Ein frischer Doombrocken aus dem noch jungen Label Final Chapter Records ist uns da ins Haus geflattert. 1998 gegründet, soll das Trio ein Schlag gegen den Stoner Rock darstellen.
Markige Sprüche, bislang wesentliches Lebenszeichen des Circle Of True Doom, und ein trotz Brueghel-Gemälde etwas schäbig anmutendes Artwork wollen wir mal ignorieren...
...um in die Musik einzutauchen, los geht's:
The Awakening. Eingeleitet von einem sinistren Höllenfolter-Intro, mit dem Schlagen eines monströsen Herzens als Ausklang, walzt ein schleppendes, von Saint Vitus nahezu geklautes Riff mit Lead heran, das die bösartige Atmosphäre perfekt auf Gitarre, Bass und Drums überträgt. Schleppend geht's weiter, die Stimme erzählt gequält vom Erscheinen einer gepeinigten Kreatur, der jede Ruhe verwehrt ist... Stöhnen, dann Raserei auf gequältem unterem Midtempo und zurück in den Lavastrom. Der Gesang ist für mich definitiv die 2te Parallele zu St. Vitus: Doom, gleich welcher Art, entfaltet seine wahre Macht über uns erst mit einem Sänger, der den Metal-typischen Pfad des Melodienreitens zu verlassen bereit ist, und das entscheidende desolat-narrative Element in seinen Gesang legt. Scheint, als gäbe es hier einen Mann am Mikro, der uns düstere Geschichten vom Schicksal gekonnt erzählt.
Ein ca. 1 Min 35 langes Solo of pain zerrt uns dann in einen tiefen Abgrund, wo der schiere Haß über uns herfällt und uns bis zum Ende des Stückes nach über 9 Min mit schweren
Stiefeltritten Staub fressen läßt...Irre!!!
The Judge. Ein weiterer tonnenschwerer Haßbrocken. Sehr groovig und ohne Wüstenritter-Allüren. Unser unheilvoller Richter wird uns vorgestellt, und zwar auf sehr epische, getragene Art - weichgespült klingt hier nix. Ein Morgengrauen mit Betonung auf Grauen, wir erahnen bereits das Urteil. Klasse Gesangsleistung! Diesen Song schmälert selbst das teilweise etwas dürftig klingende (trotzdem aber songdienliche) Solo kein Stück.
The Jury. Ein primitives aber schaurig-schönes Vorspiel erinnert im Sound ein wenig an Burtons legendäres Pulling Teeth, dann stampft die Jury uns ein. Kennt und mag einer von Euch die The Passage von IRON MAN? Hier gibt's quasi etwas Nachschlag dazu! Aaah, wie gut das tut.
Broken on the Wheel. Ein infernalisches Rythmusmonster, dabei geht es nun auch etwas schneller zur Sache. Und auch das steht den Jungs ganz ausgezeichnet. Bösartige Drums, kickendes Riffage, hier sollten auch Thrasher (Thrash, nicht Maidengeklöppel mit Mickymauskreischen oder Metalcore-whimpness) mal reinhören, wenn es nicht immer Uptempo sein soll. Für mich einer der schönsten Foltersongs seit dem bedauerlichen Ende von Autopsy.
The Executioner. Ein mächtiger Heavyrocker. Live bestimmt ein Garant für blaue Flecken, was im Doom ja nun nicht alltäglich ist. Sollte den Schwermetall DJs unseres Vertrauens nachhaltig zugetragen werden. Aaaarrrgh Bier her! Chicks her!! Death to false Metal!!! Das Teil macht unglaublich Bock auf Randale, Freunde.
Blessed Pathway to the Celestial Kingdom. Kann ein Stück majestätisch und fragil zugleich klingen? Es kann, wie dieses wunderschöne Instrumental beweist. Taktisch geschickt plaziert fängt es die Raserei des Executioner auf und bringt uns wieder runter auf den Doomteppich. Was den Rhythmus in der Songabfolge angeht, verstehen G.O.S. ihr Werk also bestens.
The Burial. Reverend Bizarre Jünger aufgepaßt! How slow can we go? Too slow, too fucking slow! Sitze ich noch zwischen meinen Speakern oder zwischen zwei Mühlsteinen?! Wer mit plötzlichem Druckaufbau nicht klarkommt, sollte spätestens jetzt für Ruhe sorgen. Allen anderen empfehle ich, alles an Bass reinzudrehen, was geht, um sich königlich zermalmen zu lassen. Hier machen auch die Leads einen zähen perversen Spaß, der in den Ohren klebt!
Definitiv der morbideste Song auf dieser an sich schon morbiden Fleischplatte und ein Ausklang, wie er treffender nicht sein könnte.
Fazit: Wer St. Vitus, Rev. Bizarre und die genialen Iron Man mag, muß zugreifen. Wer Lust auf eine finster-bösartige Winterplatte hat, die gern monolithisch schleppend sein darf, sollte zugreifen oder zumindest reinhören. Die drei verstehen ihr Handwerk. Sie erzählen schaurige apokalyptische Geschichten mit viel Seele und einem sehr sicheren Gespür für Rhythmus und Spannung. Insgesamt glänzt die Scheibe mit einer selten gehörten atmosphärischen Dichte, die fast durch die Bank nur mit Gitarre, Bass, einem verdammt gut betonenden Drumming und packendem Gesang erzeugt wird. Die Produktion hat für mich bereits Referenzcharackter. Achtet mal auf die Bassdrum!!!
Punktabzug gibts eigentlich nur wegen der lausigen Verpackung (die aber immerhin alles enthält, was man braucht) und weil hier und da die Soli noch nicht ganz ausgereift klingen.
Langsam zeichnet sich also das Trademark der Bands ab, die sich im Circle Of True Doom zusammenfinden: Die unverzichtbaren Werte des Doom Metal, wie Überflüssiges wegzulassen und sich auf ein songdienliches Komponieren zu besinnen, sind das Manifest derer, die hier, auf lieb gewonnener Tradition aufbauend, etwas Ergreifendes schaffen, das noch viele unnütze Trends, Zeitgeistneurosen, Stilblüten und Eintagsfliegen im Metal überdauern wird. Doom ist ewig. Wer Kitsch will: Asphixiate in Peace!!!
Morti
P.S.: Die Jungs spielen auf dem DSR III im nächsten April, wo es dann diesen Leckerbissen limitiert auf Vinyl geben wird. Be there or rot.
8.5 Punkte von SacredMetalMichael (am 23.11.2004)
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musikalischer Background des Verfassers Doom, Death, Thrash, Space Rock, Psychedelia, Jazzrock
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