Den Luxus einer öffentlich zugänglichen, scheinbar endlosen endogenen Depression kann man sich vielleicht nur leisten, wenn man aus Paris kommt und seit rund 10 Jahren mit der gleichen Band Musik macht. COMITY gehen in ihrer Dekadenz noch einen Schritt weiter und veröffentlichen mutig ein Album, das einer Jam - Session im Heim für Borderline - Patienten so nahe kommt wie irgend möglich.
Mit allen Risiken und Nebenwirkungen werden in dem durchgehenden, fast 56 Minuten langen Track die vielfachen Spielarten der Versagensängste, Depression, Leere und grenzlosen Verzweiflung durchzelebriert, schlechte Träume verarbeitet, in Gläsern eingemacht und für den Winter bereitgestellt. Soundmassive türmen sich hoch auf und werden von Melodiebögen gekillt, die Vocals kommen manchmal fast schon unmenschlich gepresst aus dem Background, manchmal unverständlich und heiser gekeift von links oder rechts, ab und an einfach nur als Mischung aus Schweiss, Blut, Tränen und Frustration vor sich her aufgesagt. Zwei Gitarristen sorgen für die notwendige Portion melancholischer und düsterer Akkorde, die mal monoton und eingängig, dann wieder noisig und scharf kommen, mit einer finsteren Zielstrebigkeit und Endlosigkeit. Ein präzises und abwechslungsreiches Trommelspiel mit vielen Breaks und Fills unterstreicht kreativ den Eindruck eines weitestgehend traumatischen Erfahrungsberichtes.
Das Cover ist stilecht in Grautönen gehalten und birgt nichts ausser Abstraktion.
Bands wie DILLINGER ESCAPE PLAN, ISIS, G.Y.B.E, NEUROSIS, SHE SAID DESTROY oder MESHUGGAH dürften für dieses Album sicherlich mit Pate gestanden haben.
Alles in allem ein schicker, erfrischender, giftiger und abhängigmachender Drink, der unglücklicherweise immer noch ein wenig zu unausgegoren wirkt.
Die einzelnen Passagen ähneln sich zeitweise einfach zu stark und bieten nach mehreren Hördurchgängen wenig Abwechslung. Die endlosen Wiederholungsschleifen bewirken zeitweise, statt hypnotisch zu wirken, dass man in der Mitte, bei Track 65 aber spätestens, nach einer Ablenkung von aussen suchen möchte, nach dem (in der Promoversion nicht vorhandenen) Booklet greifen oder wenigstens die Songtitel zu erfahren wünscht. Zwischenzeitlich klingen die Kompositionen bloss blechern und blutarm, statt Kälte rüberzubringen, wie sie eigentlich vermutlich sollten.
Von Zeit zu Zeit hätte es vielleicht auch ganz gut getan, die Gitarren einfach ein wenig herunterzustimmen, um einen unangenehm schneidenden, feedback - artigen Effekt in den aggressiveren und schnelleren Parts zu vermeiden, der den Gesamtklang wesentlich beeinträchtigt.
Auf das nächste COMITY - Werk darf man aber mit Sicherheit sehr gespannt sein. Einen (unobjektiven) halben Punkt gibt es extra oben drauf, weil mir persönlich die Scheibe trotz der erwähnten Makel ganz gut gefällt...
Discographie:
Demo 1998
2001 Split Album mit XII « The Catharsis Syntax Project »
2003 Album: « The Deus Ex-Machina As a Forgotten Genius »
2005 Re-release des 2003er Albums durch das US Label United Edge
7.0 Punkte von Genia (am 28.09.2006)
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