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Vader "Langer Weg Bis Zum Durchbruch"
In Zeiten wo es mit dem DEATH METAL bergab ging und viele Metaller dem BLACK METAL den Vorzug gaben, hielten u.a. VADER die Fahne des keyboardlosen, brutalen TODES METALS hoch. Das große Engagement und die ständige Live - Präsenz ließen VADER bis zum DEATH METAL Olymp hinaufsteigen. Mit genialen Werken wie "De Profundis" spielten sie sich in die Herzen und Nackenmuskeln der Underground Fans. Jetzt wird geerntet. Ob die neuen Alben die Klasse der älteren Klassiker halten, oder überflügeln können, muß jeder Einzelne selbst beurteilen, doch auch große Magazine können die Stellung der vier Polen nicht mehr übersehen.
Weitere Infos zu Vader:
REVIEWS:
Vader The Art Of War
Vader The Beast
Vader Blood
Vader Revelations
Vader Impressions In Blood
INTERVIEWS:
Vader - Langer Weg Bis Zum Durchbruch
Vader - Metalglory-abc Mit Peter (vader, Panzer X)
LIVE-BERICHTE:
Vader vom 08.04.2004

Was gibt es Neues im Lager VADER. Wie läuft die Zusammenarbeit mit METAL BLADE?
Nun, jeder in der Band ist zur Zeit mit der Situation zufrieden. Was wir von dieser Zusammenarbeit erwarten, ist vor allem gute Promotion und Distribution, weil das, was wir bis jetzt als VADER erreicht haben, größtenteils unserer Live - Präsenz zu verdanken ist. Bis heute war es wohl schwer unsere CDs in den Läden zu bekommen. Ich denke, das wird sich jetzt ändern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, daß alle, die hier arbeiten, echte METAL Maniacs sind und wissen was sie tun. Wir fühlen uns hier verstanden und es existiert eine echte Zusammenarbeit. EARACHE war damals auch eine große Firma, doch dort wurden wir mehr wie Arbeitnehmer und nicht wie Partner behandelt.
 
Das Interview soll insgesamt eine kleine Retrospektive darstellen. Euere Anfänge reichen bis 1985 zurück. Was tat sich damals bei Euch, wie sah die Szene aus?
VADER entstand schon etwas früher. 1983 fing ich an als Bassist zu spielen, doch habe ich recht schnell das Instrument gewechselt. Von Anfang an wollten wir extrem spielen, doch dies bedeutete damals so zu spielen, wie JUDAS PRIEST, SAXON, IRON MAIDEN. Erst als ich 1984 "Show No Mercy" von SLAYER hörte, änderte sich mein Bild von extremer Musik. Da öffneten sich die Pforten und wir fingen an uns zu entwickeln. Du weißt aber, daß die damaligen Zeiten in Polen zwar schön, doch zugleich extrem schwer waren. Die größten Probleme gab es damals mit dem Equipment, dafür aber keine Schwierigkeiten Proben durchzuführen oder Konzerte zu geben. Heute ist es geradezu umgekehrt. Damals gab es aber auch eine extreme Hingabe und Begeisterung gegenüber der Musik. Es existierte eine große Freundschaft zwischen den einzelnen Bands. Dies ist einer der Punkte, die die damaligen Zeiten von den heutigen unterscheiden. Diesen Zusammenhalt würde ich mir heute mehr wünschen. Es sieht leider so aus, als ob die neuen Bands gegeneinander kämpfen würden. Die Kunst und Musik kann jemanden gefallen oder nicht, daß ist ganz subjektiv. Die Anfänge waren jedenfalls schwer. Wir haben auf hausgemachtem Equipment gespielt. Doch wir gingen hart nach vorne und keiner konnte uns von unseren Vorstellungen und Ideen abhalten. Das ist wohl auch der Grund, wieso VADER immer noch existiert. VADER waren damals nicht die einzigen Pioniere. Es existierten auch andere Bands die extrem spielten wie IMPERATOR, SLASHING DEATH (ex-Band von Docent - Tom), SLAUGHTER usw., doch keine der Bands bestand die Zeitprobe....
 
