Soviel Ehrlichkeit muss sein: Insgeheim war ich schon bei erstmaligem Hören des Plattentitels auf einen wunderbaren Verriss allererster Güte gefasst. "Erzgebirge", das klang für mich nach einer denkbar schlechten Mischung als Lokalkolorit und falsch zu verstehender germanischer Symbolik. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei Isenburg um das Projekt des Andras-Sängers handelt, was zwar nicht mit dem Trademark "Qualität" einhergeht, aber wenigstens auf eine gesunde Portion Erfahrung innerhalb der Black Metal-Szene schließen lässt. "Erzgebirge" beschäftigt sich also mit der touristisch sehr begehrten deutschen Region gleichen Namens, welche es unserem Protagonisten dermaßen angetan haben muss, dass er ihr gleich ein ganzes Album widmet. Klar, das riecht einerseits nach Menhir, welche stets ihr Thüringen glorifizieren, oder aber nach den mittlerweile in Down Below unbenannten Cryptic Carnage, welche vor ihrer Heimatstadt Roßlau vor einigen Jahren ein sehr interessantes Konzeptalbum widmeten, doch warum auch nicht, schließlich ist das Erzgebirge mit seinem dunklen Wäldern landschaftlich äußerst reizvoll! Dieses Attribut trifft auf die Musik leider nicht immer zu, doch eins nach dem anderen. Die äußerem Rahmenbedingungen sind durch ein in atmosphärischem Grün gehaltenes Cover schonmal gesetzt, somit stimmt der optische Eindruck, welcher gedanklich auf die zu erwartende Musik einstimmen soll. Musikalisch beginnt es allerdings verahlten, der Opener "Isenburg" enttäuscht in der ersten Hälfte mit einem belanglosen Midtempo-Doublebass-Takt und uninspirierten Riffs. Besserung erfährt der Song durch dezent eingesetzte Akustikgitarren und vereinzelte Blast-Ausbrüche, bei welchen meine Zweifel, ob es sich hier um einen menschlichen Drummer handelt, am stärksten sind. Ich tippe eher auf ein Maschinchen! Jenem eher schwachen Auftakt folgt das deutlich stärkere "Wave Of Weakness". Selbiges steigt aggressiv-rasend ins blackmetallische Geschehen ein und weiß durch ordentliches Riffing, orgelähnliche Keyboards und gelungene Tempowechsel sehr zu gefallen, wäre also klar der bessere Opener für "Erzgebirge" gewesen. Höhepunkt der Scheibe ist ganz klar der titelgebende Track; vorangetrieben durch herrlich nordisch-klirrende, zweistimmige Gitarren, rauen Gesang und eine erhabene Atmosphäre könnte man hier fast von einer kleinen Pagan Metal-Hymne sprechen und gäbe es auf diesem Werk mehr Songs dieses Kalibers, stünde uns hier ein wahrlicher Meilenstein angeschwärzten Pagan Metals ins Haus. Leider verspielen Isenburg diesen Anspruch durch eingangs schon erwähnte belanglose Songstrukturen in einigen der Songs, durch unnötiges Herumschippern in Death Metal-artigen Gewässern (der doomig-deathige Beginn von "The Return" - jener Song wird allerdings bald darauf besser und hat im Mittelteil eine wundervolle Stelle weiblichen Gesangs zu bieten!), durch den Einsatz absolut unakzeptabler klarer Gesangspassagen oder durch das Verwenden einiger recht befremdlich anmutender Männerchöre, welche die Absicht verfolgen, heroisch zu klingen, aber mehr mit fröhlich summenden Zwergen gemein haben. Dennoch ist bei Isenburg jede Menge Potential erkennbar, auch wenn dieses auf "Erzgebirge" bei weitem nicht ausgeschöpft wurde. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass man aus den Songs einiges mehr herausholen könnte, sie aber unter unnötigen Fehlern zu leiden haben und daher nicht immer in dem Maße mitreißen können, wie es beispielsweise eine starke Nummer wie "Erzgebirge" bewerkstelligt. Völlig unnötig ist in meinen Augen allerdings ein auf dem Backcover nicht aufgeführter siebter Track, welcher, daherkommend als krude Mischung aus Metal und einem erzgebirg'ischen Volkslied (??), nichts als Platzverschwendung auf dem Debüt Isenburgs darstellt. So stellt "Erzgebirge" zwar ein über dem Durchschnitt anzusiedelndes aber eben noch lange nicht gänzlich überzeugendes Werk deutschen Pagan Metals dar. Feilt der alleinige Projektleiter bis zum nächsten Output noch kräftig an seinen Riffs, seinen Keyboardarrangements und seinem Gesang, könnte die Notenvergabe nächstes Mal 'ne ganze Ecke höher anzusiedeln sein! Dies ist auch der Grund, warum ich diese Rezension keineswegs als negativ verstanden haben möchte! Testet mal "Wave Of Weakness" und "Erzgebirge" an!
6.0 Punkte von Björn Springorum (am 20.06.2004)
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musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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