RPWL haben als Pink-Floyd-Coverband angefangen und spielen seit einigen Jahren eigene Songs ein. Jetzt bringen sie ihre erste Live-Scheibe als Doppel-CD heraus, die sie auf der vor kurzem beendeten Deutschlandtour aufgenommen haben.
Im Konzert klingen die Jungs rockiger als im Studio. Gerade die 2005er-Platte World Through My Eyes ist fast unerträglich weichgespült und erinnert trotz eigentlich netter Ideen eher an Reamonn-Gekuschel. Etwas härter gehen sie also auf der Start the Fire vor, aber erwartet keinen Metal, das ist nicht mal Hardrock-Tempo. Wer gemütlichen und sehr melodiösen Poprock erwartet, mag zufrieden sein. Die Songs sind mir jedoch entweder zu langweilig oder klingen doch wieder nach Pink Floyd und Genesis: Fast jede Überraschung, die diese Seichtigkeit durchbricht, lässt ein markantes Soundschnipselchen ihrer Vorbilder bei mir aufblitzen.
Und dann die Stimme: Yogi Lang hat eine englische Betonung drauf, die ich grässlich finde; ich kann sie nicht direkt als bayrischen (sie stammen aus Freising bei München) oder deutschen Akzent identifizieren, aber irgendwas zuckt in meinem Ohr unangenehm zusammen. Klang und Flexibilität liegen grob im Bereich von Spock's Beard und Konsorten, nicht so weit weg vom älteren David Gilmour. Alles traut Lang sich auch gar nicht zu, und so haben sie schon für die Studioaufnahme Ray Wilson zur Hilfe geholt, den ehemaligen Stiltskin- (von denen ist Inside, dieser Song aus einer Jeanswerbung 1994, der dann zum Hit wurde) und nun Genesis-Sänger. Er leiht Roses seine Stimme, was die Qualität tatsächlich etwas anhebt, aber dennoch nur einen ruhigen Poprock-Song entstehen lässt. RPWL hat Wilson auch für das Rockpalast-Konzert in Bonn gewinnen können, von dem die Aufnahme stammt, sowie für die Konzerte in Celle und Eschwege vor zwei Monaten. Ein neuerer Genesis-Song beendet Wilsons Gastauftritt. Den Schluss der ersten CD bilden einige Songs, die dann doch wieder weniger rocken als die ersten. Trying To Kiss The Sun ist ein halbwegs versöhnlicher Abschluss der ersten CD mit mir aber zur penetranter Stimme.
Die zweite CD lässt hingegen hoffen. Die Eigenkomposition World Through My Eyes klingt emanzipierter und ist spannender gespielt. Ganz ohne Zitate geht's auch hier nicht, aber die Band nutzt sie stärker als Anregungen für eigene, konsequenter ausgebaute Ideen. Selbst Lang scheint sich mehr Mühe zu geben. Geht doch. Es folgt der Titelsong von Syd Barretts (der Kreativkopf hinter den ersten Pink-Floyd-Scheiben in den 60ern) 1988 veröffentlichen Platte Opel. Barretts Soloscheiben habe ich nie gehört (Asche/Haupt klar), RPWL spielt es im Stil der ersten Floyd-Livesessions auf moderne Art, die auch nicht zugedröhnt gefällt. Prima. Dann kommt Cymbaline von Floyds 69er-Scheibe More. Sie nehmen etwas den sanften subtilen Drive des Originals raus und hey, was ist das, da verstecken sie andere Songs, Atom Heart Mother, Echoes oder was von der Obscured By Clouds? Raa, erwischt, ich komm nicht drauf. 15 Minuten dauert das psychedelische Sammelsurium insgesamt, das macht neugierig, sich den alten Kram mal wieder anzuhören, das klingt gut, die alten Helden haben sie super drauf, ich hab sogar bei Langs Gesang einmal eine Gänsehaut bekommen. So packend spielen Floyd selbst ihren Kram seit 25 Jahren nicht mehr. Was hab ich mich gelangweilt auf der Momentary-Lapse-Of-Reason-Tour, grässlich, aber das ist eine andere Geschichte... Zurück zu RPWL, Welcome To The Machine (auf Floyds 75er Wish You Were Here) bleibt näher am Original und ist in dieser Form eher unnötig. Nach der belanglosen Eigenkomposition I Don't Know und dem ziemlich gut gelungenen Hole In The Sky schließt die Scheibe mit einem Studiosong ab, New Stars Are Born. Der ist etwas kürzer auch auf der SACD-Version der letzten Studioscheibe zu finden und nimmt -- weiter mir zu zitatlastig -- den Stil von Floyd-Scheiben wie The Wall und Momentary Lapse... auf.
Der Sound kommt für eine Live-Scheibe sehr sauber rüber. Das Publikum hört man nur zwischen den Songs, Ansagen der Bands fehlen fast völlig.
Insgesamt stehen zwei gute Songs und zwei geile Coverversionen -- zusammen keine 40 Minuten -- über 80 Minuten mittelprächtigem Rockpop gegenüber. Ob's gefällt, hängt vom persönlich benötigten Härtegrad ab, von der Affinität zu dieser Stimme und davon, ob man die Floyd-Zitate störend oder überhaupt wahrnimmt. Fans von RPWL werden an beiden Scheiben mit Sicherheit ihren Spaß haben, weil sie ein umfangreiches Bild der Band zeichnen und die Songs nicht stur in der Studioversion runterleiern.
4.5 Punkte von kacior (am 12.10.2005)
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musikalischer Background des Verfassers Progressive Metal, Heavy Metal, Melodic Metal, bisschen Gothic/Dark, aber auch ProgRock, Emo
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