Und wie stand es damals mit der Zensur, wie beurteilst Du die gesamte Situation damals?
Natürlich gab es damals eine kommunistische Zensur. Betroffen waren davon jedoch politische Texte. Doch auch das konnten viele Bands durch raffinierte Ausdrucksweise umgehen. Doch VADER war nie eine politische Band. Wir hassen geradezu die Politik. Wir hatten daher keinerlei Probleme mit der damaligen Zensur. Es war eigentlich umgekehrt. Wir bekamen einen großen Proberaum in einer Fabrik umsonst, da einer der Musiker dort gearbeitet hat. Wir haben viel geprobt, es wurden Konzerte organisiert und wir konnten andere Bands einladen. Alles war etwas verrückt, viele Organisatoren verstanden nichts von Musik und empfanden es als puren Krach, doch es passierte was. Heute gibt es keine Kommunisten mehr, doch es existiert eine kirchliche Zensur, die um einiges gefährlicher ist. VADER hat jetzt sogar Probleme, einen Proberaum zu finden. Obwohl wir sehr viel im Vergleich zu anderen Bands in unserem Land erreicht haben, und sozusagen Botschafter des polnischen Rocks im Ausland sind, nur keine populäre Musik spielen, sieht es so aus, als ob uns keiner richtig wahrnehmen würde. Wir bekamen keinen Proberaum, nicht mal für viel Geld. Daß wir letztlich einen Proberaum gefunden haben, liegt nur daran, daß wir ihn nicht als VADER gemietet haben (!!!). Du siehst, wozu die Situation einen zwingen kann. Ähnlich sieht es für uns mit Konzerten in Polen aus. Wir spielen hier sehr selten. Wären nicht Konzerte im Ausland, so weiß ich nicht ob wir so weiter existieren könnten. Das Musikbussiness hat praktisch ein Monopol erschaffen, das nur Bands mit gutem finanziellem Backround existieren läßt. Es sind vor allem irgendwelche traurigen "Bands", die populäre Mucke machen. Der Metal wird immer noch als etwas böses, verachtungswürdiges angesehen. Die Metalbands werden immer wieder gejagt. Es reicht irgendein blöder Vorfall, wie in Ruda Slaska, wo irgendein Idiot einen anderen umgebracht hat und ein KAT T-Shirt anhatte. Es wurde sofort hochgespielt, daß alle Metaller Satanisten, Mörder und Sadisten sind. Es fand sich sogar ein unterlichteter "Politiker", der gesetzlich einen offizielles Verbot für Auftritte von ausländischen Metalbands durchsetzen wollte und die heimischen Metalbands rechtlich verfolgen wollte! Diese Leute sind geistig total begrenzt und wollen sich mit solchen Parolen nur Profit beschaffen. Das es nicht dazu gekommen ist, verdanken wir nur ein paar einigermaßen normalen Köpfen, denen diese mittelalterlichen Methoden zuviel waren.
 
Ich habe das Gefühl, daß auch die Musik und ihre Fans früher um einiges engagierter und ergebener waren. Heute ist alles so abgestumpft.
Ich denke genauso wie du. Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo es keine Konzerte von Bands wie SLAYER gab und ebenso keine LPs. Wir fuhren zu 500 km entfernten Orten um Demos und Platten zu überspielen, weil jemand gerade irgend etwas bekommen hatte. Wir lauschten der Musik in völliger Stille und waren bis ins Mark gerührt. Wir fühlten die Musik. Heutzutage schmeißt jemand eine neue CD ein, labert nebenbei, trinkt ein Bier und die Musik rauscht an ihm vorbei. Ich weiß noch, als wir mit 50 Leuten aus Olsztyn nach Warschau gefahren sind, weil dort ein Klub ein live Video von SLAYER hatte! Der Saal war voll und die Menschen flippten aus wie bei einem echten Konzert. Heute kommt eine große Band nach Katowice und die Leute sagen sich: "Katowice? Zu weit..." und gehen in eine Disko, um Tussis zu begaffen. Das ist der Hauptunterschied zwischen dem damaligen Metal - Underground und dem heutigen. Die Leute sind eigentlich noch da, doch die meisten kaufen ihre Kleidung zusammen mit dem Image im Supermarkt. Damals entstanden einmalige Kunstwerke, wenn jemand selber T-Shirts gemacht hat, die dann von Bullen vor der Konzerthalle abgezogen wurden. Gleich wurden neue gemacht. Insgesamt ein riesiger Unterschied. Wenn man sich an die damaligen Zeiten erinnert, so überkommt einen ein Schauer. Es waren schwere, weil kommunistische Zeiten, doch manchmal wünscht man sie sich für Augenblicke wieder zurück.
 
