Und wieder bescheren uns die fünf neuen Länder eine Pagan Band. Langweilig! Kennen wir doch schon. Der 198ste Abklatsch.
FALSCH! Was die vier Magdeburger von Tarabas da liefern hat völlig neue, ungehörte Qualitäten und ist aus meiner Sicht ein sehr gelungenes Meisterwerk. Keyboards? Fehlanzeige. Dafür zwei Klampfer und das hört man äußerst positiv.
Aber mal von Anfang an. Opener ist eine Ode an Samhein, einem heidnischen Fest. Die anfänglichen Gitarrenpassagen sind bereit sein Genuss, die auf mehr neugierig machen und da wird man bei dem Song nicht enttäuscht. Dröhnende Gitarren wechseln sich mit messerscharfen Gitarrensoli ab, die den Hörer im Übrigen über die ganze CD begleiten. Die sehr abwechslungsreiche Melodie nimmt einen sofort gefangen und sogar der Text ist gelegentlich verständlich. Das Booklet ist übrigens trotz kleiner Schrift durch eine geeignete Farbwahl durchaus lesbar.
Ruhig fängt der erste Anspieltipp (eigentlich sind das ja alle Songs) Warlord an. Mit stampfenden Rhythmus und aggressiven Kampfgesängen geht es dann weiter. Die Schlacht selber wird dann durch eine furiose Gitarrenpassage dargestellt. Die grundlegende Melodie zieht sich denn auch weiter durch den Song. Dabei ist die Geschwindigkeit vom Marschieren zum Sturmangriff angestiegen. Zum Ende hin wieder ein etwas langsameres Gitarrensolo und am Schluss dann noch ein Heldenchor.
Das dritte Stück macht in einem ähnlichen Stil weiter. Die Melodie variiert, der Rhythmus ist anders aber der Stil bleibt erhalten. Die Gitarren pusten die letzte abendliche Müdigkeit aus meinem edlen Körper, der Kopf geht in eine elementare Nickbewegung über.
Der Titelsong Aus alter Zeit entfaltet ein weiteres musikalisches Erdbeben. Der Text könnte auch von einer anderen Pagan Band sein aber die Melodie und deren Darbietung durch die Gitarre sind einfach einmalig.
Auch Falcon zeigt, das es im Osten unserer Republik zumindest musikalisch blühende Landschaften gibt. Der Kontrast von etwas ruhigeren Abschnitten zu heftigeren, hämmernden Passagen ist sehr gelungen.
Das sechste Stück Bloodthirst nimmt mit den sehr schräg und schrill gespielten Gitarren eine Ausnahmestellung ein. Auch das Tempo ist eher im Middlebereich zu finden. Auf einer Pagan CD würde ich ganz ehrlich so eine Nummer nicht erwarten. Das zeigt, dass die Buben mehr auf dem Kasten haben. Aber irgendwann überkommt es eben jeden und die schnellen Riffs finden auch in diesem Song Einzug, abgelöst von einem coolen, groovigen Basssolo. Die Wiederkehr findet, Nomen Est Omen, wieder auf die bereits gewohnten Pfade des Pagan zurück. Aber auch hier zeigt die Band, das noch was geht. Eine neue Melodie, neue Riffs. Eigentlich weiß man, was kommt aber man ist trotzdem überrascht, wie es kommt.
Mit Hero wird denn wieder ein neues Fass aufgemacht. Etwas langsamer und überaus melodielastig mit der bereits erwähnten schneidenden Gitarre. Da hätte auch Tony Iommi Pate stehen können.
Zum Abschluss gibt es dann noch ne richtig geile stampfende Pagannummer: Dekaden des Leids. Allerdings hat der Text nichts mit Heldentum und Göttern zu tun sondern mit der Vergänglichkeit des menschlichen Daseins und was danach kommt: wohl eher nichts. Diesen Song sollte man unbedingt mal gehört haben, bevor man in die Kiste fährt.
Mit Aus Alter Zeit findet Pagan einen Weg zu stark gitarrenbezogenen Klängen wie er einst in meiner Jugend von den Hardrockern und frühen Metallern gespielt wurde. Wer Maiden mag und sich auch vor harten Klängen nicht fürchtet, hat hier ein Schmuckstück für seine Sammlung gefunden. Wer Maiden nicht mag wird auch seine Freude haben, und wer begeisterter Paganist ist kommt sowieso nicht an Tarabas vorbei. Eigentlich gehört die CD in jede gut sortierte Sammlung. Für mich ist Aus Alter Zeit DIE Scheibe des Jahres und dieses Jahr hat uns schon einen Haufen gute Dröhnung geliefert.
Tracklist:
Lineup:
1. Samhain
2. Warlord
3. Kane
4. Aus alter Zeit
5. Falcon
6. Bloodthirst
7. Die Wiederkehr
8. Hero
9. Dekaden des Leids
musikalischer Background des Verfassers Hardrock, 80er Metal, Mittelalter, Pagan, Viking, Death
X Aktuelle Top6
1. Moonsorrow "V: Hävitetty"
2. Kromlek "Strange rumours...distant tremors"
3. Nomans Land "Raven Flight"
4. Eluveitie "Spirit"
5. Dorn "Spiegel der Unendlichkeit"
6. Fimbulthier "The Battle Begins"
X Alltime-Klassix Top6
1. Iron Maiden "Rock in Rio"
2. Black Sabbath "Black Sabbath"
3. vanLangen "Palästinalied"
4. In Extremo "Weckt die Toten"
5. Subway To Sally "Engelskrieger"
6. Iron Maiden "Seventh Son of a Seventh Son"
[ Seit dem 13.06.07 wurde der Artikel 5825 mal gelesen ]