reinhören oder zugreifen. Stonerheadz sollten zumindest einen Testparcours überstehen, damit sie nicht Freitag hängen bleiben und Montag Mist bauen ;-) Zum Autofahren eignet sich das Teil nur bedingt - Es könnten Unschuldige involviert werden, wenn Ihr Euch den alles entscheidenden Ruck gebt...
Zu haben ist das Teil via
www.mirrorofdeception.com oder:
www.miskatonic-metal.com
10.0 Punkte von SacredMetalMichael (am 15.03.2003)
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musikalischer Background des Verfassers Doom, Death, Thrash, Space Rock, Psychedelia, Jazzrock
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