O.K. Jetzt reicht es mit der Melancholie und Trauerstimmung. Ihr habt in der Welt eine ansehnliche Fangemeinde und seid zugleich die erste Band aus Polen, die es wohl geschafft hat. Was meinst Du, sind die Gründe dafür? Die einzigen Bands, die einen gewissen Status besitzen sind wohl BEHEMOTH und in Polen natürlich KAT.
Ich weiß nicht, ob man sagen kann, daß wir es "geschafft" haben. Ich denke nicht, daß alles nur Glück, oder Schicksal war. Es war sehr wichtig, daß wir die erste LP bei EARACHE rausbrachten und dadurch die erste Tour durch Europa im Februar 1993 mit BOLT THROWER und GRAVE absolvierten. Gleich danach ging es in die USA mit DEICIDE. Das war mit Sicherheit sehr wichtig, da wir uns den Leuten zeigen konnten. Wir wurden damals noch als Exoten behandelt. Die meisten dachten, in Polen spielt man nur laschen Rock usw.. Es war ein Schock, als wir auf die Bühne kamen und alles niederrollten. Seitdem sind wir regelmäßig in den Staaten. Ähnlich verhielt es sich mir Europa, in vielen Ländern wurden wir begeistert aufgenommen. VADER ist trotzdem eine eigenartige Erscheinung und ich überlege manchmal auch, wieso die Situation heute so ist, wie sie ist. Vielleicht deshalb, weil wir immer das gemacht haben, was wir wollten und fühlten und uns nicht ablenken ließen von Trends? Wir haben nie an einen großen Erfolg gedacht. Wir spielen viele Konzerte, weil ich der Meinung bin, daß dazu die Metalbands da sind. Einen genialen Empfang bekamen wir überall auf der Welt, sowohl in Europa und in den USA, als auch letztens in Japan. Wir treffen in die Herzen vieler Metalfans aus aller Welt. Die Leute brauchen unsere ehrliche Musik, und so lange es so ist, so lange wird es VADER auch geben!
 
Jetzt zur eurer Musik. Alle Veröffentlichung von VADER sind sofort als die Euren zu erkennen. Die Ausnahme bildet vielleicht der Erstling "Ultimate Incantation" , der durch den Morrisound - Klang extrem amerikanisch klingt. Vielleicht liegt es auch daran, daß Ihr schon Jahre vor dem Debüt euren Stil entwickeln konntet. Ich bin persönlich von "De Profundis" am meisten begeistert und diese LP gehört zu meinen fünf besten Death Metal Alben der Welt. Welches ist Dein Lieblingsalbum?
Nun, das solltest du nicht mich fragen. Jede LP wurde mit dem gleichen Engagement und der gleichen Begeisterung aufgenommen. Es ist ein Teil unseres Lebens und unserer Emotionen. Alle Songs, die wir erschaffen haben, mag ich und freue mich einfach, daß ich die Kraft besitze, neue Songs zu schreiben. Ich denke, diese Frage solltest Du anderen stellen.
 
O.K. Welches ist dann das Wichtigste?
Aus unserem Blickpunkt ist jedes wichtig. Aus dem Blick der Karriere war es vielleicht die erste LP, da sie von einer damals großen Plattenfirma veröffentlicht wurde. Du hast "De Profundis" angesprochen. Nun, es war die Platte, welche die Maniacs lange erwartet haben, um zu sehen in welche Richtung VADER geht. Sie war ein Schock für die Death Metal Welt und wurde sehr gut aufgenommen. Sie hat die Meinung über VADER gefestigt und bewiesen, daß wir keine Exoten sind, sondern eine Death Metal Band auf hohem Niveau. Sie öffnete uns auch die Tore nach Japan. Ich denke es war einfach unsere zweite LP, (nicht mehr, nicht weniger) doch viele sind der Meinung, daß es ein großer Schritt nach vorne war. Ich freue mich darüber, und hoffe, daß auch über das neue Album so gesprochen wird. Die CD unterscheidet sich natürlich von den letzten, doch die Beurteilung liegt nicht bei mir.
 
