Durchaus bemerkenswert, diese Jungs aus Tuttlingen: Nachdem sie vor gerade mal zwei Jahren im tiefsten Süden der Republik zusammenfanden, gab es bereits einschneidende Veränderungen, was die Besetzung, den Bandnamen und die musikalische Ausrichtung betrifft. Kein Wunder also, wenn das hier Dargebotene alles andere als ausgereift klingt.
Seit der Umbenennung von Anger Management zu CROWNSTREET BOULEVARD scheinen sie aufgeschlossener geworden zu sein und haben unter anderem seichte Rockelemente für sich entdeckt, was die Musik insgesamt etwas kultivierter, aber dennoch dröge rüberkommen lässt. Vorher war ihr Stil rauer und verbitterter.
Dabei fängt alles vielversprechend an. Der Opener startet mit Regen, Gewitter, einer kleinen Kirchenglocke und man hört jemanden mit Kreide an einer Tafel schreiben.
Die folgenden Songs reissen einen aber nicht vom Hocker. Der sonst so energiegeladene Hardcore degeneriert zum Wattebausch-Core. Gerade die Versuche der Band Gas zu geben, verpuffen einfach durch harmlose Riffs, dem dumpfen Sound und die Einbindung leiser und langsamer Parts. Dieser experimentelle Aspekt wiederum ist CROWNSTREET BOULEVARD zu Gute zu halten. Akustik-Parts, Tempiwechsel sowie verspielte Melodie-Einsprengsel unterstreichen eine düstere Grundstimmung. Dazu geht auch die schlaffe Produktion wieder konform.
Während es die Instrumental-Fraktion geradezu gemächlich angeht, wirkt der Shouter angepisst und resigniert, ohne dabei aber auch wirklich zwingend zu sein.
Ironischerweise scheint die Band es sich übrigens zur Aufgabe gemacht zu haben, ihre „Notes And Words“ nur bedingt zugänglich zu machen, denn es sind nicht nur einige Songtexte unvollständig bzw. fehlen ganz, es sind auch manche Wörter auf eine komplette Zeile auseinandergezogen, so dass zwischen den einzelnen Buchstaben gewaltige Lücken klaffen. Ein Hoch auf den Layouter! Außerdem wirkt die Rumspielerei mit Interpunktionen in den Titeln eher albern als alles andere.
Fazit: Vielleicht sollten die vier Baden-Württemberger sich zu noch ruhigeren und experimentelleren Ufern aufmachen, denn mit derlei Hardcore ist mit einem Durchbruch wohl kaum zu rechnen.
musikalischer Background des Verfassers Anfänge mit 80er Heavy- und 90er Death-Metal, inzwischen findet auch alles jenseits des metallischen Paralleluniversums bei mir Gehör
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