Soll ich nun weinen, schreien oder lachen? Nach mehreren Durchgängen des Albums und des beigefügten Infoblattes zur Promo, wäre wohl letzteres hier angebracht!
Was man so alles aus dem Infoblatt zur VÖ des Debüts von Big Boy zu lesen bekommt grenzt schon an sinnlose und überzogen ironische Selbstinszenierung oder eben an überdimensionalen Einfallsreichtum der „neuen“ Rockära. Um aber auch wirklich alles an den Mann, in diesem Fall eher die Frau, zu bringen! Damit ihr auch wisst was ich damit meine, hier einige Zitate des Infoblattes:
„...jetzt fängt die Revolution an…“, „…the people know that Im the chosen son…”, „…dass Big Boy eines Nachts der Geist des großen Freddie Mercury während seiner Therapie im Sanatorium erschienen ist…“, „…um in der heimischen Dunkelkammer bei Kerzenlicht und Absolut-Vodka die Geister anzurufen…“, „…big boy ist nun allzu leicht mit einer Kondommarke zu verwechseln. Ob ein Vergleich allerdings gerechtfertigt wäre, können allenfalls die weiblichen Fans entscheiden, die sich nach Konzerten in den Tourbus schleichen. Oder frühestens am nächsten Morgen ihre (Ex-)Freunde. Über gebrochene Herzen oder gebrochene Nasenbeine entscheidet allein die Tagesform…" usw.
Auch wenn es durchaus ironisch gemeint sein soll/kann, so kann ich es einfach nicht lassen, dies hier aufzuführen, denn die Musik als solches sagt nun wirklich nicht viel aus. Und darum geht es doch hauptsächlich oder?
Klar ist, Big Boy spielt poppigen Industrial Glam Rock. Aber man kommt zu dem Schluss, dass es sich bloß nur um eine gutgemeinte Kopie handelt und zwar aus dem was die Herren Andrew W.K. und Marilyn Manson schon längst gemacht haben. Hurra, Deutschland hat einen gebürtigen Schweden, der sich nun endlich auch für jegliche Sendungen bei MTV und VIVA verkaufen lässt.
Da wären zum einen die eingängigen und simplen Mitsing-Nummern wie „Hail the Big Boy“ (Selbstinszenierung total!) oder „Get over it“. „Catastrophe“ könnte dagegen von T-Rex stammen, sofern dieser noch 2007 Musik kreieren würde. Und die groß angekündigte Ballade „Give up“ entpuppt sich tatsächlich als ein Aufgeben in sich. Larifari-Melodie, die sinnlos, ohne einen gewissen Höhepunkt vollzogen wird. Dagegen ist die rein mit Klavier unterlegte Nummer „Let the dead bury their own dead” hervorragend gelungen, auch wenn sie in das eigentliche Konzept des Albums unpassend wirkt. Die Idee mit dem Einsatz eines Beatmungsgerätes und dieser rau-rotzigen Stimme wirkt düster. Aber ansonsten? Nein, nicht wirklich das Maß aller Dinge, was auch für die Stimme zutrifft, die leider zu oft verzerrt wiedergegeben wird.
Auf der anderen Seite erscheint das Werk hier und da auch mal interessant (- wäre da nicht der Gedanke an das Infoblatt). Es ist überaus professionell produziert und mit dem Coverartwork und der Verkaufstrategie sehr gut in Szene gesetzt bzw. umgesetzt worden. Daher macht die Inszenierung und die „hervorragende“ Promotion hier deutlich das Rennen. Warum auch nicht, schließlich ist die Jugend von heute - hierbei an aller ersten Stelle die Girlies- hungrig nach dem rein Äußeren. Also könnte es durchaus was werden, mit der Karriere des Big Boy. Der Erfolg auf seiner MySpace-Seite gibt ihm um dem Label wohl recht (Quelle dieser Info: aus dem Infoblatt!).
Fazit: Wer musikalisch mal eine Alternative zu Marilyn Manson und Andrew W.K. sucht, der wird mit diesem Werk seinen Spaß haben. D.h. wenn eine Dame des finnischen Goth Rock mit Marilyn Manson oder Andrew W.K. eine Liaison hätte, dann würde man genau einen solchen „Small Boy“, sorry, Big Boy bekommen! Alles schon mal dagewesen, daher nicht wirklich was Besonderes und auf keinen Fall eine Revolution der Rockgeschichte. Ein 08/15-Rockalbum, welches durchaus in die Medien passt und etliche Fans anziehen kann, wenn die gestartete „Provokation“ und Promotion ausreicht und anbeißt.
Tracklist:
Lineup:
01. La legion
02. Hail the big boy
03. Get over it
04. One good reason
05. Let the dead bury their own dead
06. Gestasi baby
07. Catastrophe
08. Fake it
09. Sin-sational
10. Just like we (choose to be)
11. Give up
3.5 Punkte von Arturek (am 30.07.2007)
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musikalischer Background des Verfassers ...sehr viel
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