Heute ist es an der Zeit, eine der außergewöhnlichsten und eigenständigsten Black Metal-Bands aus heimatlichen Gefilden zu verehren, welche zwar seit geraumer Zeit nicht mehr unter uns weilt, jene posthume Ehrung dennoch mehr als verdient hat. Die Rede ist von Nagelfar, welche auf unserer Seite zwar schon mit einem Interview vertreten sind (ganz nebenbei erwähnt handelt es sich hierbei um das letzte Interview vor dem Split!), nun endlich auch in Form einer Rezension ihres letzten Werkes „Virus West“ Beachtung finden soll.
Das ist es also, das letzte Nagelfar-Album. Hätte ich bei Erscheinen dieses schwarzen Manifests im Jahre 2000/2001 bereits gewusst, dass dies das letzte Erzeugnis Nagelfars ist, ich wäre unendlich betrübt gewesen, da die 62 erschallenden Minuten erlesener Schwarzmetallkunst schlicht und ergreifend besser nicht zelebriert werden könnten. Dennoch ist „Virus West“ weit von Nagelfars kongenialem Einstand „Hünengrab im Herbst“ und beinahe noch weiter von dem experimentellen Kapitel „Sronntgorth“ entfernt, jener Umstand ist es jedoch gerade, welcher die Band zu etwas so Besonderem macht. Jedes Album eine Neudefinition – eine Katharsis von Vergangenem und dennoch ist jederzeit erkennbar, wessen Handschrift die mächtigen Stücke tragen. So auch auf „Virus West“: Zingultus, Zorn und Alexander von Meilenwald haben wirklich ein Gespür für faszinierende, niemals langweilige Zehnminüter, gleich vier der sieben Tracks überschreiten jene Marke mehr oder weniger deutlich. Schon der Opener „Hellebarn“ mit seinem genialen Text, den sägenden Gitarren und den agonisch und gepeinigt herausgeschrienen Vocals jagt dem Hörer eine wahre Gänsehautparade über die Haut, jedes Break sitzt, jeder Temopwechsel entfaltet Unmengen pulsierender, schwarzer Energie. Als ob damit nicht genug, bietet „Virus West“ neben einem kurzen titelgebenden Zwischenspiel fünf andere Granaten feinsten Black Metals, unerreicht kraftvoll und energiestrotzend produziert, lyrisch wie auch musikalisch zur absoluten Speerspitze gehörend. Wahrlich, neben Lunar Aurora, Secrets Of The Moon sowie mehr und mehr auch Nocte Obducta gehörten Nagelfar zweifelsfrei zu den interessantesten deutschen Black Metal-Kapellen und auch wenn „Virus West“ nicht mit dem sphärischen Dimensionenschweben auf „Sronntgorth“ oder der mystisch-verklärten Grundstimmung auf „Hünengrab im Herbst“ zu vergleichen ist, vielmehr das archaischste und raueste Werk der Aachener darstellt, reiht es sich nahtlos in die beeindruckende wenn auch kurze Diskographie Nagelfars ein. Dabei ist das wirklich Erstaunliche an jener Formation, dass sie es vollbracht hat, trotz stetigen Wandels drei ebenbürtige Scheiben und ein jedes Mal den ureigenen Stil abzuliefern, ohne Trends hinterherzuhecheln oder auf Modeerscheinungen zu schielen. Nein, Nagelfar waren stets Nagelfar und auch wenn das frühzeitige Ableben der Band ein schmerzhaftes Loch in der deutschen Black Meta-Bewegung hinterlassen hat, lebt der Geist dieser ehrbaren Band in Projekten wie Graupel oder Ruins Of Beverast fort.
Tracklist:
Lineup:
1. Hellebarn
2. Sturm der Katharsis
3. Hetzjagd in Palästina
4. Westwall
5. Fäden des Schicksals
6. Protokoll einer Folter
7. Meuterei
8. Bieter des Kampfes (Bonustrack only on LP)
9. Transilvanischer Hunger (Bonustrack only on LP, cover from Dark Throne)
9.5 Punkte von Björn Springorum (am 17.05.2005)
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musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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