Rezension
Traditionsgemäß führen Blind Guardian vor dem Release ihres achten Studioalbums (VÖ. irgendwann im Spätsommer) eine Maxi-CD ins Feld, die die Fans auf das einstimmen möge, was da folgen wird. Drei Titel sind auf Fly enthalten, neben dem Titelstück noch die Fantasy-Ballade "Skalds And Shadows" und das Iron Butterfly Cover "In A Gadda Da Vida". Zäumen wir den Guardian Gaul mal von hinten auf. Coverversionen sind immer Geschmackssache, und ich hatte hier schlimme Befürchtungen im Vorfeld, aber die Guardian Version des 20 Minuten Kiffer-Rock Eposses hat mich sehr positiv überrascht. Die Krefelder habe die Nummer auf unter vier Minuten verdichtet, und sie haben ihr gehörig den eigenen Stempel aufgedrückt, ohne an dem markanten Grundriffing oder den Melodien groß zu rühren. Das musikalische Grundgerüst klingt tight und wuchtig, das Sahnehäuberl stellt aber Hansis eigenwilliger Gesangstil dar, der das Stück irgendwie entrückt klingen lässt; definitiv eine der guten Guardian Coverversionen. "Skalds And Shadows" entpuppt sich als die fällige Standardballade, die keinesfalls an die eigenen Blaupausen "Lord Of The Rings" oder "In The Forest" heranreichen kann, aber mit jedem Durchlauf immer besser ins Ohr geht und wohlig verträumtes Fantasy-Lagerfeuer Flair verbreitet; gutes Gewohntes also. Das spannendste Augenmerk richtet sich natürlich auf das Lied "Fly" selbst, gilt es doch als Indikator für den gesamten Sound des nächsten Albums. Bei Fly bestätigen sich leider die allerschlimmsten Befürchtungen, die man überhaupt hegen konnte. Entgegen gewissen Interviewaussagen nach denen die Jungens wieder etwas straighter musizieren wollten entpuppt sich die Nummer als die konsequente Fortsetzung des fürchterlich orchestralen und proggigen Stils, der schon "A Night At The Opera" völlig unerträglich machte. Der Song ist verschachtelt und seicht, ihm geht jegliche Heaviness ab. Hansis Gesang ist farblos und nichtssagend; zu Zeiten, als er über weniger Erfahrung und Gesangstechnik verfügte klang er nur geil und packend. Heute klingt er nur wenig spannender als ein Thomas Anders. Die Gitarrenarbeit ist auch nicht besser, ich habe keine blasse Ahnung was Andre und Marcus mit diesem Wirrwarr zum Ausdruck bringen wollen. Selbst die guten alten melodischen Leads klingen nervig und spaßtötend. Diese Art Gitarrenläufe waren einst eine unendlich geile Säule, auf der die Band ihren Götterstatus mit aufbaute, doch heuer sind sie tragische Opfer eines verirrten Stilchaosses. Die Produktion von "Fly" ist auch mistig. Ecken und Kanten fehlen, mittendrin gibt es völlig unmotiviertes Gepiepse, und mit Metal hat das eh nicht mehr viel zu tun. Es ist fast überflüssig anzumerken, dass Neuschlagzeuger Frederik Ehmke eine gute Figur abgiebt.
Mit ihren ersten vier Alben, v. a. mit der "Tales..." und der "Somewhere..." haben Blind Guardian einst die Massen erobert, mit der "Imaginations..." und der "Nightfall..." haben sie sie -bei allem Erfolg- gespalten, und mit der "...Opera" und dem nächsten Album werden sie die Massen wieder verlieren, und wenn "Fly" tausendmal sehr gute Chartplatzierungen einheimsen konnte ... oder ich verstehe die Welt nicht mehr. Blind Guardian oder ich, irgendwer ist ein Auslaufmodell.
Die größte Trauer resultiert aus Liebe.
Musiker
Hansi Kürsch – Gesang
Marcus Siepen – Gitarre
Andre Olbrich – Gitarre
Frederik Ehmke – Schlagzeug
Tracklist
1. Fly
2. Skalds And Shadows (Akustik Version)
3. In A Gadda Da Vida (Coverversion; Original von Iron Butterfly)
Tracklist:
Lineup:
01. Fly (5:45)
02. Skalds And Shadows (acoustic version) (3:13)
03. In A Gadda Da Vida (Iron Butterfly cover) (3:38)
musikalischer Background des Verfassers Hauptsächlich Metal und 60er/70er Jahre Rock. Daneben alles Mögliche (z.B. EBM, Soundtracks, Folk, diversen Jazz Kram & Krautrock) und manches Unmögliche (z.B. Aqua, Madonna, Torfrock, Björk & Doris Day).
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