Was kommt wohl dabei heraus, wenn sich drei Ausnahmemusiker wie die Herren Glenn Snelwar, der bereits mit Szenegrößen wie Sean Malone, Trey Gunn (King Crimson), Sean Reinert (Cynic) und John Myung (Dream Theater) gemeinsam unter dem Namen Goardian Knot musiziert hat, Michael Manring, der bereits auf über hundert Studioprojekten als Sessionmusiker mitgewirkt hat, und Mark Zonder, welcher mit seinem herausragenden Schlagzeugspiel als Teil von Fates Warning nicht wegzudenken ist, zusammenfinden, um ein Instrumentalalbum aufzunehmen? Diese Frage hat sich mir sofort gestellt, als ich diese CD bekommen habe.
Ich muss zugeben, dass ich doch schon ein wenig die Sorge hatte, dass dieses Album als Medium dazu dienen könnte, die technischen Fertigkeiten der drei Künstler dem geneigten Hörer zu präsentieren, und somit der Hauptaugenmerk dieses Albums nicht auf ausgereiften Kompositionen, sondern auf dem Ausleben der wildesten Spielereien auf den Instrumenten liegen könnte, so dass dieses Album lediglich für Musiker geeignet ist. Aber um es vorwegzunehmen, diese Sorge war unbegründet. At war with self bieten wirklich ausgereifte Kompositionen, die zwar mehrere Hörgänge brauchen, um sich dem Hörer in ihrer Gesamtheit zu erschließen, jedoch dann wie aus einem Guss und nicht ansatzweise gekünstelt klingen.
Insgesamt bewegt sich das Album in einem relativ ruhigen Tempo, wobei die stilistische Variabilität immens ist. Auf typischen Elemente des Prog-Rocks aufbauend, scheuen die drei Jungs auch nicht vor dem Einsatz von fremden Stilmitteln zurück, welche unter anderem in der Country-, Jazz-, Folk- und sogar orientalischen Musik ihre Heimat finden. Hierbei sei darauf verwiesen, dass ein Großteil der Gitarrenarbeit im akustischen Bereich anzusiedeln ist, und auch vor dem Einsatz einer Mandoline als Melodieinstrument nicht zurückgeschreckt wird. Dennoch ist dieses Album insgesamt nichts für zarte Gemüter, was neben dem teilweisen Einsatz von nicht akustischen Gitarren und einem guten Sound nicht zuletzt an der präzisen Rhythmus- und Bassarbeit der Herren Zonder und Manring liegt.
Obwohl sich die Kompositionen insgesamt auf einem sehr hohen künstlerischen Niveau bewegen, springt leider nur sehr selten der Funke über, der den Hörer in wahre Begeisterungsstürme versetzt, wie es dem Dreier bei dem grandiosen und sehr beruhigend rüberkommenden „Coming home“ (der ideale Song zum Entspannen und Abschalten) oder dem das Album abschließenden „At war with self“ gelingt. Bei letzterem werden zwei unterschiedliche, sich immer wieder abwechselnde Themen fließend ineinander verschachtelt, so dass passend zu dem Titel des Songs das Gefühl entsteht, dass hier hervorragend die innere Zerrissenheit einer Person in musikalischer Art und Weise dargestellt wird.
Obwohl dieses Album keinen Meilenstein in der Geschichte des Prog-Rocks darstellt, ist es dennoch eine äußerst erfrischende Abwechslung für jeden, der auf technisch und kompositionell anspruchsvolle Musik steht, jedoch auch vor einem reinen Instrumentalalbum nicht zurückschreckt. Also los, gebt diesem Album eine Chance, diese hat es sich wirklich verdient.
Tracklist:
1. The God Interface
2. Torn between Dimensions
3. A Gap in the Stream of Mind – Part one
4. Grasping at nothing
5. Coming Home
6. The Event Horizon
7. A Gap in the Stream of Mind – Part two
8. Run
9. A Gap in the Stream of Mind – Part three
10. At War with Self
Line-up:
Glenn Sneiwar – Guitars, Keyboards,Mandoline
Michael Manring – Bass
Mark Zonder - Drums
6.5 Punkte von Nekrob (am 02.05.2005)
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