Wer hätte das gedacht? Hin und wieder kommen noch Scheiben raus, die mich in die Zeit zurück versetzen, als ich noch im zarten Teenie-Alter war und von meinen lieben Schulkameraden mit diversen Hardcore-Scheiben versorgt wurde, in der Hoffnung, ich würde doch endlich mal die Finger von diesem „Asi-Metal-Zeug“ lassen und mich der „ehrlichen und rauen“ Musik des Hardcore (vorwiegend aus den Ghettos von New York stammend) hingeben. Ihre Versuche blieben zwar erfolglos, aber ich fand dennoch Gefallen an der einen oder anderen Band. Ich erinnere mich noch an solche Namen wie Sick Of It All (die wohl berühmtesten Vertreter des Genres), Yuppicide, Ignite oder Youth Of Today. Was mich aber oft störte, war die unglaublich dürftige Garagenproduktion. Fürchterlich!
Und nun liegt hier gute 15 Jahre später wieder so ein Hardcore-Prügel namens Blinded By Trust auf meinem Tisch und ich muß sagen, ich bin sehr angetan von dieser erst 2006 gegründeten holländischen Combo, da sie gekonnt einen Bogen zwischen alter Schule und Moderne schlägt.
Sehr angenehm ist mir gleich die glasklare und druckvolle Produktion aufgefallen. Musikalisch betritt man nicht unbedingt Neuland mit diesem Album, aber die bewährten Hardcore-Trademarks werden sehr spielfreudig und vor Energie strotzend umgesetzt. Einzig der als Bonus-Track angegebene letzte Song „When Time Stands Still“ fällt nicht zuletzt wegen der unüblichen Länge von über sieben Minuten ein bißchen aus der Reihe. Eigentlich besteht der Track aus zwei Songs, die durch ein obskures Zwischenspiel mit Spannung aufbauenden Vocals getrennt werden, welches dann in den zweiten Teil mündet, der durchaus aus der Feder heutiger Metalcorebands hätte stammen können.
Der Gesang ist ein hervorstechendes Element von Blinded By Trust, da die drei Schreihälse die Songs zusätzlich nach vorne peitschen und für Abwechslung sorgen. In den Refrains wird dann schon mal gemeinschaftlich ins Mikro gegröhlt. Textlich dreht es sich bei den Niederländern um die szeneüblichen Themen: Gewalt, Lügen und Heuchlerei hier, Stolz, Loyalität und Ehrlichkeit da. Aus diesen Gegensätzen bezieht das Quintett seine Wut und Power für diesen auf CD gepressten Schlag in die Fresse.
Was ein wenig stört ist die Aufmachung des Backcovers. Die Songtitel sind beinahe willkürlich angeordnet und man muß schon das Booklet bemühen, um den gerade laufenden Titel zu identifizieren.
Nichtsdestotrotz ein tolles Album einer recht jung wirkenden Band, das durchaus an die Werke der alten Hasen anknüpfen kann.
Im Song „Tears In October“ heisst es: „This is life, this is war, this is all, hardcore.“ In diesem Sinne...
Tracklist:
Lineup:
1. You Never Again
2. Rise Or Fall
3. Tears In October
4. Broken Words
5. La Famiglia
6. The Good Get Hurt
7. Justice Will Prevail
8. The Truth Rewritten
9. When Time Stands Still (Bonus Track)
musikalischer Background des Verfassers Anfänge mit 80er Heavy- und 90er Death-Metal, inzwischen findet auch alles jenseits des metallischen Paralleluniversums bei mir Gehör
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