Rezension
"Speak Of The Dead" ist bereits das 17. Studioalbum von Rage. Eine Zahl, gleichsam stolz wie imponierend, gab es doch kein einziges richtig schwaches Album in der langen Bandgeschichte. Als neuesten Streich präsentiert das multikulti Trio einen weiteren Metal/Klassik Hybriden. Die Scheibe ist sauber zweigeteilt: Die ersten acht Tracks nimmt die orchestrale "Suite Lingua Mortis" ein, darauf folgen sieben normale Rage Nummern ohne jegliche Klassikanteile. Hm, Hybrid ist wohl eher eine schlechte Wortwahl, klingt das Zusammenspiel von Band und Orchester doch viel homogener als auf den vergangenen Rage Outputs dieser Art. Victor Smolski, der Sohn eines Professors der Musikakademie Belarus, ist nicht nur ein virtuoser Gitarrist, sondern hat auch von Kindesbeinen an den Umgang mit Klavier und Cello erlernt, und in Klassik und Jazz ist der werte Herr wohl mindestens so zu Hause wie im Heavy Metal. Folgerichtig war er genau der richtige Mann um die Suite Lingua Mortis für "Speak Of The Dead" zu komponieren. Sein Konzept sah von Anfang an alle musikalischen Elemente gleichberechtigt vor, und so hat er es auch geschafft die "Suite" wie aus einem Guss klingen zu lassen. Musikalisch bietet sie eine volle Bandbreite an Elementen. Orchester und Band spielen miteinander, ohne dass ein Teil zu dominierend sein würde; beide setzen Betonungen. Es gibt soundtrackhafte Parts, proggige Teile, die an Dream Theater erinnern, aber auch fette Power Metal Ausbrüche die ragetypisch klingen. Logischer Weise ist die "Suite" sehr symphonisch ausgefallen, wozu der von den Jungens eingebaute sehr schöne an Savatage erinnernde Instrumentalteil in "No Regrets" prima passt. Auffällig ist Smolskis häufiger Einsatz einer Talk Box, der sich durch den Rest der Platte durchzieht und auf mich, gelinde gesagt, total nervig wirkt, da mich das immerzu an Bon Jovi erinnert. Nur drei der acht Orchestertracks kommen mit Gesang, dafür sind sie länger als die anderen. Mit "Beauty" klingt die Suite balladesk aus.
Die folgenden sieben Metalnummern bieten dann die Metalkost, die von Rage zu erwarten war; die logische Fortsetzung der letzten Alben. Virtuoses Spiel zwischen Aggressivität und schönen melodischen Harmonien. Peavy klingt gut wie immer, auch wenn er sich auf "No Fear" an einige kleine Grunzer wagt. Mike Terrana unterstreicht sein Ausnahmekönnen zur Genüge, indem er ziemlich viel abgefahrenes Zeugs in die straighten Abgehnummern reintrommelt. Alle Lieder gehen gut ins Ohr, Hitpotential hat aber wohl keiner der Titel. Am ehesten noch "Kill Your Gods", welcher schön aggressiv ist und mir am besten gefällt. Unterm Strich bleibt ein weiteres gutes, was den Klassikpart angeht vielleicht sogar sehr gutes Metal Album. Rage stechen aus dem Power Metal Einheitsbrei weiterhin wohltuend raus. Der Sound ist übrigens richtig fett und transparent und lässt definitiv keine Wünsche offen. Mit den größten Alben der Band (z. B. "The Missing Link", "Black In Mind" oder auch "Reflections Of A Shadow") kann sich Speak Of The Dead wegen des fehlenden Hitpotentials nicht ganz messen. Dafür ist es aber wohl die beste Scheibe des aktuellen Line-Ups. Special Edition
Nuclear Blast schmeißt von "Speak Of The Dead" ein limitiertest Digipack auf den Markt, auf dem zwei Bonustracks enthalten sind (s. u.) Interview mit Peavy zu Speak Of The Dead - klicke hier
. Band
Peter "Peavy" Wagner - Bass & Gesang
Victor Smolski - Gitarre
Mike Terrana - Schlagzeug Tracklist
01. Morituri Te Salutant Suite Lingua Mortis
02. Prelude Of Souls
03. Innocent
04. Depression
05. No Regrets
06. Confusion
07. Black
08. Beauty
09. No Fear
10. Soul Survivor
11. Full Moon
12. Kill Your Gods
13. Turn My World Around
14. Be With Me Or Be Gone
15. Speak Of The Dead
16. La Luna Reine (Bonus Digipack + America Version)
17. Vollmond (Bonus Digipack)
18. Полнолуние (Bonus Russian Version)
19. Michi-shi Tsuki (Bonus Japan Version)
8.0 Punkte von chicken (am 13.03.2006)
Deine Meinung ist gefragt:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers Hauptsächlich Metal und 60er/70er Jahre Rock. Daneben alles Mögliche (z.B. EBM, Soundtracks, Folk, diversen Jazz Kram & Krautrock) und manches Unmögliche (z.B. Aqua, Madonna, Torfrock, Björk & Doris Day).
X Aktuelle Top6
1. Alestorm "Leviathan"
2. Grave Digger "Ballads Of A Hangman"
3. Saxon "Into The Labyrinth"
4. Band Of Horses "Cease To Begin"
5. AC/DV "Black Ice"
6. Opeth "Watershed"
X Alltime-Klassix Top6
1. Rush "Grace Under Pressure"
2. Böhse Onkelz "Adios"
3. ELP "Brainsalad Surgery"
4. The Fair Sex "Bite Release Bite"
5. Scooter "Encore The Whole Story"
6. Chroma Key "Dead Air For Radios"
[ Seit dem 13.03.06 wurde der Artikel 5467 mal gelesen ]