Joe Satrianis neuestes Album startet mit dem Titeltrack, dessen Name wie die berühmte Faust aufs Auge passt. Ein mitreißender Eröffnungspart holt den Zuhörer sofort zum Sofa, lässt ihn die Hände zum Mitklatschen hochreißen und derartig wild im Zimmer auf und ab hüpfen, dass der Oma eine Etage tiefer das Gebiss aus der Kauleiste fällt. Dazu gesellt sich eine Wahnsinnsmelodie im Hauptteil und natürlich ein wunderbares Gitarrensolo. Ganz genau: So kann instrumentale Musik funktionieren. „Super Colossal“ ist ein monumentaler, schwerer Gute Laune Rocker, der auch live alles wegblasen kann. „Just like lightning“ hat einen leichten Funk Einschlag und besticht zudem durch den Wechsel einer vertrackten Strophe und eines eingängigen Refrains. Auf diese Art und Weise werden im folgenden natürlich weitere Musikstile mit dem Rock kombiniert. Satriani bedient dabei nicht nur seine Ibanez, sondern auch alle Bass Gitarren und Keyboards. Der Blick in die Liste der Gastmusiker ist für mich als Metaller nicht so interessant. An den Drums sitzt bei einigen Songs beispielsweise sein langjähriger Wegbegleiter Jeff Campitelli, die anderen wurden von keinem geringeren als Simon Phillips eingezimmert. Zu erwähnen ist wohl noch, dass an den Knöpfen im Produktionsstudio neben dem Meister selbst Mike Frazer (AC/DC) saß. Die Musik auf „Super Colossal“ beschreibt der Protagonist selbst am besten: „Sound trägt seine eigene Botschaft, also habe ich mit ungewöhnlichen Pedalen herum gespielt und versucht, einen Klang zu finden, der es mir erlauben würde, langsam zu spielen. Ich habe mir vorgestellt, sehr klein zu sein und einen 50 Fuß hohen Menschen zu beobachten, der die Straße runterläuft und dabei eine Gitarre spielt“. Das trifft es ziemlich genau. „Super Colossal“ ist keine Hochgeschwindigkeitsorgie, auch wenn man solche Elemente hier und da findet (z.B. im Metal kompatiblen „Redshift riders“). Fein ausgearbeitete Melodien in relativ relaxter Stimmung prägen das Bild dieses Werkes und machen es zum idealen Begleiter für eine entspannte Autofahrt am ersten Frühlingsmorgen dieses Jahres. Mit „Super Colossal“ scheint Satriani da angekommen zu sein, wo jeder Musiker einmal hin möchte: Er muss nicht mehr beweisen, wie toll er spielen kann, sondern kann seine Kunst in den Mittelpunkt stellen und frei ausleben. So entsteht ein erwachsenes Album, das intellektuell wirkt, ohne verfrickelt zu sein. Obwohl ich Instrumentalscheiben eigentlich nicht so mag, habe ich bei „Super Colossal“ schon ein wenig Spaß gehabt. Dennoch wird es wohl ein Album für Schicki Micki Rocker und Musiker unter euch bleiben. So kann ich es „nur“ mit Abstrichen zum Kauf empfehlen. Anspieltipps: das fast schon progressiv rockende „Theme for a strange world“ und natürlich das wunderschöne „A love eternal“, das eigentliche Herzstück der CD. Abgerundet wird das Produkt von ein paar kurzen Liner Notes, in denen uns der Meister mitteilt, was er sich bei dem Gesamtwerk und den einzelnen Songs gedacht hat.
6.5 Punkte von Christian (am 28.03.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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