VANISHING POINT „The fourth season“ funktioniert ein bisschen wie die Spannungskurve eines Freitagabend-Krimis. Nach kurzer Steigerung weiß man gleich, was in der nächsten Szene bzw. auf den restlichen Tracks passiert.
Dabei startet das Album mit dem schnellen „Embodiment“ gar nicht so schlecht. Symphonischer Melodic Metal mit diversen Keyboard-Einsätzen und einer tragenden Gitarrenwand geben die Marschrichtung für die kommenden 10 Tracks vor. An großen Melodien hat man auch nicht gespart, so dass „Tyranny of Distance“ und „Surrender“ eigentlich richtig gute Melodic-Songs sind, die eingängig und dynamisch daher kommen. Viel Neues kommt dann allerdings nicht mehr, und ich muss zwischendurch auf die Digitalanzeige des Players linsen, um an der Sekundenzahl ablesen zu können, dass mittlerweile ein neuer Track angefangen hat. In der Tat sind die Songs zwar umfangreich strukturiert, ähneln sich dann aber doch wieder zu stark und drohen geradezu damit, in ihrer Einheit alle irgendwie gleich zu klingen.
Es ist zugegeben nicht einfach, sich als Band auf dem teilweise gesättigten Markt der Power-Metal Combos zu behaupten, insofern muss man VANISHING POINT doch anrechnen, dass sie es immerhin versuchen. Die melancholischen und düster-melodiösen Songs können hier und da auch durchaus zünden, aber auf Dauer gesehen fehlt es an Innovation und dem nötigen Aha-Effekt. Da hilft es auch nicht, dass die Band nun ihr viertes Album auf den Markt wirft und schon im Vorprogramm von Gamma Ray auf der Bühne stand. (Unter anderem in Wacken). Allein das ausgefallene Cover lässt ein bisschen vermuten, was VANISHING POINT mit dem vierten Album im Sinn hatten.
Den einen oder anderen Glanzmoment gibt es durchaus auf „The Fourth Season“. Da wäre zum Beispiel der Refrain von „Behind The Open Door“, der stark ins Ohr geht und das Talent von Sänger Silvio Massaro kurz aufblitzen lässt. Leider sind solche Momente aber rar gesät und verschwinden hinter der dicken Gitarren-Synthisizer-Soundwand, die einem bei jedem Song um die Ohren schlägt. Druckvolle Produktion ist zwar immer wünschenswert, aber wenn alles in einer breiartigen Masse verschwindet, fällt es eben schwer, die Höhepunkte auszumachen.
Fazit: VANISHING POINT haben sicher kein schlechtes, aber trotzdem unauffälliges Album am Start, das leider nur selten überraschend ist.
Tracklist:
Lineup:
1. Embodiment
2. Tyranny of Distance
3. Surrender
4. Hope among the heartless
5. Gala
6. I Within I
7. Behind the open door
8. Ashen Sky
9. One foot in both worlds
10. Wake me
11. A day of difference
musikalischer Background des Verfassers Melodic Metal, Melodic Rock, AOR, Sleaze-Glam, Progressive, Power Metal
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