Als Sänger Jioti Parcharidis bei Victory einstieg, nahm ich an, damit würden Human Fortress das Zeitliche segnen oder zumindest die überregionale Bühne verlassen. Denn solche Ausnahmestimmen gibt es nicht viele in unseren Breiten. Doch es sollte anders kommen. Mit dem Ende von Galloglass war deren Sänger arbeitslos. Die Verbindung lag also nahe, und schon die ersten Takte von „Eternal Empire“ machen deutlich, dass Carsten Frank die entstandene Lücke mehr als nur füllen kann. Aber auch ein Platz an der Gitarre und der Stuhl hinter dem Schlagzeug mussten neu besetzt werden. So begegnen uns lediglich mit den Gründungsmitgliedern Torsten Wolf und Pablo Tammen bekannte Human Fortress Gesichter. Alle anderen sind neu.
Daher verwundert es wenig, dass auch der Human Fortress Sound runderneuert erstrahlt. Nach einem Druck auf „Play“ denkt man zunächst unweigerlich an Brainstorm. Oder auch Symphorce. Dann bricht der Gesang aus der Strophe aus und man erkennt die Stimme von Carsten Frank. Plötzlich ein Break, und eine Frauenstimme bricht fragil durch die metallische Wand. Anschließend lässt sich der neue Frontmann sogar zu ein paar Grunzern hinreißen, nur um im knackigen Refrain wieder mit seinem typischen Organ zu überzeugen. Derart abwechslungsreich steigen die Hannoveraner in ihr neuestes Werk ein. Fette Riffs, anspruchsvolle Soli, eine tighte Rhytmussektion und durchdachte, dennoch eingängige Arrangements komplettieren den fantastischen Opener „Contrast“, der in seinen nicht ganz vier Minuten mehr bietet als manche Komplettalben. Und die erstklassige Produktion von Carsten Frank sorgt für das entsprechende Ambiente.
Da hat sich also einiges bei Human Fortress getan. Besonders auffällig wird der Wandel durch den Gesang des neuen Frontmanns, dessen facettenreiche Interpretationen wirklich beeindrucken. Selten wurden derartig viele Klangfarben auf einer einzigen CD intoniert. Das ist manchmal etwas zu viel des Guten. Doch mitreißende Refrains mit tollen Hooklines fangen den Hörer immer wieder ein, wenn er bei den ausdruckstechnisch wechselnden Intonationen von Carsten den Faden zu verlieren droht. Insgesamt hat die Band fühlbar an Härte zugelegt und klingt deutlich moderner als bisher. Dabei tangiert man stellenweise sogar die Grenzen des Thrash Metal.
Nicht jeder Song gefällt mir. Der Stampfer „Borders of insanity“ ist mir zu sparsam instrumentiert. Soundsamples und Rhythmuswechsel sorgen hier dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Insgesamt ist dieser Track aber nicht so gelungen. Wirkt, als hätte man ihn am Reißbrett konstruiert. Freunde des bisherigen Schaffens der Band kommen wahrscheinlich bei Songs wie „The Wizard“ und „Lions Den“ am ehesten auf ihre Kosten. Anhänger moderner Sounds halten sich dagegen an das Pantera-lastige „The Raven“. Meine Favoriten sind, da ich ja bekanntlich True Metaller bin, trotz allem die melodischsten Songs des Albums. Und das sind das grandiose „When Love And Hate Collide“ und das balladesk epische „Falling Leaves“. Aber auch das schön aggressive „Circle Of Flames“ weiß zu überzeugen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist das eigentliche Highlight wahrscheinlich „Under The Spell“, das die Band extrem erwachsen und eigenständig präsentiert. Human Fortress schlagen hier die architektonisch perfekteste Brücke zwischen Tradition und Moderne, die ich bisher gehört habe. Sollte es ihnen gelingen, auf dem nächsten Album mehr Songs von diesem Kaliber zu bringen, könnte das der ganz große Wurf werden. Der Anfang ist auf jeden Fall gemacht.
Tracklist:
Lineup:
1. Contrast
2. Borders Of Insanity
3. The Wizard
4. The Raven
5. When Love And Hate Collide
6. Under The Spell
7. Lions Den
8. Circle Of Flames
9. Falling Leaves
8.5 Punkte von Christian (am 24.04.2008)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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