Vitamin B ist sicherlich eine der besten, wenn nicht die beste Möglichkeit, in der großen weiten Welt des Musicbiz einen Fuß in die Tür zu bekommen. So geschehen bei der schwedischen Formation Degradead, deren Demo einem gewissen Jesper Strömblad sehr zuzusagen schien. Der In Flames-Mastermind holte sich die fünf Jungs kurzerhand ins IF-Studio, um dort ihr Debüt „Til Death Do Us Apart” zu produzieren.
Bereits beim fulminanten Opener wird die Marschrichtung klar: Hier gibt es allerfeinste Göteborg-Schule. Bevor jetzt aber einige die Augen verdrehen und befürchten, dass hier die x-te billige Retorten-Combo am Start ist, sei erwähnt dass der zelebrierte Melodic Death nicht nur qualitativ hochwertig ist, sondern auch um zwei gegensätzlich erscheinende Aspekte angereichert wurde, ohne dass sie kontraprodutiv wirken, im Gegenteil.
Während sich die Gitarren bei einigen Songs ziemlich weit in den Thrash-Bereich wagen, lockert der klare und zum Teil mehrstimmige Background-Gesang mit seinen verträumt-melancholischen Gänsehaut-Einlagen das Riffgewitter wieder auf.
Aber auch die bekannten Markenzeichen des Melodic Death werden mit einer erfrischenden Leichtigkeit umgesetzt, dass es eine wahre Freude ist. Das Gespür der Band für mitreissende Melodiebögen ist immens, da kann man durchaus mit den Aushängeschildern des Genres mithalten. Auch die dezent eingestreuten Akustik-Passagen und das komplett akustische Schluss-Instrumental stehen Degradead gut zu Gesicht. Shouter Mikael Sehlin rundet die treibenden Songs gekonnt ab, indem er die Texte mal in tieferen, mal in höheren Lagen ins Mikro bellt.
Ausfälle sucht man auf „Til Death Do Us Apart“ vergeblich, dazu kommt das ganze Album einfach zu homogen daher. Ganz besonders haben es mir „Take Control“, „Pass Away“ und „The Fallen“ angetan. Die ganz großen Überraschungen gibt es nicht, aber das würde dem Album auch nicht gut tun.
Ich würde mit der Beweihräucherung nun wirklich nicht so weit wie Herr Strömblad gehen, der in Degradead die Zukunft des Metals sieht. Dennoch kann man sich dem Charme ihres Debüts kaum entziehen.
In ihrer Heimat Schweden konnte das Quintett durch ihre Konzerte bereits eine Anhängerschar für sich gewinnen. Wenn es für die Band dieses Jahr mit Dimension Zero auf Tour geht, werden sicherlich einige Metalheads dazukommen. Degradead haben definitiv das Zeug dazu, aus dem Schatten ihrer großen Brüder herauszutreten.
Tracklist:
Lineup:
01. Genetic Waste
02. Take Control
03. Pass Away
04. Burned
05. Relations To The Humanity
06. The Bloodchain
07. The Fallen
08. Day Of The Dead
09. Resemblance Of The Past
10. Reborn
11. Til Death Do Us Apart
musikalischer Background des Verfassers Anfänge mit 80er Heavy- und 90er Death-Metal, inzwischen höre ich sehr breit gefächert, ca. 80% Metal / Rock etc. und 20% anderes Zeug (EBM, Pop, ...)
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