Eure letzten Alben haben alle eine Länge von knapp über 30 min.. So ähnlich ist es auch bei anderen Bands, die eine extreme Art von Metal spielen (DEICIDE, IMPALED NAZARENE). Denkst Du, daß dies die perfekte Länge für solche Alben ist, oder macht Ihr das, weil es langsam zum Standard für solche Bands geworden ist? Ich finde es völlig O.K., da 60 min. solcher brutaler und schneller Musik zu viel wäre. Es gibt aber natürlich Leute, die es nicht mögen.
Ich weiß nicht, was die Norm oder Perfektion für Albumlängen ist. Eigentlich hast Du die Frage zum Teil selbst beantwortet. Wir spielen so intensiv, das 2 min. von uns soviel vermitteln können wie 5 min. regulären Spielens. Wir machen sehr komprimierte Musik. Wir könnten auf Biegen und Brechen auch 60 min. aufnehmen, doch dann würde die Musik irgendwo ihren Charakter verlieren und statt Emotionen vermitteln, Kopfschmerz verursachen. Wenn jemandem die halbe Stunde Musik nicht reicht, kann er schließlich das Album noch mal hören. Doch es ist wirlkich zu einem Klassiker für extreme Bands geworden, Alben zwischen 30 und 40 min. zu veröffentlichen. Unsere letzten beiden Alben "Black To The Blind" und "Litany" sind auch die extremsten und schnellsten in unserer Geschichte. Es überwiegen schnelle und kurze Songs. Dies liegt auch daran, daß im Gegensatz zu "Ultimate Incantation", wo die Songs schon einige Jahre auf dem Buckel hatten und oft überarbeitet wurden, die neuen Songs schneller entstanden. Das Aufarbeiten alter Ideen führt zwar zu ausgereifteren Songs, doch es kann auch die Intensität der Songs verringern. Unsere letzten Alben beinhalten ganz frische, energie- und emotionsgeladene Tracks. Das hat jedoch auch Einfluß auf die Länge der Songs und somit der CD.
 
Habt Ihr denn nicht vor das Tempo etwas zu drosseln? Persönlich habe ich ein paar langsamere Songs auf dem neuen Album erwartet.
Wir kalkulieren und rechnen vorher nicht aus, wie das Album sein soll. Zuerst so eins, dann solches... Ideen, die in einem Moment in unseren Köpfen entstehen, werden aufgearbeitet und so entsteht ein Song. Wer weiß, vielleicht wird unser nächstes Album langsamer? Generell ist VADER aber eine brutale Band, die noch nie wirklich langsam gespielt hat. Jedes unserer Alben wird für sich gesehen extrem ausfallen, auch wenn immer verschieden. Wir werden uns nicht verändern, wie z.B. KREATOR oder CELTIC FROST. Wir wollen keine Revolution innerhalb der Band. Jede Revolution bedeutet für mich eine ungeheure Veränderung und gibt mir zu denken, ob die alten Sachen auch ehrlich gemeint waren. Aber auch wir spielen mal langsamer. Vor allem live bringen wir immer ein Stück wie "Dethroned Emperor" (C.F) oder "Kingdom", alleine um unseren Drummer eine Verschnaufpause zu geben.
 
Ich habe mitgekriegt, daß Ihr im Studio zu schnell wart. Habt Ihr deshalb das Stück "The Final Massacre" (von erstem Album) nochmals aufgenommen?
Ja, Docent hat einfach zu schnell gespielt. Dieses Tempo hat keiner erwartet. Deshalb mußten wir zwei neue Songs schreiben. Diese Songs sind auch anders als die übrigen, vor allem in textlicher Hinsicht. Das Album beinhaltet ein lyrisches Konzept von Pawel Frelik. Die neuen Songs beinhalten Texte, die ich geschrieben habe. Sie handeln vom Krieg, von Kriegsmaschinen und der menschlichen Sucht nach Kraft und Macht. "Final Massacre" war dagegen für die Japanversion der CD gedacht. Der Song unterscheidet sich völlig von dem neuen Material. Wir hätten auch keine Zeit gehabt, noch einen wirklich guten neuen Song zu schreiben.
 
Wie verbindest Du eigentlich das Wirken bei VADER mit Deinem Privatleben?
Ich bin bei VADER für die ganze Pressearbeit, Interviews und so weiter zuständig. Ich habe auch eine Familie , so daß es schwer ist alles zu verbinden. Es wird immer schwieriger, alle Briefe zu beantworten und die alten Kontakte zu pflegen. Ich bekomme zwar immer wieder viele neue CDs und LPs, doch leider reicht die Zeit nicht um sich alle anzuhören. Ich habe einen sehr angespannten Terminplan. Das ist wohl auch einer der Unterschiede zu VADER der frühen 90-er. Doch ich kann nicht klagen, ich wollte es so haben.
 
