Winger are back! Nachdem ja nun seit geraumer Zeit das Gerücht im Umlauf war, dass eines der Flagschiffe des Achtziger Melodicrocks wieder aktiv am Business teilnimmt, liegt hier nun das schlicht „IV“ betitelte neue Album vor. Mit ihren beiden ersten Alben „Winger“ und „In The Heart Of The Young“ konnte die Band um Mainman Kip Winger grandiose Erfolge feiern. Nach dem für viele schwachen, weil modernem, dritten Album „Pull“ trennte man sich jedoch und Kip Winger ging fortan solo seiner Wege, während Gitarrist Reb Beach nach vielen Stationen bei den wieder erstarkten Whitesnake ein neues Zuhause fand. Nun also sind sie wieder zurück. Eine Sache gleich vorweg: Wer ein Album in der Kategorie der ersten beiden Alben erwartet, sollte definitiv seine Finger davon lassen. Das neue Material knüpft nahezu nahtlos an „Pull“ an und hat deutlich mehr moderne Einflüsse vorzuweisen. Das Material von „Pull“ erschien vielen zu sperrig und bedurfte einiger Anläufe, um die gesamte Breite der Songs zu offenbaren, gehört jedoch heute zu einem wahren Klassiker der Band. Kip Winger selber gab einmal in einem Interview zum Besten, dass das Material auf „Pull“ genau das war was er schon immer machen wollte, ihm aber seitens der Plattenfirma für so ein Album mächtig Steine in den Weg gelegt wurden. Diesmal hat er sämtliche Freiheiten gehabt, ein Album zu schaffen, welches seinem Geschmack gerecht wird. Auch Winger haben, in der heutigen Ära eines US-Präsidenten Bush, ihr Statement zum Kriegstreiben der USA abgegeben. Kritische Töne jedoch sucht man vergebens, denn die Songs sollen eher eine Huldigung an die vielen jungen GIs sein, die gnadenlos in der Maschinerie des Todes ihr Handwerk verrichten. Da Herr Winger auf seinen Solo-Touren recht häufig auf Militärbasen spielt und sich dann zwangsläufig auch mit den Soldaten unterhält, war es ihm ein Anliegen, einmal die andere Seite der Medaille aufzuzeigen und deutlich zu machen, dass nicht jeder GI auch hinter der Politik der USA steht und sich da teilweise richtige Tragödien abspielen.
Kommen wir aber zu den Songs, denn hier fällt auf, dass die Songs vom straighten Rocker (Your great escape“) bis hin zu sphärischen Klängen („On a day like today“) reichen. Anteil am Material haben sicherlich auch Drummer Rod Morgenstein (Ex-Dixie Dreggs) und Keyboarder Cenk Eroglu (Xcarnation), die nun beide aus einer völlig anderen Ecke stammen und beide doch mehr den progressiveren Sounds zugetan sind. Das macht sich auch in den Songs bemerkbar, denn viele progressive Momente lassen sich finden, als Pate soll hier einmal das vertrackte „Generica“ stehen. Aber gerade das macht den Reiz am neuen Material aus. Kaum vorhersehbar und dennoch eingängig mit einer zeitgemäßen Produktion. Auch diesmal wird das Material einige Zeit benötigen, bevor sich die Genialität dahinter offenbart und ist damit schlicht und ergreifend für Mainstream-Hörer nicht geeignet.
Fazit: Nichts für Fans der ersten beiden Alben, sondern mehr ein Album zum Nachdenken.
Tracklist:
Lineup:
1. Right up ahead
2. Blue suede shoes
3. Four leaf clover
4. M16
5. Your great escape
6. Disappear
7. On a day like today
8. Livin’ just to die
9. Short flight to Mexico
10. Generica
11. Can’t take it back
8.0 Punkte von Christoph (am 10.10.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Melodicrock allgemein, AOR, True Metal, Prog-Metal
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