Wer das eher nüchtern gehaltene NARZISS-Review gelesen hat, wird sich vielleicht wundern, dass die vorliegende Platte der Band CALLEJON von mir mit weitaus mehr Punkten bedacht wird. Schließlich arbeiten die Jungs aus Düsseldorf ebenfalls mit deutschen Texten und zocken einen vergleichbaren Metalcore-Sound. Warum empfehle ich Euch nun das Debut dieser Jungspunde und nicht den Alveran-Release der vermeintlichen Szeneanführer?
Aus verschiedenen Gründen: CALLEJON klingen zunächst mal erstaunlich frisch, unverbraucht und hochgradig inspiriert. Darüber hinaus wirken sie glaubwürdig, ehrlich und ohne kommerzielles Kalkül. Hier spürt man noch, dass Musik aus Spaß an der Freud, aus Leidenschaft, aus dem Bauch heraus gemacht wird. „Willkommen im Beerdigungscafe“ ist daher ein zwar recht kurzes, aber stimmiges Gesamtkunstwerk, das trotz aller MAIDEN- und IN FLAMES-Reminiszenzen eine erstaunliche Eigenständigkeit aufweist. Sie selbst nennen es Screamo-Metal und wirken dadurch fast etwas tiefstaplerisch auf mich. Klar, man bedient sich schon deutlich der oben genannten metallischen Einflüsse, versteht es aber durch Geschwindigkeit, Aggression, Spielfreude, ansprechendes Songwriting und vor allem die außergewöhnlichen deutschen Texte ein völlig eigentümliches Feeling zu kreieren. Die größtenteils diffusen bzw. rätselhaften Lyrics werden von Sänger Bastian Sobtzick überwiegend death-, fast blackmetallisch herausgeschrieen. Dadurch bemerkt man zunächst gar nicht, dass „deutsch“ gesungen wird. Nur bei wenigen clean gesungenen Emo-Parts nimmt man die deutsche Sprache wirklich wahr. Übrigens wissen auch diese, sparsam und daher wirkungsvoll eingesetzten Parts, durchaus zu gefallen. Aber noch mal zurück zum Schreigesang: Liest man im Textblatt mit, fällt auf beeindruckende Weise auf, mit wie viel Mut und Selbstverständnis Sänger Bastian die deutsche Sprache interpretiert und akzentuiert. Die ungewöhnlichen, düsteren Texte auf der einen Seite und das krasse Shouting auf der anderen ergeben so einen spannenden Kontrast. Und wenn dann mirnix-dirnix auch noch kleine Gags wie etwa das Jupeidijupeida-Gebretter wie bei „Bitter macht lustig“ mit einfließen, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Spätestens mit dem genialen „Snake Mountain“ hat es mich dann aber richtig erwischt: Diese kleine Hommage an He-Man und seine Masters of the Universe dürfte jedem, der als Kind mit den kultigen Actionfiguren gespielt hat, im Nu ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubern. „Bei der Macht von Castle Grayskull…ich habe die Kraaaaaaaaaaaaaaaaaft!“ Geil! Abgerundet wird das Teil durch das fantastische, im Übrigen sehr cool von PUSHEAD (u.a. METALLICA, MISFITS) beeinflusste Artwork von Sänger und Designstudent Bastian. Besser kann man ein CD-Booklet einfach nicht gestalten. Ganz tolle Sache das, echt mal!
Tracklist:
Lineup:
1. Eingang
2. Es regnet
3. Erkenntnis
4. 1000 Winter fauler Tau
5. Bitter macht lustig
6. Love sucks
7. Snake Mountain
8. Astronaut (2006)
9. Mirage
10. Und die Sterne sagen: Es werde Licht
11. 22 Teile
8.0 Punkte von Schneider (am 11.09.2006)
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musikalischer Background des Verfassers 80`s Metal, Old School Thrash, Brutal & Technical Death, Metalcore, Hardcore, Mathcore, Hardrock, Melodic Rock/AOR, Prog-Metal
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