Du bist das letzte Urmitglied bei VADER. Was bedeutet für Dich die Band?
VADER ist mein Leben. Es ist meine Arbeit, meine Emotion. Es dreht sich praktisch alles um VADER in meinem Leben. Deshalb mußte ich mich auch irgendwann entscheiden, ob ich wirklich spielen will. Ich wollte es und so mußte ich unter anderem das Studium abbrechen. Es gab keine Möglichkeit, diese beiden Sachen zeitlich zu verbinden. Es ist mit Sicherheit als ein sehr großer Erfolg von uns zu bezeichnen, daß wir jetzt unsere ganze Kraft der Musik widmen können. Obwohl wir keine reichen Rocker sind (was auch keiner von uns erwartet hat), so können wir doch von der Musik leben und müssen nicht noch zusätzlich arbeiten, um uns Brot usw. zu kaufen. Ich finde, das ist sehr bedeutend, und nicht viele Bands, die extreme Musik spielen , können das von sich behaupten. Es ist jedoch nicht umsonst. Es fordert den totalen Eisatz...
 
Ich denke, daß auch VADER früher nicht gerade zu den Trauergestallten auf Partys gehörten und nicht wenig konsumierten. Hat sich etwas geändert? Seit Ihr vielleicht erwachsener geworden?
Mit Erwachsenwerden hat unsere Entwicklung so viel zu tun, daß wir an einem gewissen Punkt feststellten, daß bei dieser Intensität des Lebens der Organismus keine täglichen Partys und Saufereien aushalten würde. Früher haben wir einfach weniger Konzerte gespielt und somit auch mehr Bier, Wodka und andere Sachen konsumiert. Doch das Leben hat uns gelehrt, daß wir vor dem Konzert absolut nichts zu uns nehmen. Die anderen Jungs mögen es, von Zeit zu Zeit etwas zu rauchen, doch nicht immer und in Maßen. Wenn es um Drogen geht, so hatten wir vor allem im letzten Jahr sehr große Probleme innerhalb der Band. Es kam sogar soweit, daß unser Drummer Docent ein paar Monate pausieren und auf der Tour mit SIX FEET UNDER von dem Musiker von YATTERING ersetzt werden mußte. Es geht hierbei nicht ums Rauchen von Gras oder anderen netten Dingen. Es war eine sehr ernste Sache und wurde zum Problem der ganzen Band. Der Erfolg von VADER ist stark mit der Person Docents verbunden. Es war wirklich schade um sein Leben und sein Talent. Wir haben ihm etwas Zeit gegeben, um über sich und sein Leben, nachzudenken. Er fing eine Therapie an. Ich will auch betonen, daß er nicht aus der Band rausgeschmissen wurde, sondern Zeit bekam, sich zu entscheiden! Zum Glück hat sich alles positiv entwickelt und Docent kehrte Ende August zu uns zurück. Wir haben lange miteinander gesprochen. Er war sehr engagiert und hat sich gewisse Sachen fest vorgenommen. Ich denke, daß gerade das Spielen ihm geholfen hat. Er übte in der Zeit sehr viel, um sich von dem anderen Scheiß abzulenken und kam in bester Verfassung zurück, was man auch auf "Litany" hören kann. Ich denke, die Scheiße ist hinter uns, und hoffe sehr, daß sich das Drogenproblem bei VADER niemals wiederholen wird!
 
