Meine 100. Rezension! Daher widme ich heute auch mal wieder einem wahren Meilenstein schwarzmetallischer Kunst, wie ich es auch schon zu Beginn meiner Schreibaktivität bei Metalglory getan habe - seinerzeit war Falkenbachs Debüt mein Einstand.Nun kümmere ich mich also um ein weiteres Werk des heute 31-jährigen Kristian Vikernes, dem Großteil unter euch sicher besser bekannt unter Varg Vikernes oder auch Count Grishnackh. Wurden die beiden Epen "Hvis Lyset Tar Oss" und "Filosofem" bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle beleuchtet, setze ich mich heute mit "Det Som Engang Var" auseinander, welches seinerzeit das zweite vollständige Album des Counts darstellte und einige Zeit nach der "Aske"-EP veröffentlicht wurde, bezeichnenderweise NACH dem Mord an Euronymous, über welchen ich hier allerdings nichts verlauten lassen werde. So erblickten alle "Post-Aske"-Werke erst nach Inhaftierung Vargs das Licht der Welt, was dem Mythos "Burzum" enorm zugute kam. Setzt man sich mit der musikalischen Seite des Werkes "Det Som Engang Var" (zu Deutsch "Was einst war" - ein Titel, welcher auch auf den damaligen Verfall der norwegischen Szene anwendbar ist)) auseinander, wird man schnell bemerken, dass Varg sein Projekt Burzum von dem ruppigen Debüt "Burzum" über die ähnlich räudige "Aske"-Zwischenmahlzeit auf eine weitaus sphärischere und transzendentere Ebene gehoben hat, weshalb "Det Som Engang Var" auch den Übergang von relativ ursprünglichem Black Metal hin zu meditativ-ausufernden Rhythmen und dem Heraufbeschwören verzweifelter Atmosphären bedeutete. Einen Brückenschlag zwischen diesen beiden Stilen gelingt Vikernes bereits mit dem Intro "Den Onde Kysten" (eine entrückt-geheimnisvolle Aneinanderreihung warmer und sphärischer Klangtupfer) in Verbindung mit dem unerwartet schnellen und rohen Einstieg in den ersten richtigen Song "Key To The Gate". Doch dieser rasende Beginn kippt alsbald in die für die "Det Som Engang Var"-Ära typischen monoton-schleppenden Takte, welche, von melancholischen und zweistimmigen Gitarren unterlegt, Monotonie für alle Ewigkeit definierten. So und nicht anders erzeugt man musikalisch ein Gefühl von Einsamkeit und Verzweiflung, so und nicht anders kleidet man weltfremde Melancholie und Schmerz in dunkle Töne. Über allem thront, wie auch auf vorherigen und zukünftigen Werken, der Gesang Vargs, über welchen ich hier nicht viele Worte verlieren will, da er für mich schlicht das Nonplusultra der Black Metal-Szene darstellt und in alle Ewigkeit nicht zu toppen sein wird. "En Ring Til Aa Herske" ("Ein Ring zum Herrschen") stellt einerseits die neben Bandname und Pseudonym einzige VErbindung zum tolkienschen Universum her, präsentiert sich andererseits als Meisterwerk entrückter Kunst, als Manifest purer vertonter Verzweiflung. Anhören, in den Wald legen, sterben. Dieses Lied öffnet Wunden, hinterlässt Narben, schließt die Wunden, heilt sie, nur um sie wieder aufzureißen. Auch Erwähnung sollte hier das anmutige Instrumental "Han Som Reiste" ("Er, der reiste") finden, ein Loblied auf Odin, vetont durch Syntheiflächen und einfach nur wunderschön. Was nach den acht Oden übrigbleibt ist Leere. Leere und Einsamkeit. Die Seele entschwindet dem Körper, der Geist liest die wundervoll nachdenklichen Texte, wünscht sich hinfort, hinein ins Dunkel. Dieses Album schmerzt, jedes Mal wenn ich es höre und doch kann ich nicht aufhören, diesem Meilenstein zu lauschen.
10.0 Punkte von Björn Springorum (am 18.05.2004)
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