Ich prophezeie Masterplan einen steinigen Weg. Freilich ist meine Meinung nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber wenn ich mir so angucke, wie sich diese Band entwickelt hat, habe ich ein richtig flaues Gefühl im Magen. Ich kann mich noch sehr genau an meine Begeisterung erinnern, als ich Masterplan das erste Mal live gesehen habe. Ich kannte damals das übergeile Debüt Album noch nicht. Und trotzdem hauten mich Hammersongs wie „Enlighten me“ und „Kind hearted light“ völlig von den Socken. Doch bereits der Nachfolger konnte, wenn auch zweifelsohne großartig, dieses überragende Niveau nicht halten. Dazu kamen wirklich schwache Live Performances auf diversen Festivals, die ich in erster Linie dem Frontmann ankreiden möchte, der zwar ein hervorragender Sänger ist, doch in meinen Augen auf der Bühne die Distanz zum Publikum nicht wirklich überwinden kann. Und dennoch: In meinem Freundeskreis hören nicht sehr viele Leute Masterplan. Die es tun, ergötzen sich in erster Linie an Jorn Landes einzigartigem Gesang. Und der ist auf dem neuen Album „MK II“ nicht mehr zu hören. Nicht nur das: Mit Bandmitbegründer Uli Kusch ist einer der maßgeblichen Songwriter ein Ex-Masterplaner geworden. Schlussendlich wurde auch noch auf das renommierte Händchen von Andy Sneap bei der Produkion verzichtet. Die übernahm Roland Grapow höchstpersönlich, überließ aber zumindest das Mastering den Finnvox Studios. So bleibt die Frage: Wie kann eine Band, die nach einem ersten Kavaliersstart inzwischen sowieso schon um Anschluss bemüht ist, solche Neuerungen verkraften? Oder ist die derzeitige Situation gar eine Möglichkeit, mit frischem Wind zurück an die Spitze zu stürmen?
Eins ist klar: Mit Mike DiMeo und Mike Terrana hat man zwei hervorragende neue Musiker in die Band integriert. Aber sind diese Jungs wirklich integriert? DiMeo’s Hauptbetätigungsfeld ist schließlich Riot, die in jüngster Zeit nicht gerade untätig sind. Und Terrana ist nicht gerade für Sesshaftigkeit bekannt. Stoff für Interviews, nicht für eine Plattenkritik. Kommen wir endlich auf die Musik zu sprechen.
DiMeo’s Stimme passt prima zu den Masterplan Songs. In ganz seltenen Momenten kann man bei geschlossenen Augen sogar Gemeinsamkeiten zu Jorn Lande ausmachen. Das sind jedoch nur Trugbilder. Letztendlich hat der neue Sänger nicht die gewaltige Power seines Vorgängers, kompensiert das aber durch eine sehr sensible Melodieführung. Letzten Endes wird es eine Frage des persönlichen Geschmackes sein, welchen Masterplan Frontmann ihr vorzieht. Riot haben schon immer ein wenig mit dem AOR Rock kokettiert, und das hört man auch in Mikes Gesang. So wirken viele Songs etwas softer als das bisherige Material, wenn man sich zu sehr auf die Vocals konzentriert. Da das Songwriting härter ausgefallen ist als auf den ersten beiden Alben, täuscht dieser Eindruck jedoch. Ach ja, die Songs... „I’m gonna win“ ist eine freche Belanglosigkeit, ein typischer Filler. „Enemy“ ist nur wenig besser, und „Masterplan“ ist zwar schön heavy, aber viel zu plakativ ausgefallen. Na ja, soll wohl die neue Bandhymne werden. Mal sehen, ob das live funktioniert. Die Uptempo Nummer „Keep me burning“ hat zwar ein paar catchy Melodien, entpuppt sich allerdings schnell als reichlich öder Rocksong. Unter „ganz nett“ lassen sich das für Masterplan typisch treibende „Take me over“, das beschwingte „Watching the world“, der epische Rocker „Call the gipsy“ und das balladeske „Trust in you“ eintüten. Wirklich gut ist eigentlich nur der mächtig knallende Opener „Warriors cry“. Abschreiben sollte man diese Scheibe dennoch nicht, denn mit dem supereingängigen Melodic Metal Track „Lost and gone“ (die erste Single Auskopplung) und dem hypergenialen „Heart of darkness“ sind schließlich doch noch zwei Zehn Punkte Granaten auf „MK II“ zu finden.
Schauen wir also, ob die Band live besser überzeugt als im alten Line-Up. Vielleicht liegt hier die Chance für Masterplan: Wenn sie live eine coole Show abziehen und sich als Band zusammenfinden, kann man hier sicher wieder Großes erwarten. Eine Tour mit Saxon ist eine ideale Startplattform dafür. Warten wir auf diese Konzerte und den Nachfolger von „MK II“, das mich nicht wirklich überzeugen kann.
Tracklist:
Lineup:
1. Lost and gone
2. Keeps me burning
3. Phoenix rising
4. Warriors cry
5. Lost and gone
6. Keeps me burning
7. Take me over
8. Im gonna win
9. Watching the world
10. Call the gipsy
11. Trust in you
12. Masterplan
13. Enemy
14. Heart of darkness
6.0 Punkte von Christian (am 04.02.2007)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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