Ihr habt auf dem METALMANIA Festival 1998 in Katowice zusammen mit JUDAS PRIEST gespielt. Ich weiß, daß Du ein sehr großer Fan dieser Band bist. War es für Dich so etwas wie eine Erfüllung?
Ja, ich bin ein seeehr großer JUDAS PRIEST Fan. Ich stand sogar Schlange, um ein Autogramm zu bekommen. Ich hatte die japanische Pressung von "Unleashed In The East". Es ist eine geniale und faszinierende Band. Ich muß sagen, daß ich mit größter Sorge den neuen Frontman Ripper erwartet habe. Doch der Junge ist sehr, sehr gut. Ich hatte vor den Augen, was bei IRON MAIDEN passiert war. Bei JUDAS PRIEST habe ich mich tierisch gefreut, daß sie einen solch genialen Sänger gefunden haben. Ich habe mit ihm gesprochen. Er ist selber ein fanatischer Fan von JUDAS PRIEST und Rob Halford. Auch Tipton, der sich nach dem Konzert etwas Flüssiges gegönnt hatte, war sehr offen für die Fans, und man spürte keine Rockstarallüren. Dies passiert da schon viel eher bei jungen Bands, die sich für den Nabel der Welt halten. (Besonders bei manchen Black Metal Kapellen - Tom). Ja genau (lacht...), doch dies ist deren persönliches Problem.
 
Ihr habt auch letztens mit TESTAMENT und SLAYER gespielt. Sie gehören zu den renommierten Bands aus einer anderen Region des Metals. Mit welchen drei Bands würdest Du am liebsten touren?
Wir spielen grundsätzlich mit allen, die in Ordnung sind. Es ist gut mit Leuten zu spielen, die nicht nur musikalisch etwas drauf haben, sondern auch menschlich O.K. sind. Eine Tour bedeutet nicht nur Konzerte spielen, sondern auch das Zusammensein nach dem Gig. Mein Traum wäre eine Tour mit SLAYER. Wir haben bis jetzt ein Konzert in Polen mit ihnen gespielt und ich habe mich daraufhin mit Tom Araya unterhalten. Er ist ein sehr optimistisch eingestellter Mensch, mit dem man sich normal unterhalten kann. Er guckte sich auch unser gesamtes Konzert an. Ähnlich verhielt es sich mit TESTAMENT. Nach den zwei Gigs in Polen entwickelte sich eine so gute Verbindung, daß nach dem Gespräch mit dem Manager eine große Chance besteht, daß wir sie auf einer Tour in die USA supporten werden. Auch das wäre ein äußert geiles Erlebnis. Insgesamt möchte man selbstverständlich mit seinen "Lehrern" spielen. Viele dieser Bands halten sich jedoch eher an ihre Musikrichtung beim Support und spielen nicht so extrem wie wir. Daß wir gerne mit ihnen spielen würden, bedeutet nicht, daß sie gerne mit uns spielen würden. Wir werden einfach schauen. Es werden Gespräche geführt. Unser Agent in den USA schrieb letztens, daß er mit dem SLAYER Management verhandelt, so daß wir vielleicht in der nächsten Zeit ein paar Gigs mit ihnen absolvieren.
 
Ich habe gehört, Ihr sollt mit DARKTHRONE spielen?!?
Nein, daß glaube ich nicht so ganz. Die nächsten Konzertpläne sehen folgendermaßen aus: Im April die NO MERCY FESTIVALS mit einer sehr starken Besetzung (DEICIDE, CANNIBAL CORPSE, IMMORTAL, MARDUK...). Ich denke, es ist ein bißchen zu viel für eine Nacht... Danach folgt die Tour durch die Staaten mit DISMEMBER, ANGEL CORPSE, KRISIUN und HATE ETERNAL. Anschließend unsere Headliner Tour durch Europa mit VITAL REMAINS, FLESHCRAWL und REBAELLIUN. Im Juli kommt dann Japan, dann hoffentlich eine Polen Tour. Und dann vielleicht der Support von SLAYER... (Hoffentlich!!!! - Tom)
 
Ihr spielt insgesamt sehr viel live. Wo fandet Ihr es am besten, wo am beschissensten?
Ich muß sagen, daß es generell keine VADER Gigs gab, die total scheiße waren. Es gab schlechter organisierte Konzerte, doch diese hatten auch ihren eigenen Charme. Wir nehmen vor den Gigs keine Selektion vor. Wir versuchen, jeden Gig so gut und emotional zu spielen, wie es möglich ist. Deshalb kann ich Dir nicht sagen, welcher der Beste und welcher der Schlechteste war. Die größte Überraschung stellte für uns das erste Konzert in Japan dar. Wir kamen ohne Erwartungen und wurden phänomenal aufgenommen. Volle Halle, die ganze Zeit durch Schreie. Sie kannten jeden einzelnen Song von uns und haben mitgebrüllt! Auch dort wird unsere Musik gebraucht. Richtig beschissene Sachen passierten bis jetzt noch nicht. Einen lustigen Vorfall gab es, als wir vor Jahren in Nienburg gespielt haben. Der dortige Pastor versuchte, die Leute zu überzeugen, daß Satanisten in die Stadt kommen, und man sich von ihnen fernhalten müsse. Er hat eigentlich nur richtig Werbung für uns gemacht.
 
