Nach dem -für meine Begriffe- eher belanglosem Debüt „Hail the Big Boy“ hat es den Künstler in die USA getrieben, um neue Kraft zu tanken. Siehe da, mit „Ponygirl“ präsentiert sich der Herr samt seiner Mitstreiter etwas gradliniger, ausgefallener und irgendwie fröhlicher als es noch beim Vorgänger der Fall gewesen ist. Diejenigen, die sich mit dem Debüt angefreundet haben, werden auch hier sofort die Handschrift des Big Boy erkennen. Ganz klar.
Das neue Werk ist aber nicht mehr als reine Kopie zu den zahlreichen vergleichbaren Künstlern der Goth-Industrial-Szene zu sehen, es ist mehr Big Boy-lastig, als man es vermuten würde. Rockiger, gitarrenlastiger und irgendwie abwechslungsreicher.
Doch bevor ich hier nur Lob ausspreche, muss ich euch bremsen. Erwartet hier nicht die absolut geniale Scheibe, denn auch „Ponygirl“ bietet nicht wirklich das Ausnahmewerk oder gar eine Reihe an coolen Songs aus dieser Szene.
Um jetzt niemanden durcheinander bringen zu wollen, möchte ich es nochmals verdeutlichen. Big Boy hat sich weiterentwickelt, das steht fest. Und mit diesem Eifer will er wohl seine Zukunft auch gestalten, da sage ich schon mal: gut so. Aber trotzdem ist es nicht das Maß aller Dinge, was die Songs im Einzelnen bei diesem Zweitwerk anbelangt. Es sind überwiegend stinknormale Industrial-Rock Songs, die einen kleinen düsteren Gothic-Charakter besitzen und die man auch von eben anderen Künstlern des Mainstreams und vor allem des Undergrounds vermuten würde. Jedoch versucht Big Boy dieses Mal alles irgendwie besser zu gestalten, eher korrekter und doch ansprechender. Zumindest bei einigen der Songs. Es klingt nicht mehr so dermaßen übertrieben, egoistisch und eben selbstverliebt.
Anspieltipps gefällig? „Love Is Almost Perfect“, „Heroin Heroin” und das Titelstück.
Eher unpassende Songs dieses Albums: das langsame Stück „Mermaid“, welches auch von einer Band wie Tokio Hotel hätte stammen können, „Terror Era“, der Remix von „Love Is Almost Perfect“ als auch die Ballade „You Said“, die einfach mit dem aufgesetzten kratzigen Gesang nicht zusammenpasst.
Was noch positiv zu bewerten wäre, das gesamte Album wird, ich zitiere: „…als physisches Produkt inklusive Versand 100% kostenlos unter http://www.paywithoutmoney.com vergeben….“ (Quelle: Presseinfoblatt – Leitmotif MMP und Website PayWithoutMoney.com). Das ist eine durchaus faire und „fanfreundliche“ Geste, muss ich schon sagen. Doch Kritiker werden wohl in einer solchen „Vermarktung“ ihre Tücken und bestimmten Gründe suchen & finden.
Fazit: Big Boy gibt nicht so schnell auf und das ist schon mal positiv zu werten. Er weist auch mit „Ponygirl“ eine Steigerung zum Debütalbum auf - ideenreicher und nicht übermäßig selbstverliebt. Aber trotzdem, nur was für die ganz treuen Fans des Industrial-Goth-Rock (Underground!).
Tracklist:
Lineup:
01. Intro
02. Terror Era
03. Ponygirl
04. My Own Rules
05. Love Is Almost Perfect
06. Heroin Heroine
07. Mermaid
08. Ships
09. I Hate Myself
10. You Said
11. Diese Welt
12. Love Is Almost Perfect (Club Remix)
4.5 Punkte von Arturek (am 28.10.2009)
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musikalischer Background des Verfassers ...sehr viel
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