Nun, zum befürchteten METALSTORM Standard. Ein paar kurze Sätze zu den jeweiligen Bands. (Roman Kostrzewski von KAT bekam in der letzten Ausgabe eine ähnliche Zusammenstellung mit dem Unterschied, daß es statt KAT VADER beschrieb).
SLAYER: Eine riesige Band, die mit ihrer Brutalität und Aggression der Anfang eines ganzen Musikstils war. Mindestens 90% der heutigen Bands, die extremen Metal spielen, sind von SLAYER inspiriert. Auch für VADER, für die neben JUDAS PRIEST und BLACK SABBATH gerade SLAYER diese dritte Band waren, die auf mein Leben Einfluß nahm. MORBID ANGEL: Ähnlich. Eine große Band. Wir spielten mit den Jungs auf der Tour und ich halte jetzt noch mehr von dieser Band, da Trey ein wirklich offener Mensch ist und mit seinem ganzen Herzen hinter dem steht, was er macht. Eine Band, die etwas später ebenfalls großen Einfluß auf die Entwicklung im Death Metal nahm. KREATOR: Eine Band, die in Europa das angefangen hat, was SLAYER begonnen haben. "Endless Pain" gehört immer noch zu meinen Top 5 und dies ändern sich seit Jahren nicht. Auch "Pleasure To Kill" hat mich beeindruckt. Eigenartig, daß sie ihren Still so sehr verändert haben. Sie sind jetzt wohl näher an DEPECHE MODE und PARDISE LOST als an ihren Wurzeln. Doch jeder Mensch ist anders und folgt seinem Weg... METALLICA: Es gibt auch Parallelen zu KREATOR. Jetzt eine große Band, doch es gebührt Ihnen Respekt dafür, daß sie als Metalband (welche sie mal eindeutig waren), die Position von MICHAEL JACKSON und MADONNA angegriffen haben. "Ride The Lightning" ist für mich die beste METALLICA Scheibe. KAT: Sie waren die polnische Antwort auf SLAYER und KREATOR. Eine Band, die damals extrem spielte und die auf mich vor allem durch ihr Image und die dunkle Thematik beeinflußt hat. Sie präsentierten ihren Satanismus auf eine sehr spektakuläre Art. An das KAT Konzert 1986 in Jarocin kann ich mich sehr gut erinnern, weil ich dort ununterbrochen wie ein Irrer gemosht und gepogt habe. Nach dem Gig bin ich auf allen Vieren gekrochen. Ich bekam ein Autogramm von Roman Kostrzewski, das ich heute noch habe. Es war ein interessantes Erlebnis, sie letztes Jahr zu treffen. Ich wurde von den KAT Jungs eingeladen und wir haben über die alten Zeiten geplaudert, doch aus einer völlig anderen Perspektive. Ich respektiere sie sehr. Diese Band hat in unserem Land sehr viel verändert, und aus diesem Grund zollen so viele Metalfans in Polen ihnen den Respekt, den sie verdienen. Leider ereignete sich im November letzten Jahres ein tragischer Motorradunfall, bei dem der Gitarrist Jacek Regulski starb. Es hat die Band so erschüttert, daß es nicht sicher ist, ob sie weiter existieren wird.
 
Um noch auf KAT und diesen beschissenen Vorfall in Ruda Slaska zurück zu kommen. Die Jungs haben wohl tierische Probleme.
Ja, das stimmt. Die Situation sieht verdammt beschissen aus. Es kam sehr viel auf sie zu... Nach dem letzten Konzert sprach ich mit dem Gitarristen Luczyk und es kam der Vorschlag, daß wir vielleicht etwas gemeinsam machen. Wie Du siehst, werde ich vielleicht nach den ganzen Jahren auch daran beteiligt sein, was KAT erschaffen....
 
Die letzten Worte gehören Dir Peter!
ES IST NOCH NICHT DIE ZEIT FÜR DIE LETZTEN WORTE! Danke für das Interview!
 
geführt am 01.04.2000   von Tomektor
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